Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

Einmal anders rum – Wenn sich dein Date vom Guten zum Besseren wendet

Share

Beim ersten Date sind wir Frauen doch immer so „Was zieh‘ ich an? Wie verhalt‘ ich mich? Was sag‘ ich bloß? Gefall‘ ich ihm?“, wer kennt das nicht. Aufregung und Unsicherheit legen sich im Laufe der Zeit mit steigender Zahl der Dates. Doch was, wenn du ewig von deiner heimlichen Flamme getrennt warst und du bereits zu hoffen aufgehört hast? Hier die Geschichte von meinem zweiten ersten Date mit einem mega heißen Heteromann, der sich als gar nicht mehr so hetero entpuppte.

Zwei Männer und eine Frau sitzen auf einer Bank

23:30     Ich habe soeben erfahren, dass er in der Stadt ist. Hektisch und irgendwie vor Aufregung zitternd entschlüpfe ich meinem gemütlichen Pyjama, quetsch mich in enge Jeans und irgendwas mit Ausschnitt, style mir die Haare neu, etwas Wimperntusche und Parfum und raus bei der Haustür.

23:50     Ankunft in der verabredeten Bar. Ok. Calm down. Alles wird gut. Und da kommt er. Diese kohlrabenschwarzen Haare, diese lässige Jeans, diese Hemdfarbe, die ihm so gut steht, diese Nähe beim Küsschen-Links-Küsschen-Rechts, die ich so vermisst habe. Ich untertreibe nicht, ihn als Trophäe einer jeden Frau zu bezeichnen, insofern sie in der Lage ist, ihn um den Finger zu wickeln.

23:55     Mein erstes Gläschen Wein hilft mir, meine Nerven zu beruhigen. Schließlich haben wir uns über ein Jahr nicht mehr gesehen. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich verhalten soll, ebenso wenig was ich sagen soll. Aber ob ich ihm gefalle? Also bitte, was ist das denn für eine Frage.

00:35     Nach alltäglichen Gesprächen über Uni, Beruf, Familie und Leben starte ich meinen Nussknacker-Feldzug. Die beiläufige Bemerkung, dass ich Poledance meinen Lieblingssport nennen darf, scheint ihn zu beeindrucken. Zu recht. Hier vor mir sitzt nämlich eine der härtesten Nüsse, die es auf dieser Erde gibt. Schier unnahbar. Aber gut. Mit diesem Aussehen kann Mann sich das leisten.

01:20     Der nette Kellner bringt mir mein letztes Gläschen Wein, mittlerweile hat er sich zu uns gesellt, die beiden sind ja Berufskollegen. Die Unterhaltung wird aufgefrischt, was ich als sehr angenehm empfinde, da mir langsam der Gesprächsstoff ausgeht. Die Tatsache, dass Herr Kellner schwul ist, macht ihn gleich noch ein Eck sympathischer, mit ihm lässt sich’s einfach leichter plaudern.

01:40     Sperrstunde der Bar, Aufbruch unseres Dreiergespanns in eine andere Bar, Entschluss meinerseits: Ich gehe heute nicht alleine nach Hause.

01:45     Ankunft in der anderen Location mit gechillter Atmosphäre, zwei Flaschen Sekt, drei Gläschen Averna für jeden von uns und eine unüberschaubare Anzahl an Cuba Libre.

02:30     Während mein Date mit seiner Hamsterblase aufs Klo läuft, krall ich mir Herrn Kellner und bitt‘ ihn inständig, seinen Kumpel zu überreden, heute die Nacht bei mir zu verbringen. Er weigert sich. Wieso? Das werde ich gleich in einer Intervention erfahren, bei der ich erste Reihe fußfrei dabei sein darf.

02:35     Mein Date wird teils gegen seinen Willen geoutet. Es stellt sich raus, dass er sich nicht mehr zu 100% zu Frauen hingezogen fühlt. Die beiden halten Händchen während unseres innigen Gespräches. Soll ich lachen oder weinen?

02:45     Herr Kellner lässt uns allein, lässt uns Zeit und Luft zum Atmen und Reden. Und ich bin plötzlich unendlich glücklich. Ich freue mich so unbeschreiblich für die beiden. Obwohl sie sich noch nicht lange kennen, sehe ich es endlich, was da in der Luft knistert, wenn sie sich ansehen. Mein Date ist weder sauer, noch erleichtert. Er steckt nämlich noch mitten drin in der Phase der Erkenntnis und des Wandels. Ich rede ihm gut zu. Ich höre ihm zu. Ich verstehe ihn und verspreche ihm, immer für ihn da zu sein, wenn er eines Tages weiblichen Rat oder einfach jemanden zum Reden braucht. Ich bin da.

03:30     Mit einem wunderbaren Gefühl gehe ich nach Hause. Allein. Ich weiß mein Date auf dem besten Weg mit der liebevollsten und umsichtigsten Begleitung, die Mann sich vorstellen kann.

Heute:  Die Wogen der Aufregung dieses Dezemberabends haben sich mittlerweile gelegt. Mein Date, und an dieser Stelle nenne ich ihn Freund, ist nun erleichtert. Denn durch sein Outing weiß er eine altbekannte und abermals neugewonnene Freundin an seiner Seite. Es scheint, als sei er verliebt. Ich sehe ihn erstmals richtig glücklich und ich akzeptiere es, dass ich ihm dieses Glück nie hätte geben können. Ich wünsche ihm und ihnen beiden nur das Beste auf ihrem gemeinsamen Lebensweg.

 

Foto: Kiss In (26), Philippe Leroyer via Flickr unter CC 2.0 und 3, Sascha Kohlmann via Flickr unter CC 2.0

Share