Einmal Sex bitte – Besuch in einem Bordell

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Wir alle kennen die Damen am Südring, der eine oder andere unter uns ist von ihnen sicherlich schon angesprochen worden. Wahrscheinlich finden sich unter unseren Lesern auch manche, die ihre Dienste bereits in Anspruch genommen haben. Wie von den Meisten bereits vermutet: die Rede ist von SexarbeiterInnen. Wir haben uns in einem der Innsbrucker Bordelle umgesehen und uns mit ihnen unterhalten.

Zum Einstieg
Prostitution gehört neben dem Priesteramt zu den ältesten Berufen der Menschheit. Die Formen und das Ausmaß waren und sind immer noch unterschiedlich und haben sich im Laufe der Zeit geändert. Im Altertum etwa war die Prostitution stark mit Religion verbunden. Bei der sogenannten „Tempelprostitution“ in Babylon mussten sich alle jungen Frauen per Gesetz einmal im Tempel einem Fremden hingeben, um damit Geld für den Tempel zu sammeln. Viel hat sich mit der Zeit nicht geändert, auch heute werden die sexuellen Dienstleistungen für Geld angeboten, auch heute gibt es noch Zwangsprostitution und auch heute gibt es Frauen, die sich freiwillig für ein Leben in der Prostitution entscheiden.

Einmal Sex Bitte - Besuch in einem Bordell

Prostitution in Österreich
Das Anbieten von sexuellen Dienstleistungen ist in Österreich grundsätzlich legal. Mittlerweile ist Prostitution gesetzlich geregelt und seit 1986 sogar einkommenssteuerpflichtig. Für lange Zeit galt sie allerdings als sittenwidrig: Ohne rechtliche Folgen zu erwarten, konnten Kunden den Prostituierten ihr Entgelt verwehren. 2012 wurde dies vom obersten Gerichtshof aufgehoben, seitdem haben Prostituierte einen besseren rechtlichen Stand und können ihren Lohn einklagen. Derzeit gibt es 6.200 (Stand 2013) gemeldete Prostituierte, in Tirol sind es etwa 160 (Stand 2007). Nur 4% davon sind österreichischer Herkunft, der Großteil kommt aus den ehemaligen Ostblockländern. Die hohe Ausländerquote lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass Sexarbeit einer der wenigen Arbeiten ist, denen Asylwerber in Österreich nachgehen dürfen.

Besuch in einem Bordell
In Innsbruck ist es nicht viel anders. Wir alle gehen fast täglich an Bordellen und SexarbeiterInnen vorbei, beachtet werden sie aber von den wenigsten. Um einen Einblick in das Gewerbe und die Kultur der Prostitution zu bekommen, haben wir beschlossen ein solches Etablissement zu besuchen. Nach mehreren E-Mails und Telefonaten war es letztendlich möglich, einen Termin in einem Bordell zu bekommen.

Das Gebäude ist von hohen Mauern umgeben. Als wir den Innenhof betreten, fühlen wir uns wie in einer Festung. Zwei Bereiche gibt es – einen Saunaclub und einen Loungebereich. Der eine soll zum Relaxen und Entspannen anregen und der andere zum Party machen. Wir haben jedoch bereits Schwierigkeiten den Eingang des Bordells zu finden, er versteckt sich nämlich an der Rückseite des Gebäudes. Zum Glück waren wir mit dem Chef verabredet, denn die 80 Euro Eintritt hätten in unser Studentenbudget ein großes Loch gerissen. Das Konzept des Bordellbetreibers ist einfach: Er stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung und kassiert den Eintritt – was die SexarbeiterInnen mit Ihren Kunden treiben obliegt ihnen selbst. Sowohl Männer und Frauen haben somit einen geschützten Ort, um ihre Liebesdienste zu verrichten sowie ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Die Prostituierten werden dabei behandelt wie normale Kunden und müssen Eintritt zahlen. Alle Frauen die in einem Bordell arbeiten, müssen allerdings als SexarbeiterInnen gemeldet sein und sich wöchentlich auf etwaige Krankheiten untersuchen lassen.

