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awW: Und wie war das mit dem Nino aus Wien?

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Na wie das eben so ist. Einfach viel zu schnell vorbei. Deine liebe Band tritt auf, einen Moment lang bist du einfach nur da, und schon naht das bittersüße Schlusslied. Bob Dylan hat er gehört und James Joyce gelesen, Musik mit Ernst Molden und Skero gemacht, und jedes Lied ist das eine in einer Schachtel alter Knöpfe. Wie schön oder schiach der Nino aus Wien wirklich ist und warum das neue Album „Immer noch besser als Spinat“ eigentlich eh ganz nett ist, erzählten er und die Band nach dem Konzert letzten Samstag im Weekender.

Die Zeitlos: Nino, wenn es zwei Sorten Menschen gibt, gehörst du wohl nicht zu denen, die Spinat mögen. Warum der Albumtitel?
Der Nino aus Wien: Weil ich ein Lied machte namens Spinat, mit 17 oder so, das drauf ist. Und ich bin kein Spinatfan, nein. Bis ich achtzehn war, hasste ich Spinat wirklich… Ich weiß mittlerweile, dass ein frischer Blattspinat garnicht so schlecht is. Aber ich bevorzuge Mangold aus der Spinatfamilie. Wogegen ich eine wirkliche Ablehnung habe, ist so Cremespinat. Allein der Geruch macht mich aggressiv, das ist schlimm.

Also Lieblingsgemüse Mangold?
Lieblingsgemüse Dille.

Ist das ein Gemüse?
Lieblingsspeise Dillesoße. Von solchen vegetarischen Speisen, also so Gemüsespeisen mein ich. Kartoffeln mit Schlagobers und Dille. Ich hätt das Album auch Dille nennen können. Bob Dille. (lacht)

Vegetarisch bist du aber nicht oder? Weil sonst wär’s schad um den Speck den ich mitgebracht hab.
Nein urgut, danke. Ich liebe solche Sachen. Ich bin nur sehr selten vegetarisch.

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In letzter Zeit sind ein paar ziemlich gefeierte Musiker gestorben. Lemmy Kilmister von Motörhead, David Bowie, und Glenn Frey von den Eagles. Hast du die gehört?
Ja, ein David Bowie Fan, sicher. Und ich hab einen Tag bevor er gestorben ist sein neues Album gehört. Das war urarg… Ich hab lang kein so schönes Album gehört. Black Star war das. Und wie er singt, so als wär er 25.

Wie alle jetzt interpretieren, dass es so sein letztes Aufbäumen war, vor dem Tod.
Ist natürlich ein Traum, ich würd auch am liebsten kurz bevor ich sterb so ein Album machen. Aber (lacht) ich glaub das mach ich nicht, nein.  Raphael (Gitarre, Keyboard): Vielleicht lebt er ja noch. Nino: Eh, das is immer die Frage bei diesen ganzen Stars… Der Falco lebt ja auch noch. Ich kenn jemanden der kennt den Falco, also, der weiß dass er noch lebt. Er sieht ihn immer in der Sopherl am Naschmarkt. Spritzer trinken. (lachen)

An sich ist die Vorstellung doch schön, dass die alle auf einer Insel wohnen. Elvis, Falco, David Bowie…
(Schmunzelt)
Die werden alle Palmen zerstören auf der Insel.

Wo seht ihr euch musikalisch mehr zuhause? Ästhetik oder Hässlichkeit? Schön oder Schiach?
Eine schöne Mischung wahrscheinlich. Schiach… ist vielleicht auch das falsche Wort.
Raphael: Das sind auch so subjektive Kategorien.
Nino: Schiach sind Maden.
Raphael: Wobei es sicher Menschen gibt, die Maden schön finden.
Nino: Ja eh, aber jeder hat halt so seine eigene Wahrnehmung. Fischer lieben Maden… Doch, ich freu mich am meisten wenn es schön ist was ich schreibe. Ich mein, manchmal so schiach reinspielen ist schon nett, aber insgesamt halt.

