Soziales Engagement: „VinziBus“ – Essen für Menschen in Not

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Kaum jemand kennt ihn und doch dreht der VinziBus tagtäglich seine Runde durch Innsbruck, um bedürftige Menschen zumindest einmal am Tag mit Essen zu versorgen. Seit mehr als zehn Jahren setzen sich die über 50 ehrenamtlichen HelferInnen des Projektes „VinziBus“ für jene ein, die sonst ohne eine warme Mahlzeit auskommen müssten. Dass hinter dieser Aktion viel Hingabe, Freude und Liebe steckt, ist vielen nicht bewusst.

Das soziale Engagement sowie die Hilfe für bedürftige Menschen ist eine zentrale Motivation der Vinzenzgemeinschaften, die in Summe die größte ehrenamtliche Laienorganisation der Welt bilden. Grundstein für diese wohltätigen Gemeinschaften legte 1833 ein Student und späterer Professor der Universität Sorbonne in Paris. Erschüttert vom sozialen Elend und der Armut in der Großstadt schloss sich Frédéric Ozanam mit Studierenden zusammen, um den ärmlichen Verhältnissen mit Solidarität und Nächstenliebe entgegenzuwirken. Dieser Gedanke wurde in die Welt getragen und ist auch heute noch von großer Bedeutung für die weltweit tätigen Vinzenzgemeinschaften, die mit den unterschiedlichsten Projekten Menschen in Not zur Seite stehen.

In Tirol wurde diese Idee in Gestalt des „VinziBus“ verwirklicht, der in Innsbruck bereits über 3.000-mal ausgefahren ist und über 150.000 Essensportionen an Obdachlose und bedürftige Menschen verteilt hat. Seit 2004 besteht die Möglichkeit, an zwei Orten in Innsbruck mit einer Mahlzeit versorgt zu werden. Ausgestattet mit warmem Essen und Tee von der Cateringfirma Meraner, Brot und Gebäck von Baguette, Stephans Brotmanufaktur und privaten Gönnern legt der VinziBus um 18 Uhr seinen ersten Stopp bei der Markthalle ein. Ungeduldig wird der Bus und die zwei bis drei freiwilligen HelferInnen von einer bunt gemischten Gruppe, die sich hauptsächlich aus Männern unterschiedlichen Alters und Nationalitäten zusammensetzt, erwartet. Damit bei der Essensausgabe im Freien niemand zu kurz kommt, gibt es klare Regeln, die von den meisten auch akzeptiert werden. Nur selten sei es bisher zu unangenehmen Zwischenfällen gekommen, erklären uns die zwei freiwilligen Fahrer Reinhold und Franz. Für eine friedliche Essensausgabe setzen sich die Bedürftigen auch selbst ein, da ihnen der Wert dieser Aktion durchaus bewusst ist. Dies zeigt sich zudem in der Dankbarkeit, die von den notleidenden Menschen kommt.

VinziBus Anna und Melanie

Nachdem alle mit Essen und Tee versorgt worden sind, setzt der VinziBus seine Mission fort und steuert die zweite Essensausgabestelle in Innsbruck an. Die Wolfgangstube des Kapuzinerklosters, das von der Caritas betreut wird, bietet Obdachlosen, die sich aufwärmen wollen, die Möglichkeit, gemeinsam an einem Tisch zu essen. Gerade auf so engem Raum ist es umso wichtiger, dass sich jeder geduldig in einer Reihe anstellt und auf den anderen Rücksicht nimmt. Es scheint sogar selbstverständlich, dass alle den Raum wieder sauber und aufgeräumt hinterlassen.

Der reibungslose und friedliche Ablauf zeigt wiederum, dass dieses Projekt mit viel Fürsorge und Hingabe von den Leitern organisiert wird. Obmann Gernot-Klaus Christler freut sich über die breite Unterstützung seitens der Bevölkerung – vor allem, da es zu Beginn Schwierigkeiten bei der Suche nach Standorten für die Essensverteilung gab. Den Organisatoren des „VinziBus“ ist es nämlich besonders wichtig, sowohl eine Essensausgabe im Freien als auch im Warmen zu ermöglichen, damit auf die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen Rücksicht genommen werden kann und möglichst viele notleidende Menschen dieses Angebot nützen. Das Gefühl der Schande scheint bei vielen noch eine große Hürde darzustellen. Dem wirken die freiwilligen HelferInnen begonnen bei Hausfrauen, Pensionisten bis hin zu Akademikern, Schützen und Studierenden mit viel Feingefühl und Fürsorge entgegen. Bei ihrer Arbeit legen sie besonderen Wert auf einen liebevollen und respektvollen Umgang mit den Menschen in Not. Denn ein Aspekt darf im Hinblick auf soziales Engagement nicht vergessen werden: Hinter jedem einzelnen Schicksal steckt eine bewegende Lebensgeschichte, weshalb es wichtig ist, den Menschen mit Würde und Respekt zu begegnen und zu einer „Tankstelle menschlicher Wärme“ zu werden.

Fotos: Vinzenzgemeinschaft, Melanie Hirsch & Anna Trojer


Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde erstmals in unserer Printausgabe #6 | SS 2015 veröffentlicht.

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