Bildung als Waffe gegen die Armut – Innsbrucker Student engagiert sich für Schulbildung in Afrika

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Johannes Ausserdorfer ist 24 Jahre alt und kommt aus Stefansdorf, einem kleinen Dorf in Südtirol. Wie so viele Südtiroler entschied er sich für ein Studium in Innsbruck und begann mit den Studienrichtungen Spanisch und Französisch an der Leopold-Franzens-Universität. Seit mehreren Jahren zieht es ihn aber immer öfters nach Afrika um sich für die dortige Schulbildung einzusetzen. Wir haben mit ihm darüber gesprochen wie es dazu kam und wie man es schafft ein solches Projekt in einem Land wie Guinea-Bissau aufzubauen.

United For Children’s Education - Eine Hilfsorganisation in Afrika

 

Hallo Johannes, du reist jetzt schon seit mehreren Jahren nach Afrika und engagierst dich vor Ort für die Schulbildung von Kindern aus ärmeren Verhältnissen. Wie kam es dazu?

Als ich vor einem Jahr in Kolumbien und Venezuela war, bin ich mit Menschen, die in ärmsten Verhältnissen leben in Kontakt gekommen. Mich hat ein ganz bestimmtes Ereignis zur Reise nach Afrika bewegt. In Kolumbien begegnete ich einigen Gefahren, einmal ist mir ein Skorpion über den Fuß gelaufen und ein Mann attackierte mich mit einem Messer, zum Glück ist alles glimpflich ausgegangen. Ich habe selbst miterlebt, wie es sich anfühlt in ärmsten Verhältnissen zu leben. Besonders in Venezuela herrscht momentan aufgrund der Inflation große Armut. Die Zeit in Venezuela hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, einander zu helfen und besonders in Problemsituationen einander zu unterstützen – zumal ich selbst zwei Tage lang nichts mehr zu essen hatte, da die Geldautomaten keinen Cent mehr ausgegeben haben. Aber glücklicherweise hat mir ein Mann, der selbst nicht viel hatte, zwei Brote geschenkt. Die Menschen, die am wenigsten haben, würden auch das letzte Stück Brot mit dir teilen.  Durch diese Erfahrungen habe ich mir gedacht, dass ich im sozialen Bereich mehr tätig werden sollte und bin dann im letzten Sommer nach Westafrika aufgebrochen.

 

Vor kurzem hast du die Organisation UFCE – United For Children’s Education mit deinen Freunden gegründet, die sich für die Förderung der Schulbildung von Kindern in Westafrika, besonders in Guinea-Bissau, einsetzt. Wie bist du auf die Idee gekommen die Schulbildung in Afrika anzutreiben und zu unterstützen?

Ich war in Ecuador, Kolumbien, Venezuela und Mittelamerika. In Ecuador habe ich freiwillig als Englischlehrer gearbeitet und habe gesehen, dass Bildung sehr wichtig ist, wie auch bei uns. Bildung hilft beispielsweise Armut, Terrorismus und Zwangsehen zu bekämpfen.  Durch einen australischen Bekannten habe ich in Dakar einen Englischlehrer namens Ibrahima kennengelernt. Mit ihm habe ich einige Dörfer besucht und gesehen, dass nur sehr wenige Kinder die Möglichkeit haben eine Schule zu besuchen, da sich nur Einzelne das Schulmaterial und die Schulgebühren leisten können. Ab diesem Moment wollte ich dann tätig werden und durch Spenden Eltern unterstützen, um ihren Kindern Bildung zu ermöglichen. Zusammen mit Alexia Frenademetz, Julia Scola, Tobias Steidel, Nathalie Kastlunger und Maria Kostner haben wir deshalb die ehrenamtliche Organisation UFCE gegründet.

United For Children’s Education

 

Welche Projekte konntet ihr bereits umsetzen?  

Wir haben in Ndene Lagane, einem kleinen Dorf in Senegal, ein Projekt gestartet. Mit einem Spendenaufruf auf Facebook sind 1050€ zusammengekommen. Dieses Geld habe ich verwendet um Schulmaterialien zu kaufen: ich konnte 800 Hefte, 1000 Kugelschreiber, 90 Schulbücher und 200 Bleistifte kaufen und so über 400 Kinder mit den nötigsten Schulmaterialien versorgen. Mit einem Teil der Spenden konnte ich außerdem die Schulgebühren für einige Kinder bezahlen.

 

Und habt ihr bereits ein neues Projekt vor Augen?

In Guinea-Bissau wollen wir unser nächstes Projekt starten. Wir möchten vier bis fünf neue Klassenräume bauen. In Bisalanca, einem Dorf mit  4.000 Einwohnern, habe ich jemanden kennengelernt, der seinen gesamten Grund verkauft hat, um eine Schule für 350 Kinder zu bauen. Es stehen nun zwei Klassenräume zur Verfügung, wo Lehrer am Vormittag 175 Schüler und am Nachmittag nochmals 175 Schüler unterrichten. Aufgrund des Platzmangels ist es unmöglich den Kindern eine gute Bildungsmöglichkeit zu geben. Hier hätten wir geplant – sollten die nötigen Spenden zusammenkommen – weitere vier bis fünf Klassenräume zu errichten.

