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19 Russen und Ich – Tagebuch einer Floßfahrt

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Drei Tage mit 19 Russen auf einer Floßfahrt? Ja, das sollte man schon schaffen. Schließlich wäre es ja langweilig, nur Russlands Städte kennen zu lernen. Ob es purer Übermut war, oder einfach nur dumm, darf jeder selbst entscheiden. Mehr zu Russland findet ihr in unserer Printausgabe #7!

Tag 1 – Regen im Anmarsch

Wir nähern uns mit einem Kleinbus dem Ziel: Bootsfahrt in der russischen Pampa! Als nach vier Stunden auch das letzte Stück Waldweg aufhört, kamen wir endlich im Basiscamp an. Was als Rafting Trip deklariert war, entpuppt sich dank dem Alter der Teilnehmer und der Fließgeschwindigkeit des Flusses, die mit einem Stillstand gleichzusetzten ist, eher als gemütliche Kaffeefahrt. Natürlich gibt es auch Schwimmwesten, die kann man schließlich gut als Sitzkissen verwenden, für alle reichen sie eh nicht. Als sich der Tag langsam dem Ende hinneigt, wich die Sonne langsam aber stetig den aufkommenden Wolken. Der ideale Zeitpunkt, um irgendwo am Flussufer die Zelte aufzubauen. Unser Guide sieht das allerdings ein wenig anders. Immer weiter und immer weiter will er, bis alle Anlegestellen a.) zu klein oder b.) schon besetzt sind, da auch andere vor dem Regen Schutz suchen. Trotz Regenmänteln und Regenstiefeln kommen wir Stunden später platschnass an einem geeigneten Lagerplatz an, bauen mehr schlecht als recht einen Unterstand und unsere Zelte auf und wärmen uns mit Vodka aus Plastikflaschen. Angeheitert sprechen auf einmal doch die oder der andere Russin/Russe Englisch und ich kann mich mit Hilfe meiner russischsprechenden Begleitung mit Ihnen unterhalten.

Welcome to Russia

Tag 2 – Mahlzeit

Dieses Essen. Es kann mir doch keiner erzählen, dass jemand freiwillig dieses Essen zu sich nehmen würde. Dosenfleisch, Dosenthunfisch, Dosengemüse, Dosenobst. Wahrliche Delikatessen aus Russland werden uns aufgetischt. Mit diesem Gedanken starte ich leicht hungrig in den Tag. Das Wetter hat sich gebessert, jedoch kommt es immer wieder zu Regenschauern. Schlussendlich beschließen wir, die Zelte nass einzupacken und mit Regenschutz bewaffnet den Fluss weiterzufahren. Zwischendurch erklimmen wir den einen oder anderen Berg, wie sie die dortigen Hügel gern nennen, und erforschen die eine oder andere Höhle. Der Wettergott ist uns heute gnädig und schenkt uns für unseren zweiten Lagerplatz Sonnenschein. Diese Mal geht alles schon reibungsloser. Nach der ersten Nacht, die wenig mit einer Kaffeefahrt zu tun hatte, sind wir schon ein eingespieltes Team. Während die Frauen sich um das Kochen, den Abwasch im wohl dreckigsten Fluss Russlands und die leichten Arbeiten im Camp kümmern dürfen, werden die Männer mit all ihrer Manneskraft in den Wald geschickt, um Feuerholz für das Lagerfeuer zu besorgen. Willkommen in Russland!

Welcome to Russia

Tag 3 – Die Sache mit dem Klo

Die Sache mit der Notdurft und den hygienischen Gegebenheiten eskaliert wie erwartet an Tag drei. Der liebliche Morgenduft der Natur beißt sich mit den umliegenden Naturklos. Die Speisen und der nicht zu verachtende Vodka der letzten Tage machen auch mir zu schaffen. Immerhin ist Kot ja biologisch abbaubar, im Gegensatz zu den zahlreichen Mülldeponien rund um die Anlegestellen. Apropos Anlegestellen: wer sich fragt, warum wir die Flöße (ja, schreibt man so. hab ich gegoogelt.) immer ans Land ziehen: Nicht etwa weil sie sonst in den Fluss getrieben werden. So ein Floß ist ja einiges Wert, da kann es schon Mal vorkommen, dass jemand mit einem Motorboot sich eins für seine private Kollektion mit nach Hause nimmt.

Erschöpft, aber glücklich die Strapazen überlebt zu haben, erreichen wir ein paar Stunden später die ersten Ausläufer der russischen Zivilisation. Nach drei Tagen bin ich froh, wieder ein Dach über dem Kopf zu haben.

Welcome to Russia

Tag 186 – Die Erinnerung

Zurückblickend denke ich an das Kind, das nie gejammert hat, trotz Regen und Kälte. An Frauen, die an den Herd gehören und ja keine schwere Arbeit ausüben sollen. An den Typen der es geschafft hatte eine Meter-hohe Shisha mitzuschleppen. An Funktionskleidung, die für uns selbstverständlich und für viele Russen unbezahlbar ist (Dafür hat einfach jede/r einen Tarnanzug).  Und an ein Erlebnis, dass ich nicht so schnell vergessen werde.

Russlandurlaub


Mehr zu Russland findet ihr in unserer Printausgabe #7, kostenlos erhältlich ab März 2016 bei eurem Zeitlos-Dealer des Vertrauens. Auf unserer Facebookseite halten wir euch auf dem Laufenden.

Hallo, ich bin der Felix und ich schreibe hin und wieder was.