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Nova Rock 2.0. – neues Konzept überzeugt – ein Festival mit Toleranzbotschaften und Nachhaltigkeitsfaktor

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Zeitlos auf Nova RockBereits im Vorfeld haben wir berichtet, dass das Nova Rock Festival 2015 in neuem Glanz erstrahlen wird. Nach ein paar Tagen Regeneration können wir noch immer bestätigen: das neue Konzept hat die Generalprobe hervorragend gemeistert. Wir haben mit den Green CamperInnen und den Zelthotel-BewohnerInnen geplaudert und das Angebot für Genießer vor Ort probiert. Außerdem haben wir, mit einem Fotopass bewaffnet, uns nebenbei auch noch ein paar Bands angesehen.

Applaus für das neue Konzept und soziales Engagement

Wie soll das gehen? Zwei Bühnen nebeneinander, auf denen auch noch zur selben Zeit gespielt wird? Es klappt! Die etwas kleinere Red Stage stand ein bisschen weiter vorne und die beiden Bühnen wurden etwas voneinander weggedreht. So funktionierte das mit der gleichzeitigen Beschallung hervorragend. Das Wechseln von der Red zur Blue und umgekehrt verlief reibungslos und, je nachdem, ob man an den vielen Bars hängenblieb oder nicht, auch relativ rasch. Doch bevor es losging brauchten wir natürlich noch unsere Festivalbänder. Die Pressebänder und den Fotopass gabs gleich neben dem Eingang für eine Spende von € 5,- welche an Erdbebenopfer in Nepal geht. Über das soziale Engagement der Veranstalter freuten wir uns gleich zu Beginn des Festivals sehr. Bewaffnet mit Fotopass und Festivalbändern, durften wir das neue Bühnenkonzept gleich selbst auf die Probe stellen. Die sympathischen Australier von Parkway Drive durften wir auf keinen Fall verpassen und die Jungs lieferten, wie gewohnt, eine herausragende Show ab. Winston Mc Call, Sänger der Band aus Byron Bay, gefällt es sichtlich gut am Nova Rock Festival, das Grinsen verging ihm den ganzen Auftritt durchgehend nie und uns auch nicht.

winstonDas erste und letzte mal Österreich für Mötley Crüe

Auf der Blue Stage folgten Mastodon und Lamb of God, nach denen wir uns voll motiviert gleich aufmachten zu Rise Against auf der Red Stage. Keine zehn Minuten dauerte es, bis wir vom einen zum anderen Wavebreaker kamen. Rise Against sind immer gerne am Nova Rock und auch bei ihrem Auftritt merkte man, dass es ihnen hier gefällt und die Fans freute es, dass die Hardcore-Punks aus Chicago sie immer wieder beehren. Gleich danach hieß es für uns schon wieder Bühnenwechsel, auf zum Headliner Mötley Crüe. Die Glam-Metaller und ihre heißen Tänzerinnen sind zum ersten Mal in Österreich und leider auch zum letzten Mal. Denn auf ihrer Abschiedstour werden sie uns nicht mehr beehren. Das liegt nicht daran, dass sie nicht gerne hier sind, was man am Auftritt erkennen konnte. Sie wissen selber nicht, warum sie nicht öfter mal vorbeigekommen sind. Eigentlicher Headliner fürs Publikum ist an diesem ersten Nova Rock Tag aber Scooter. Die tausenden begeisterten Rockfans gröhlen fleißig mit zu „Hyper, Hyper“ und stimmen regelmäßig, nicht nur an diesem Abend, immer wieder die Melodie zu Maria (I like it loud) an. Fazit zu Tag 1: absolut gelungener Start, tolles neues Bühnenkonzept, die Wege sind kürzer, die Bands waren traumhaft.

Green Camping und Zelthotels – wie gesittet kann ein Rock-Festival sein?

