Klettern in Jordanien (Teil 3): Erste Woche der drei Wilden

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„Urlaub in Jordanien? Und auch noch zum Klettern? Ihr spinnt ja!“ So oder so ähnlich klingen die Reaktionen, die Jonas Häring, Dominik Schmidbauer und Michael Seidl bekommen, wenn sie über ihr Kletterprojekt in Jordanien sprechen. Das Land ist vielen vor allem durch Berichte im Zuge der Flüchtlingskrise bekannt, von Jordanien als Kletterziel hingegen dürften nur wenigen gehört haben. Seit einer Woche befinden Sie sich im Königreich Jordanien um ihr Projekt umzusetzen. Die Kletterei ist mit ihren Erfahrungen in Europa nicht zu vergleichen und ein wahres Abenteuer.  Tag 5 bis 7 des Abenteuers:

Drei Österreicher Trad Klettern in Jordanien

 

Tag 5: Into the Wild

Wir entschlossen uns wieder auszuschlafen, da unseren Körpern die Umstellung doch mehr Energie abverlangte als wir dachten. Nach einem Frühstück und anschließendem Teetrinken entschieden wir mittags, uns in den Barrah-Canyon fahren zu lassen. Ausgerüstet mit 35 Stück Fladenbrot und sechs  Six-Packs Wasser, waren wir bereit die nächsten 2,5 Tage in der Wüste zu verbringen – das nächste Handynetz ca. eine Stunde Fußmarsch entfernt. Nach der Ankunft und dem Einrichten unseres Camps, stiegen wir noch in die Route „Les Rumeurs De La Pluie“ ein. Wie in der Vielzahl der Tradclimbs in Jordanien ist hier auch die Risskletterei bestimmend, da diese gut mit mobilem Sicherungsgerät abzusichern ist. So war wieder vom Finger- über Faust- bis hin zum Körperriss alles geboten.

Nach der anstrengenden Kletterei sammelten wir noch Holz für ein Lagerfeuer, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.

Drei Österreicher Trad Klettern in Jordanien

 

Tag 6: Merlins Wall vs. Essen

Nach einer Nacht in der Wüste ohne fremde Lichtquellen und Zivilisationslärm, entschieden wir an diesem Tag einen weiteren Klassiker des Wadi Rums zu klettern: Merlins Wall. Ein Riss der von unten bis oben die Wand teilt. Während Jonas und Michael das Gebiet noch nach Erstbegehungen durchsuchten, blieb Dominik im Camp. Dort bekam er unerwarteten Besuch von deutschen Wanderern, die uns in ihr nahegelegenes Camp zum Mittagessen einluden. Dies stellte uns vor eine harte Entscheidung, Klettern oder gutes Essen von einem lokalen Koch genießen? Obwohl uns das Fladenbrot schon ziemlich zum Hals raushing entschieden wir uns für Klettern. Und wir sollten es nicht bereuen. Dominik entschied sich dafür die erste Seillänge zu klettern, die ihm alles abverlangte. Nach einer Stunde hartem Kampf war er endlich am Stand. Die nächsten Seillängen waren deutlich angenehmer zu Klettern und wir kamen ohne größere Probleme am Umlenker der letzten Seillänge an.

Am Lagerfeuer wurden die Eindrücke des Tages nochmal reflektiert und mit Wasser die Erfolge begossen.

Drei Innsbrucker Studenten Trad Klettern in Jordanien

 

Tag 7: Wir machen keine Kabinenparty sondern Beduinenparty

Unser heutiger Ursprungsplan war eine Linie für eine Erstbegehung zu finden. Nach langem hin und her,  mussten wir diesen leider verwerfen und Jonas entschied sich dazu eine Einseillängenroute zu klettern. Der ca. 30 Meter lange, fast gleichmäßige Fingerriss war zwar nicht im Führer zu finden, hielt Jonas aber nicht davon ab einzusteigen. Es war eine sehr anspruchsvolle Verschneidungskletterei, die ihn an seine Grenzen brachte.

Drei Österreicher Trad Klettern in Jordanien

Nachdem die Tour wieder abgebaut war, und wir zurück in unser Lager gingen hatten wir eine sehr seltsame Erfahrung. Ein alter, nicht sonderlich gepflegter Mann kam zu uns ins Lager und inspizierte unsere Ausrüstung. Währenddessen sprach er kein Wort nur zum Abschied rief er uns zu: „Beduin, Tea, Tea, Tea!“. Wir hatten alle ein etwas mulmiges Gefühl, aber packten trotzdem unsere Sachen zusammen, um wieder zum Klettern zu starten. Auf dem Weg zur Tour trafen wir den alten Mann mit vier Kollegen. Sofort riefen sie uns wieder „Tea“ zu.  Da wir schon gehört hatten, dass man so eine Einladung nicht ausschlägt, setzten wir uns zu ihnen auf den Teppich und tranken mit ihnen Tee. Am Anfang war das Verhältnis, auch auf Grund der Sprachbarriere, sehr distanziert. Das lockerte sich aber mit der Zeit immer mehr. Die Beduinen zeigten reges Interesse an unserer Ausrüstung, die sie auch sogleich ausprobierten. Mit einem schlechten Friend pendelten sie an einem Seil rum und hatten sichtlich Spaß dabei. Wir durften uns im Gegenzug Familienbilder ansehen und alte Geschichten in gebrochenem Englisch anhören. Nach einer Zeit verabschiedeten wir uns, um unsere Sachen wieder herzurichten, sodass Atayek nicht warten muss wenn er uns abholt. Pünktlich war alles gepackt, aber kein Atayek zu sehen. Wir machten uns noch keine Gedanken, da wir zu ihm gesagt hatten wir würden sicher bis um sieben Uhr Klettern, und er darauf meinte er sei schon um fünf da, falls wir früher fertig sein sollten. Als er um sieben immer noch nicht da war, machten wir uns langsam Sorgen, dass irgendetwas schief gelaufen war. Michael und Dominik entschieden sich aus dem Canyon zu laufen, um Handyempfang zu finden und Atayek anzurufen, während Jonas im Camp blieb. Kurz nachdem die beiden weg waren –  außer Rufweite natürlich – kam der Fahrer auch schon an. Jonas warf schnell sämtliche Sachen auf den Jeep und die anderen beiden wurden auf dem Weg eingesammelt.

Das Highlight des Tages war dann das Abendessen, welches wir von Atayek serviert bekamen: Hühnchen-Kartoffel-Auflauf, was nach 4 Tagen Fladenbrot eine willkommene Abwechslung war und uns besser als jedes 4* Sterne Gourmetessen schmeckte.

Drei Österreicher Trad Klettern in Jordanien


Das war die erste Woche der drei Jungs und auch die zweite wird sicherlich einiges an Überraschungen und Abenteuern bereithalten. Auf unserer Website und ihrer Facebookseite halten sie euch auf dem Laufenden! Hier gehts zu Teil 1 und Teil 2.

 

Fotos: Three Savages Trad-Climbing in Jordan

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