 

Ein Projekt in Afrika aufzubauen stelle ich mir sehr anspruchsvoll vor. Wie war das für dich?

Am Anfang habe ich mich selbst gefragt, wie das wohl alles funktionieren wird, aber durch meine Französischkenntnisse war es für mich einfacher mich zu verständigen. Die Menschen dort waren sehr freundlich und haben mich herzlich willkommen geheißen und mir weitergeholfen.schulbildung-in-afrika

 

Was sind bis jetzt die Eindrücke, die dir am stärksten in Erinnerung geblieben sind?

In den Dörfern in Afrika müssen Frauen sehr viel arbeiten und haben fast keine Rechte. Ich war in einem Dorf, wo Frauen und auch Mädchen sechs Kilometer weit gehen mussten, um Wasser zu holen. Kinder mussten vier Kilometer zur Schule gehen. Dieser Weg ist besonders gefährlich, da viele Schlangen wie z.B. Kobras und schwarze Mambas zu finden sind. Viele Kinder sind bereits an Schlangenbissen gestorben und deshalb lassen Eltern ihre Kinder lieber zu Hause, als sie in die Schule zu schicken. Ich war selbst in einer solchen Situation als ich mit drei anderen durch ein Gebüsch gegangen bin und sich eine schwarze Mamba vorbei geschlängelt hat. Zum Glück ist nichts passiert.
Ein großes Problem ist auch, dass das Wasser sehr dreckig ist. Es ist eine der häufigsten Todesursachen wodurch jährlich acht bis neun Millionen Kinder bis zum 5. Lebensjahr sterben.  Ich habe auch eine Infektion vom Wasser bekommen, eine Streptokokken Infektion. Ich hatte eine offene Wunde und durchs Duschen sind Bakterien in die Wunde geraten. Mein Fuß ist daraufhin angeschwollen und es erschwerte mir das Gehen. Glücklicherweise konnte ich es mir leisten, in die nächste Stadt zu einem Arzt zu fahren. Wenn ich noch 2 Tage gewartet hätte, hätte der Fuß amputiert werden müssen.


Die Menschen in den Dörfern können sich die Medizin nicht leisten oder?

Nein, leider nicht alle. Die kleinen Kinder sind noch nicht immun gegen diese Bakterien, so ist die Gefahr im jungen Alter ziemlich hoch. Bei den Erwachsenen hat sich das Immunsymstem schon gestärkt und somit ist die Gefahr bei denen viel geringer.Schulbildung in Afrika ist für UFCE ein wichtiges Thema

 

Wie war es für dich mit einer komplett anderen Kultur in Kontakt zu kommen?

Durch Medien erfährt man zwar einiges über die Zustände in der dritten Welt, aber wirklich vorstellen kann man sich die Situation erst, wenn man es selbst mit eigenen Augen gesehen und miterlebt hat. Ich bin zwar mit meinen Französischkenntnissen ziemlich weit gekommen, aber um mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen, musste ich mir einige Brocken ihrer eigenen Sprache aneignen. Mit einer Frau, die für die Jugend in 23 Dörfern zuständig war, besuchte ich viele Familien, die in ärmsten Verhältnissen lebten. Man erzählte mir zahlreiche herzzerreißende Schicksale. Vielen gemeinsam war aber das Problem, dass sie ihren Kindern nicht die Möglichkeit geben können, zur Schule zu gehen. Das war für mich wieder eine Bestätigung, dass das Projekt dringend benötigt wird.
Die Menschen waren insgesamt sehr freundlich und man hat meine Hilfe gerne angenommen. Bei der Verteilung der Schulmaterialien hat es eine Feier gegeben und ich durfte vor ca. 700 Personen auf Französisch eine kurze Rede halten.

 

Welche Herausforderungen hält die Zukunft noch für dich und deine Organisation bereit?

Im Moment fließen alle Spenden unserer Organisation in unsere Projekte, d.h. dass die gesamten Gelder für Schulmaterialien bzw. die nächsten Spenden für den Bau der Klassenräume verwendet werden. Unsere Organisation ist nicht gewinnorientiert und hat es zum Ziel, Menschen in wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern zu helfen und die Bildung zu fördern. Denn der Leitspruch unserer Organisation lautet: Bildung ist der Schlüssel des Lebens und die größte Waffe, um Armut zu bekämpfen. Für unser Projekt in Guinea-Bissau sind wir auf Spendengelder in Höhe von 8000€ angewiesen und sind seit November dabei, diese mittels Facebook Posts und unserer neuen Website zusammenzubringen.

Danke Johannes für das Gespräch!

 

Spendenkonto:

Cassa Raiffeisen di Brunico

VIA EUROPA 19 -39031 – Brunico provincia Bolzano, ITALY

UNITED FOR CHILDREN S EDUCATION

IBAN: IT82P0803558242000300243221 SWIFT CODE: RZSBIT21005

Spenden für Afrika die ankommen

Fotos: UFCE

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