Klettern in Jordanien (Teil 2): Erste Woche der drei Wilden

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„Urlaub in Jordanien? Und auch noch zum Klettern? Ihr spinnt ja!“ So oder so ähnlich klingen die Reaktionen, die Jonas Häring, Dominik Schmidbauer und Michael Seidl bekommen, wenn sie über ihr Kletterprojekt in Jordanien sprechen. Das Land ist vielen vor allem durch Berichte im Zuge der Flüchtlingskrise bekannt, von Jordanien als Kletterziel hingegen dürften nur wenige gehört haben. Seit einer Woche befinden sie sich im Königreich Jordanien um ihr Projekt umzusetzen. Die Kletterei ist mit ihren Erfahrungen in Europa nicht zu vergleichen und ein wahres Abenteuer.  Tag 1 bis 4 der drei Wilden:

Trad Klettern Jordanien (2)

Tag 1: Ankunft im Königreich

Mittags flogen wir mit Royal Jordan von München nach Amann. Nachdem unser Handgepäck in München ohne größere Probleme durch den Sicherheitscheck ging, wurden wir in Amann richtig gefilzt und mussten unsere Walkie-Talkies und eine Schere zurücklassen. Mit einer Stunde Verspätung ging es dann mit dem Flugzeug weiter nach Aquaba.

Eigentlich sollten wir hier von einem Taxi abgeholt werden, dass uns zum Camp in der Wüste bringen sollte. Da leider niemand bereit stand um uns abzuholen und der Flughafen auch schon am  zusperren war, entschlossen wir uns dazu das letzte Taxi zu nehmen und uns ins dorthin bringen zu lassen. Während der Fahrt mussten wir feststellen, dass der Taxifahrer nicht wusste wo unser Camp liegt und wir besuchten erstmal einen Freund von ihm der angeblich weiß wo wir hin müssen. Nachdem wir einen Tee serviert bekamen – dies war unsere erste Lektion in arabischer Kultur, als erstes kommt der Tee und dann der Rest – wurde uns mitgeteilt, dass man ohne 4WD Fahrzeug unser Ziel nicht erreichen kann. So wurden wir letztendlich für die erste Nacht im Camp von Yahia in der Nähe von Disi untergebracht. Anfangs befürchteten wir, dass wir in eine Touristenfalle getappt sind, aber während unseres Trips stellte sich heraus, dass dies ein sehr glücklicher Zufall war.

Trad Klettern Jordanien (1)

Tag 2: „Ganz schön heiß hier in der Wüste“ – Jonas Häring

Aufgeweckt wurden wir in der früh von der unangenehmen Hitze, die ein Weiterschlafen unmöglich machte. Nach einem einfachen Frühstück sind wir mit Yahia, unserem heutigen Guide, zum Einkaufen in das nahe gelegene Dorf gegangen. Dort lernten wir unsere zweite Lektion: Erstmal alles probieren und dann entscheiden was man kaufen möchte. Wir ließen uns eine Sim-Karte organisieren, sodass wir das jordanische Netz nutzen konnten. Nach unserer Rückkehr zum Camp musste Yahia noch einige Sachen erledigen und sagte uns er würde am Abend mit einem professionellen Kletterer zurückkommen, der uns nach Wadi Rum bringen und uns alle wichtigen Informationen zum Klettern in diesem  Gebiet geben würde.

Die Zeit, die wir alleine waren, nutzten wir um ein bisschen zu bouldern und einen kleinen Gipfel zu besteigen. Am Abend lernten wir Atayek kennen, unseren Guide für die restliche Zeit in Wadi Rum. Wir waren am Anfang wieder sehr skeptisch und er war schon genervt von unseren kritischen Fragen, nahm uns aber dann trotzdem bei sich auf. Die nächste Zeit sollte das Wohnzimmer seiner Familie unser zuhause sein. Hier lernten wir unsere dritte Lektion: arabische Familien sind riesig und mehrere Generationen leben unter einem Dach. Wir wissen bis heute noch nicht wer tatsächlich hier wohnt und wer nur zu Besuch kommt. Davon abgesehen, sind in Wadi Rum quasi alle verwandt, erzählte Atayek.

Trad Klettern Jordanien (3)

Tag 3: Scary aber geil

Unser erster Klettertag. Um der Hitze zu entgehen, entschieden wir uns um 6 Uhr aufzustehen und um 7  das Haus zu verlassen. Typischerweise wurde alles 30 Minuten später. Mit kleinen Umwegen durch eine völlig surreale Schluchtenlandschaft kamen wir zum Einstieg von „The Beauty“ einem absoluten Klassiker in Wadi Rum. Die angegebene Zustiegszeit von 1,5 Stunden ist uns zwar ein Rätsel, da wir 2,5 Stunden brauchten, aber das war es komplett wert. Die Route begann mit einem fantastischen Fingerriss der komplett auf Gegendruck geklettert werden musste. Die Route zog sich über verschiedene Risse weiter nach oben. Nur einmal mussten wir die Risse verlassen und eine Variante über die Platte klettern, da sich anscheinend aus einer Seilschaft vergangener Tage jemand im Stand erleichtern musste. Zum Einstieg kamen wir wieder indem wir über die Tour abseilten. Nach einer kurzen Pause im Schatten machten wir uns auf den Weg zurück zu unserer Unterkunft. Erschwert wurde uns der Weg durch die herabbrennende Sonne.

Fazit des ersten Klettertages: Super gute Kletterei, aber das Vertrauen in Friends und Keile im Sandstein haben wir noch nicht wirklich, was uns teilweise an psychische Grenzen brachte. Unsere Verpflegung bestand auf Grund einer mangelnden Möglichkeit zu kochen aus arabischem Fladenbrot mit Wasser.

 Trad Klettern Jordanien (5)

Tag 4: Klettern und Fußball

Nach den Strapazen des ersten Tages entschieden wir uns auszuschlafen und auf der anderen Talseite, am Jebel Rum, eine Tour zu klettern die Nachmittags im Schatten liegt. Nach einem kurzen Zustieg standen wir am Einstieg und Michi entschloss sich die erste Seillänge zu führen. Nach kurzer Zeit musste er sich eingestehen, dass dieser Tag nicht sein psychisch bester war und der Kopf einfach nicht frei genug war um mit der Sicherungssituation umzugehen. So überlies er Jonas das Feld, der diese Seillänge zu Ende führte. Nachdem Dominik eine weiter Seillänge führte, kamen wir  zur Schlüsselseillänge. Hier musste Jonas an sehr schlechten Sicherungen (zwei kleine unsichere Keile) eine sehr wackelige Plattenstelle klettern, um seine Angst zu überwinden benötigte er ca. 15min Kampf in seinem Kopf.

Am Abend gab es wieder unser liebgewonnenes Fladenbrot, das leider auch nach mehreren Tagen der Alterung nicht besser schmeckt. Danach ging es noch nach Disi um mit Atayek und seinen Freunden in einer typisch arabischen Shisha Bar das Champions League Match Bayern-Atletico anzusehen.


Wie der Tag 5 „Into the wild“, Tag 6 „Merlins Wall vs. Essen“ und Tag 7 „Wir machen keine Kabinenparty sondern Beduinenparty“ war, erfahrt ihr im nächsten Teil. Wenn ihr euch fragt, was überhaupt Trad-Klettern ist und wie man sich auf so eine Reise vorbereitet schaut euch den Teil 1 an. Auf ihrer Facebookseite berichten die drei Jungs laufend über ihre Abenteuer.

 

Fotos: Three Savages Trad-Climbing in Jordan

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