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3 Zimmer, Küche, Konzert.

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Es war Anfang April diesen Jahres. Ich betrete nach einem langen Unitag meine Wohnung und sehe einen großen Stapel Post auf unserem Küchentisch. Geübt sortiere ich das Wichtige vom Unwichtigen. Trotz unserem „Bitte keine Werbung einwerfen“ Schild, sehe ich mich gezwungen wieder einmal einen großen Stapel praktifizierter Werbeblätter in den Papiermüll werfen zu müssen. Ein Brief sticht aber hervor, da weder Absender noch Empfänger darauf steht.  Neugierig öffne ich ihn und überfliege die Mitteilung. „Es findet in unserem Haus ein Wohnzimmerkonzert statt, blablabla, alle Bewohner sind eingeladen zu kommen, blablabla, es wird versprochen dass, das Konzert um 22.00 beendet wird, damit die Nachtruhe auch eingehalten wird.“ Belustigt male ich mir aus, wie in unserem Haus mit seinen kleinen Wohnungen, ein Konzert stattfinden soll. Ganz abgesehen von unseren unterhaltungsresistenten Nachbarn.  Der Brief wandert zurück in die Küche und nach ein paar Tagen mit einem Stapel Zeitungen in den Papiermüll.

Ich sitze bei einem guten Freund und freue mich über einen leckeren Teller Nudeln. Vom Esstisch aus sehe ich wie die Sonne in Richtung Westen verschwindet. Felix erzählt mir, dass uns die Wohnzimmerkonzerte Innsbruck zu einer ihrer Veranstaltungen eingeladen haben.  Zuhause am Computer suche ich die Veranstaltung auf Facebook und höre mir ein paar Lieder des Künstlers an. Hoch motiviert melde ich mich per Email für das Wohnzimmerkonzert an. Eintritt frei.

Drei Tage später stehe ich mit einer Begleitung vor einem großen und edlen Einfahrtstor. Wir befinden uns in unmittelbarer Nähe zur Bergisel Schanze mit einem wundervollen Ausblick auf die Dächer von Innsbruck. Aus einem offenen Fenster im zweiten Stock hört man bereits einzelne Gitarrenklänge. Wir gehen zur Eingangstür und läuten, wie es in der Email stand, bei dem schwarz markierten Klingelschild. Über uns beugt sich jemand aus dem Fenster, lächelt und verschwindet wieder im Inneren des Gebäudes. Ein Summen öffnet die Tür und ein Schild im Treppenhaus zeigt in den zweiten Stock. Martin, einer der Organisatoren, bittet uns einzutreten. In der Küche treffen wir auf die Bewohner der WG, welche uns freundlich mit Wasser und Bier versorgen. Überall in der Küche stapeln sich verschiedenste Getränke, die gegen eine freiwillige Spende angeboten werden. Wir werfen fünf Euro in die Sammelbox und lauschem dem Soundcheck des Musikers, er arbeitet im größten Zimmer der WG gerade an der Feinabstimmung seiner Instrumente.

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Martin, Max und Katharina (Bild unten von links) gesellen sich zu uns und erzählen uns wie sie auf die Idee gekommen sind in den Wohnzimmern von Innsbruck Konzerte zu organisieren. Gestartet ist alles Anfang 2015 im kleinen freundschaftlichen Kreise. Im Rahmen der eigenen Wohnung und mit befreundeten Künstlern hatten sie Mitte März ihr erstes Wohnzimmerkonzert.  Seitdem sind sie auf der Suche nach neuen Wohnzimmern, WGs und Künstlern, die sich für Selbstkosten und gegen eine freiwilligen Spende an ihrem Projekt beteiligen. An diesen Abend und mit Hilfe des Künstlers The Blues Against Youth (Bild unten rechts) veranstalten sie bereits ihr sechstes Wohnzimmerkonzert.

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Es ist 19.30 und die WG beginnt sich mit Menschen zu füllen. Insgesamt werden an diesem Abend ungefähr 40 Personen erwartet. Die Wohnung ist dieses Mal restlos ausgebucht. Wenige Minuten später sitzt der italienische Musiker mit Gitarre bewaffnet hinter seinem Schlagzeug und schaut erfreut in die Ansammlung von Menschen. Wie viele andere, bestaunt er ein letzes Mal den Ausblick auf die Dächer von Innsbruck, bevor er dann erstmals an den Seiten seiner Gitarre zupft.

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Die ersten drei Lieder überraschen, wie viele anderen, auch mich. Rhythmisch, sympatisch und voller Ehrgeiz haut unser Alleinunterhalter in die Instrumente. Jeder Song wird mit einem großen Applaus beantwortet, es wird mitgeklatscht und mitgepfiffen. Nach und nach wird aus dem Sitzkonzert ein Tanzkonzert.

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Pünktlich um 22.00 wird das Konzert beendet. Es wird applaudiert und nach Zugaben gerufen. Alle Fenster sind offen, in der Hoffnung den Raum wieder auf Normaltemperatur zu bringen. Der Künstler schaltet seine Verstärker ab und spielt noch eine Zugabe auf seiner alten Akustikgitarre. Katharina und Martin bedanken sich bei allen Gästen und lassen den Spendenhut durch die Menge gehen.

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Im Chaos der Garderobe suchen wir unsere Schuhe und verabschieden uns bei allen Bekannten und neu Kennengelernten.  Vor dem Haus türmen sich nun die Fahrräder und man hört noch das Gerede der vielen Menschen durch die Fenster im zweiten Stock. Fröhlich wandern wir zurück Richtung Altstadt. Danke Jungs und Mädels der Wohnzimmerkonzerte, auch nach vielen Jahren in Innsbruck selten einen so einen tollen Abend gehabt.

Fotos: Tobias Pircher

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