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FuckUp Night Innsbruck – Geschichten vom Scheitern

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Am Abend des 21.1. versammelten sich schon zum zweiten Mal  Scharen von Menschen in der Bäckerei und das nur zu einem Zweck: Den Vortragenden über ihren Geschichten vom Scheitern zu lauschen. Veranstaltet vom CAST – Center for Academic Spin-offs Tyrol in Kooperation mit der Bäckerei, wird bei dieser Eventreihe Leuten wie dir und mir eine Bühne und ein Mikrofon geboten, um zu erzählen, was man im Leben falsch gemacht hat. Mitgefühl und Lachflashs vorprogrammiert.

Wie im Vorfeld prognostiziert wurde, wird alle zwei Monate eine FuckUp Night stattfinden. Die freiwilligen Speaker gestehen sich mit ihrer Rede nicht nur ihre eigenen Fehler ein, sie wollen damit auch ihre Mitmenschen vor ähnlichem Übel warnen und bewahren. Um von den Dingen zu erzählen, die man selbst in den Sand gesetzt hat, gehört natürlich eine ordentliche Portion Mut. Daher auch ein großer Aufruf seitens der Veranstalter, um die Eventreihe fortführen zu können: Traut euch! Über das Scheitern im Leben zu sprechen hilft nicht nur euch selbst, sondern auch die Zuhörer können viel daraus lernen. Hier nun drei Geschichten von drei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

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Scheitern in der Unternehmensberatung

Elke Bachler hat 2008 nach ihrem Studium ihre eigene Firma namens kreawerft großgezogen. Sie war damals bestens vorbereitet und mit perfekt ausgearbeiteten Businessplänen ging sie zur Bank und mit einem Kredit wieder heim. Doch sie unterschätzte die Konkurrenz, die wegen des „Gott-Loki-Syndrom“, wie sie es nannte, unnachgiebig und unkooperativ blieb. Die externe Finanzierung, eine Rechnung der Sozialversicherungsanstalt mit einem Betrag, der in astronomischen Höhen lag und schließlich die fehlenden Kunden haben Elke dazu bewegt, nach den „klassischen vier Jahren“, wie sie sagt, von ihrem perfekt geplanten Weg abzuweichen und die Notbremse zu ziehen. Trotz ihres Scheiterns hat sie viel über sich selbst gelernt und kann sich heute in einer Firma eines ehemaligen Kunden verwirklichen.

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Scheitern im Verlagswesen

Martin Kolozs arbeitet seit Abschluss seines außergewöhnlichen Studiums der christlichen Philosophie als Autor und Verleger. Auf die Frage, wer im Raum ihn kennt, folgt das große Schweigen. Satte 150 Bücher hat Martin während seiner beruflichen Laufbahn verlegt. Doch wie er selbst sagt, die Literatur schwindet, sie wird als sinnlos bezeichnet und die Arbeit mit ihr als brotlos abgetan. Nicht nur zum Leidwesen seiner selbst, sondern auch zum Leidwesen aller Literaturliebhaber. Er stellte sich die Frage, wie weit er von seinen ursprünglichen Idealen abweichen kann. Doch diese Frage relativiert sich durch die Tatsache, dass man ohne Geld weder Produktionskosten decken, noch Brot kaufen kann. Heute ist Martin der Meinung, dass es wohl noch ein paar Jährchen so weitergehen wird. Doch wenn es darum geht, Umweltaktivisten die Veröffentlichung eines Buches zu ermöglichen, währenddessen er von einer Dame für den Vertrieb eines Buches über Sex angeschnauzt wird, dann steht er zu seinem Job und seinen Werten.

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Scheitern im Studium

Daniel Feichtner ist ein Mann, der sein Leben zwar nicht auf die leichte Schulter nimmt, es aber zumindest locker und gechillt angeht. Schon in der Schule ließ er Abgabefrist Abgabefrist sein und erledigte alles am letzten Drücker. Von der Familie unfreiwillig aus seiner persönlichen Maturareise in Vietnam heimgeholt schrieb er sich erst mal für Informatik ein. Nach einigen Semester kam der große Studienwechsel – Geschichte soll es sein. Seine beginnende Ehe mit einer Amerikanerin ging bergab, aber hey, „war ja nur eine Unterschrift“, so Daniel. Nach einigen weiteren Studienjahren verursachte der Feind der Menschheit, das Geld, einen langwährenden Streit. Daniel ließ sich scheiden, aber hey, „war ja nur eine Unterschrift.“ Doch als die Journalismus-Akademie Innsbruck noch in ihren Kinderschuhen steckte, entdeckte Daniel seinen Ehrgeiz. Er kratze sein letztes Geld zusammen, bekam die heiß begehrten Praktika und im April jährt sich sein erster Arbeitstag als Vollzeitredakteur bei der Target Group zum zweiten Mal.

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Fotos: Lorenz Zenleser

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