Am zweiten Tag haben wir uns auf den Weg gemacht um das Gelände zu erkunden. Dabei sind wir am Zelthotel vorbeigekommen und haben Stephan aus Linz gleich mal gefragt, wie das denn so ist, wenn man sich um nichts kümmern muss und (fast) ohne Gepäck anreisen kann. Im Zelthotel erhält man ein Zwei-Mann-Zelt inklusive Matratzen und Decken und erspart sich auch noch das Aufbauen, was einem sonst den letzten Nerv rauben kann. Wenn man will, kann man sogar einen Weckservice nutzen, damit man auch wirklich keine Band mehr verpasst. Klingt doch fast wie bei einem Fünf-Sterne-Urlaub und das alles für nur knappe € 50,- für vier Nächte. Stephan findet das Konzept ganz praktisch: „Ich war schon öfter am Nova Rock und bin jetzt zum ersten Mal im Zelthotel, es kostet zwar etwas mehr, dafür spare ich mir das lästige Schleppen.“

Zelthotel

Einige wollen es sogar auf Rock-Festivals gesitteter angehen lassen und haben es gerne ruhig und sauber. Im Gegensatz zu den Zelthotelgästen müssen aber die Green Camper ihr Zeug selber schleppen und ihr Schlafgemach auch selbst errichten. Dennoch sind Lukas und seine Freunde aus Urfahr froh, dass sie sich fürs grüne Kampieren, welches kostenlos angeboten wird, entschieden haben. „Es stehen überall Mistkübel und die Leute sind echt total rücksichtsvoll. Zuhause schmeißt man seinen Müll ja auch nicht auf den Boden, es ist kein großer Mehraufwand die dafür vorgesehenen Eimer zu benutzen“, sagt Lukas. Wir finden es cool, dass die junge Generation so denkt und auf unsere Umwelt achtet. Immerhin kann man es ja auch so sehen: je mehr Müll wir am Festivalgelände hinterlassen, desto mehr Personal wird benötigt um ihn wegzuräumen, das spiegelt sich dann im Ticketpreis wider und wir armen Studenten können uns irgendwann das Nova Rock nicht mehr leisten. Also Hut ab vor den Green Campern und ein großes Dankeschön in eure Richtung.

GreenCamping

Veganer Döner & nicht-veganer Spanferkel-Burger

Nach unserer Erkundungsrunde sind wir hungrig und machen uns auf zur Genussregion Burgenland. Zur Auswahl gibt es vegetarisches Panini, vegane Krautfleckerl und Spanferkel-Burger. Wir entscheiden uns für die fleischige und die vegane Variante und sind begeistert vom Nova Rock Burger mit Krautsalat und Zwiebelsenf, zubereitet wurde uns das ganze auch noch von niemand geringerem als Puls 4 Koch Oliver. Auch die veganen Krautfleckerl sind wirklich gut. Das vegane Angebot erstreckt sich übrigens über das gesamte Gelände, so gibt es zum Beispiel einen Falafel-/Dönerstand, welcher den besten veganen Döner anbietet, den wir je probiert haben. Die Preise sind zwar festivaltypisch aber das Preis-Leistungs-Verhältnis ist schwer in Ordnung. Gestärkt und durstig halten wir am Weg zur Red Stage noch schnell am Spritzer-Paradies und geben schließlich Vollgas auf einem der besten Papa Roach Konzerte. Ein gelungener zweiter Festivaltag, bis jetzt.