Ich bin ja aus einem kleinen Ort in der Obersteiermark. In der Nähe von Mürzzuschlag, da hast du auch schon mal gespielt.
Aso ja, mein Opa ist von da eigentlich, den ich nie kannte. Ich bin in Wien geboren, aber ein bisschen was, ein bisschen ein grünes Herz hab ich schon, ja. Ich bin eigentlich ein Achtel Jude, drei Achtel Steirer, und sonst halt Hirschstettner, Wiener.

Ja da, wenn die Eltern nur irgendwas von Musik halten, lernt man erstmal Blockflöte oder Trompete. Wie war das bei dir, die ersten Töne?
Mein Bruder war ein hochbegabter Musiker als Kind und kam in diese „Frühförderung“, wenn man so sechs ist. Und hat Klavier gespielt, urgut, so Rachmaninovstücke  blind. Und dann habens mich auch dahingeschickt und gesagt, ich soll mir ein Instrument aussuchen, was mich interessieren würde. Aber ich hab gesagt ich will keines. Ich will wieder heim.

Also das Gitarrespielen is nur Show.
Nein, das kam halt später erst. Mit sechs nicht, eher mit sechzehn. Ich hab zu viel Beatles gehört und Beatles DVDs geschaut, deshalb wollte ich dann selber spielen. Ich hab dann so eine staubige verstimmte Gitarre bei meinen Eltern gefunden. Und dann irgendwann eine gekriegt auch, ja. Vom Hofer, die schwarze E-Gitarre.

Vom Hofer, mit so einem Schnellkursheft? So eine hatte ich auch. Muss man wohl gehabt haben.
Hmm ja voll, die braucht doch jeder zuhaus. Das Heft hab ich aber glaube ich nie in die Hand genommen.

Irgendwie merkt man schon das Wienerisch-Großstädtische in deiner Musik. Musik aus der Stadt, vom Land, macht das einen Unterschied?
Es ist jetzt keine gscherte Musik, nein. Aber auch nicht so zwingend großstädtisch… Ich probier schon so Volksmusik, aber es klingt dann auch nicht. Der Nebel geht ins Blut einfach, wir haben keine Berge.

Warst du mal richtig besoffen in Innsbruck?
Besoffen… (lachen) Ja doch. Wie wir letztens in Völs, im Blumenpark gespielt haben musste ich zurück nach Innsbruck, und wir haben aber in diesem Kempten, also, Kematen, übernachtet. Da bin ich dann auch leicht verstrahlt mit dem Taxi gefahren. (schmunzelt)Nino-Cover-2500px-300dpiVorletzte Frage: Sieben Jahre machst du der Nino aus Wien jetzt. Warum kommt mit „Immer noch besser als Spinat“ jetzt eine Rückschau? Wie kam es dazu?
Ja, es war eh nicht meine Idee. Es ist halt so eine nette Zwischeneinspielung glaube ich. Ändern tut‘s glaub ich nicht allzuviel. Es ist auch für die Vinylfans, die immer fragen ob wir Vinyls haben. Und so für Tanten, Onkeln, die jetzt nicht unbedingt alle Alben haben wollen.
Raphael: Für den Weihnachtsbaum.
Nino: Für den Weihnachtsbaum, für die Geburtstagsparties… Ich nehm das jetzt nicht so ernst. Vielleicht in zehn Jahren denkt man anders drüber und merkt, dass man seit dieser Compilation sich anders verhielt und sich alles verändert hat. Das kann schon sein. Ich bin eh für Veränderung und so. (lächelt)

Würdest du ein Lied mit mir und meinem Cello machen?
Ach du spielst Cello? Ich kenne den besten Cellisten von Österreich, der Lukas Lauermann. Ich liebe das Instrument… Aber schick halt mal was.

Passt, danke fürs Gespräch.

 

Fotos: Moritz Jelting, Der Nino aus Wien

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