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Ingress: “It’s not a game-it’s a lifestyle”

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Es ist Dienstagabend, die allmählich aufsteigende Kälte schleicht sich in die Finger ein und ist fast nicht mehr wegzukriegen, und eigentlich möchte man um diese Zeit, bei dieser Temperatur nur irgendwo drinnen im Warmen sitzen und eine Tasse Kakao trinken. Das geht aber anscheinend nicht allen so, denn ein paar Kälteresistente, die ihre Blicke fest auf ihre Handys gebannt haben, gehen in immer gleichen Kreisen die Bergisel-Gegend ab. Es sind Ingresser, genauer gesagt die Resistance Gruppe, die sich da jeden Dienstagabend vorher zum „Grasen“ und dann nach getaner Arbeit am Stammtisch im Bierstindl treffen. Für Besucher muss dieses Spektakel wohl sehr eigenartig wirken, doch Ingress ist ein Spiel, oder vielmehr “ it‘s not a game, it’s a lifestyle“, wie mir ein Ingresser erklärt , und ist mittlerweile weit verbreitet; die Treffen der Community  umfassen nun unzählige Mitglieder, die über die ganze Welt verteilt sind.

Ingress Fahne

Doch um das Ganze mal genauer zu erklären: Ingress  ist ein Spiel, wo zwei Teams, das blaue Resistance Team, und das grüne Enlightened Team, versuchen möglichst viele Gebiete für sich zu gewinnen. Man erobert diese Gebiete, indem man mehrere Portale verlinkt und wenn dann drei Portale miteinander verlinkt worden sind, entsteht ein Feld. Diese Felder variieren dann in den Werten, da es davon abhängt, wie viele Menschen in diesem Gebiet wohnen. Solche Felder gehen dann schon mal quer über die ganze Welt worauf die Erzeuger mit Recht sehr stolz sind.  Portale sind reale Statuen, Bilder, Sehenswürdigkeiten, die für jedermann zugänglich sind. Jeder Spieler kann ein Portal einreichen, das dann unter Umständen auch freigeschaltet wird. Wenn ein Portal grau ist, heißt es, dass es unbesetzt ist, und es kann dann von einer Fraktion eingenommen werden. Je nach Gruppe erscheint dieses dann in Grün oder Blau. Natürlich kann man diese Portale dann auch wieder hacken und einnehmen, es ist also ein unendliches Spiel. Um Portale einzunehmen, muss man gehen, Auto oder Bus  fahren gilt nicht. Das führt dazu, dass Ingress kein Computerspiel an sich ist, sondern da man sich bewegen und raus an die frische Luft muss, schon als sportlich angesehen werden kann. Die Resistance erzählen mir, dass einer der Spieler nur durch das Gehen, das er beim Ingressen bestreiten musste, 50 Kilo verlor und richtig sportlich wurde durch die Motivation, das nächste Level zu erreichen.

Ingress.2Der Ursprung des Ingress entstand am 16. November 2012, in der geschlossenen Beta, damals musste man sich allerdings noch registrieren bevor man einen Freischaltecode erhielt und mit dem Spiel anfangen konnte. Ab dem 31. Oktober 2013 war das Spiel in der offenen Beta-Phase, d.h. es konnte jeder – auch ohne Einladungscode – daran teilnehmen. Am 14. Dezember 2013 wurde die Beta-Phase des Spiels beendet und seit Juli 2014 gibt es Ingress auch im iTunes Store. Die Geschichte hinter dem Spiel, die eigentliche Handlung, ist, dass es eine neuartige Energie auf der Erde gibt, die sich besonders rund um die Portale ausbreitet. Die Erleuchteten, die grüne Gruppe, versuchen die Energie für die Menschheit zu nutzen, wogegen die Resistance, die Blauen, verhindern möchten, dass die Energie auf die Erde kommt, da sie denken, dass diese schlecht für die Menschen ist. Soweit das Grundprinzip des Spiels.

Mittlerweile ist Ingress ein sehr populärer Sport, oder „way of life“ geworden, das tausende Mitglieder zählt. Zu den Treffen, den sogenannten Anomalien, wo die beiden Fraktionen gegeneinander antreten, kommen immer tausende an Mitgliedern, die dann für die Gruppenfotos stolz ihre individuell gestalteten Fahnen hissen (wie man beim Bergisel-Foto auch erkennen kann). Es gibt aber keinen wirklichen Kampf zwischen den zwei Gruppen, man kennt sich und geht, wenn man sich nach getaner Arbeit trifft, auch mal auf ein Bier zusammen.

Mein Fazit nach meinem Ingress-Abend: eine tolle Alternative zu den normalen Computerspielen, da man rausgehen muss und somit, je höher man im Level kommen will, auch dementsprechend Kilometer zurücklegen muss. Außerdem trifft man auf viele neue Bekanntschaften, und da die Spieler der jeweiligen Mannschaft über die ganze Welt verteilt sind, kommt man auch viel rum und lernt neue Orte und Gegenden kennen. Also, an alle Computerspielsüchtigen: Raus an die frische Luft und nach Leuten, die im Kreis gehen und gebannt auf ihr Handy starren, Ausschau halten, sie freuen sich immer über neue Mitstreiter!

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