Nichts mit „tote Hose“ wegen Donnerwetter

In der brütenden Hitze hat sich ein Gewitter angebraut und dieses will sich genau jetzt, so kurz vor In Flames entladen. Für gute 20 Minuten schüttet es wie aus Kübeln, wir rennen zurück zu unserem Lager am Caravan-Platz, ziehen uns schnell was Trockenes an und rennen wieder zurück. Zum Glück sind die Wege so kurz geworden, dass wir nur ein Lied versäumen, denn die Show von In Flames kann sich sehen lassen. Die Schweden sind Nova Rock Kenner und trotz der technischen Probleme, die die Jungs in den vergangenen Jahren am Nova Rock immer wieder hatten, kommen sie immer gerne zurück und liefern den Fans eine Wahnsinnsshow ab. Pünktlich um 22:40 ist das Konzert ohne Probleme zu Ende und wir machen uns so schnell wie möglich auf den Weg zur Blue Stage, wo Die Toten Hosen bereits seit 40 Minuten die Pannonischen Felder mit ihren Hits beschallen. Was uns hier erwartete war, wie zu erwarten war, ein absolut genialer Headliner Auftritt. Und nicht nur musikalisch war das Programm der Hosen gefühlsgeladen. Wie immer berührten sie mit ihrer Liebe zum Fußball. Bei der Songwidmung an Ex-Drummer „Wölli“, der an Lungenkrebs leidet,  blieb kein Auge trocken und spätestens beim Song „Europa“ wurde zum Nachdenken angeregt: während wir auf den Pannonischen Feldern feiern, sind viele Menschen auf der Flucht aus ihren Heimatländern und auf Hilfe angewiesen. Campino, Sänger der Toten Hosen, meint niemandem politische Meinungen aufzwängen zu wollen aber ruft auf allen Menschen, egal welcher Sexualität, Herkunft oder Glaubenszugehörigkeit mit Respekt und Toleranz zu begegnen und macht seinen Standpunkt im Bezug auf eine gewisse österreichische Partei klar. Wir sagen Danke für einen heißen, nassen und am Ende gefühlsgeladenen zweiten Nova Rock Tag.

Liebe, Toleranz & Donnerwetter Nummer 2 am Finaltag
So ein Festival kann ganz schön anstrengend sein und trotzdem schafften wir es bei der drückenden Hitze bereits zu Jennifer Rostock zur Red Stage. Das Konzert überzeugte, nach ein paar ohrenbetäubenden, technischen Problemen zu Beginn, die die Wahlberliner mehr als professionell wegsteckten, durch bekannte Hits und viel nackte Haut. Letzteres war vor allem vom Publikum aber auch von Frontfrau Jennifer Weist zu sehen, denn sie tat es den vielen Festivalbesucherinnen gleich und zog blank. Doch nicht nur mit den chirurgisch optimierten Brüsten ihrer Sängerin begeisterten Jennifer Rostock, auch am letzten Tag des Nova Rocks gab es Botschaften an unsere Gesellschaft. Beim Song „Ein Schmerz und eine Kehle“ schwenkt Jennifer Weist symbolisch die Regenbogenfahne und ruft, wie Campino am Tag davor schon, zu Toleranz auf. Cooler Song, tolles Statement – Danke Jennifer Rostock für diesen Start in Tag drei von Nova Rock 2015. Zweiter Hauptprogrammpunkt an diesem Tag war für uns Five Finger Death Punch auf der Blue Stage. Leider wurde das Vergnügen mit den US-Metalern wetterbedingt verkürzt. Denn kurz vor ihrem Auftritt war Weltuntergangsstimmung am Festivalgelände, das Gewitter des Vortags wurde in den Schatten gestellt. Zum Glück haben wir uns vorausschauend vorm Guss schon in ein Zelt gequetscht und so den gut halbstündigen Wutausbruch Thors gut überstanden. So konnten wir die Shows von Five Finger Death Punch, Motörhead und schließlich den endgültigen Abriss von Slipknot miterleben. Die maskierten Männer aus Iowa zeigten sich wiedereinmal von ihrer besten Seite und die Blue Stage wurde zum Tor zur Hölle und die Pannonia Fields trotz Green Camping wetterbedingt zum Schlachtfeld.

Nova Rock 2015

Fazit unserer Eindrücke vom Nova Rock 2.0: Geländekonzept top, Nachhaltigkeitsaspekt (der bei einem Festival wirklich nicht einfach zu erreichen ist) gut, Bühnenkonzept und Beschallung top, soziale Verantwortung der Bands und Veranstalter top. Wir würden gerne nächstes Jahr wieder kommen, vielleicht schaffen wir es dann auch mal öfter den Fotopass für die ersten drei Lieder auszunutzen.

Fotos: Die Zeitlos

Beitragsbild: slipknot_5_13_as-20 by NEPA Scene  via Flickr unter CC 2.0

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