Symbolbild – Theater der Künste

Den Eingangsbereich verlassend betreten wir zuerst den Umkleidebereich. Mit einem Bademantel bestückt geht es dann weiter zum eigentlichen Saunaclub. Die Frauen fressen uns förmlich mit ihren Blicken auf. Sie kommen jedoch nicht auf uns zu, den ersten Schritt müssen die Kunden machen. Wie auf einer Auktion sitzen sie nackt im ganzen Club verteilt. Im Eintrittspreis selbst sind nur der Zugang, Getränke und ein Buffet inkludiert. Pro halbe Stunde Liebesakt wird ein Richtpreis von 60 Euro veranschlagt – Küssen kostet extra – wie uns ein Schild mitteilt. Nach Absprache kann allerdings auch ein anderer Preis verlangt werden. Moderne Einrichtung, Whirlpools und Sauna verleihen dem Ganzen eine gewisse Exklusivität. Der Versuch professionell zu wirken scheint zu funktionieren: Nach ein paar Minuten verringern sich die Blicke. Die Damen merken, dass wir nicht hier sind, um unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen, sondern anscheinend andere Gründe haben. Wir wollen mehr Informationen über sie selbst und diese Art des Berufes herausfinden und erfahren im Zuge unserer Gespräche, dass es für sie einfach „easy money“ ist. Sogar Freundschaften entstehen in diesem Gewerbe, aber größtenteils herrscht ein großer Konkurrenzkampf. „Die Tiroler gehen nach Salzburg und die Salzburger nach Tirol“, erzählt man uns. Verständlich, denn die Gefahr von Freunden oder Bekannten erkannt zu werden ist in der Heimat höher. Kunden sind ausschließlich Männer, Frauen hingegen wird der Einlass verwehrt. Einerseits wird damit die Gefahr der Krankheitsübertragungen verringert, da diese sich schließlich nicht wöchentlich untersuchen lassen müssen und andererseits wird so eine Eskalation des Konkurrenzkampfes im Bordell unterbunden.

Unser Besuch neigt sich dem Ende zu. Das Angebot zu einem studentenfreundlichen Preis länger zu bleiben, lehnen wir dankend ab. „Manchmal telefonieren die Gäste beim Hereinschreiten noch mit ihren Frauen und fragen mich anschließend, ob ihre Lüge gut war“, erzählt uns abschließend die Rezeptionistin. Mit vielen Eindrücken und Gedanken im Kopf bedanken wir uns für das Gespräch und die Führung beim Bordellbetreiber und gehen nach Hause.

Zum Abschluss
Unsere Weltanschauung wurde zwar nicht grundlegend verändert, aber macht uns auf jeden Fall offener gegenüber dem Gewerbe der Prostitution. Ist es ein Beruf wie jeder andere? Sicherlich nicht. Ob wir versuchen sollten Prostituierte nicht mit schiefen Blicken anzuschauen? Ja. Egal ob sich SexarbeiterInnen selbst dazu entschlossen haben sich zu prostituieren, sie gezwungen worden sind oder einfach nur in die Szene hineingeschlittert sind, wir haben nicht das Recht über sie zu urteilen. So wie wir uns erwarten mit Würde und Respekt behandelt zu werden, haben auch die Prostituierten am Südring oder in Bordellen das Recht, als vollständige Mitglieder unserer Gesellschaft angesehen zu werden.

Im Bett mit einer Sexarbeiterin?

Du willst mehr über Prostitution in Österreich erfahren? Informiere dich unter www.sophie.or.at!

Fotos: Alejandro Cordon via Flickr  CC 2.0, 129, andreawilla via Flickr CC 2.0


Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde erstmals in unserer Printausgabe #6 | SS 2015 veröffentlicht.

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