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Ein Wohnzimmer für alle – Im Gespräch mit „Wirbraucheneinennamen“

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In der Jahnstraße, hinter einem blauen Holztor treffe ich die drei Künstlerinnen. Amina, Theresa und Sina haben beschlossen zusammen eine besondere Kulturplattform zu eröffnen; eine neue Plattform in Innsbruck, die es in dieser Form noch nicht gibt. Das Hauptziel ihrer Idee ist eine dauerhafte Ausstellungsmöglichkeit für alle KünstlerInnen, die sonst nur von Markt zu Markt ziehen zu bieten. Die Zeitlos hat die drei jungen Frauen getroffen um über ihr ganz neues Konzept von „Wirbraucheneinennamen“ zu sprechen. wirbraucheneinennamen

Personen im Blickpunkt:

Amina Dasdhil fertigt Kollektionen und Maßanfertigungen unter ihrem Label „d’amie“ an: Ich bin Schneiderin und habe mich vor einem Jahr selbstständig gemacht. Ich war bisher in einer Gemeinschaftswerkstatt und habe gemerkt je flexibler mein Arbeitsalltag ist, umso glücklicher bin ich. Ich habe in meinen bisherigen Jobs nie diese Befriedigung gefunden, die ich jetzt in der Selbstständigkeit wiederfinde. Mich interessieren viele verschiedene Sachen und in der Selbständigkeit kann ich das ausleben, wonach mir grad ist. Mein Hauptaugenmerk liegt im Moment auf meinen Kollektionen und Maßanfertigungen, die ich gerade nähe und dass ich endlich einen Platz gefunden habe, wo ich sie präsentieren kann, wie es mir in den Sinn kommt.

Die Architekturstudentin Theresa Plötz („theresa“) fertigt Accessoires an: Theresa: Ich bin mit den Zukunftsaussichten nicht so ganz glücklich. Ich möchte mit unser Plattform ausprobieren welche Arbeit mir besonders gefällt: das Organisatorische oder Sachen selbst herzustellen, Events zu organisieren …

„YOU.REE“, das Label von der Architekturstudentin Sina Neumeier begeistert mit Accessoires und Holzschmuck: Ich habe für mich entschieden, dass das Studium mit dem Beruf nicht ganz das gemeinsam hat, was ich mir vorgestellt habe und ich glaube, dass man mit einem 40-Stunden-Job nicht mehr glücklich wird. Wenn man seine Aufgaben aufteilt, kann in jedem Bereich mehr Qualität erlangt werden. Deshalb möchte ich mir mit dieser Plattform ein zweites Standbein aufbauen.

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Ihr habt alte Möbel? Wirbraucheneinennamen hätte Verwendung dafür.

Die Zeitlos: Was kann man sich unter „Wirbraucheneinennamen“ vorstellen?

Sina: Wir bieten eine Komponente, die im Kulturnetzwerk von Innsbruck noch fehlt, ergänzend zu Bäckerei, Nadelöhr und Werkstattcouch. Dort überall werden handwerkliche Produkte erzeugt, aber es steht dabei immer die Frage im Raum: wo lässt sich dies verkaufen? Es gibt immer nur die Möglichkeit die Produkte auf Märkten anzubieten, dieses Angebot besteht aber nicht das ganze Jahr. Wir wollen die Handwerkskunst fördern, dass jede/r einmal die Chance hat, sei es nur zum Ausprobieren, seine/ihre Dinge auszustellen ohne großen Zeitaufwand und ohne Bindung. Für diesen Zweck errichten wir diese Plattform: wir stellen die Räumlichkeit zur Verfügung und betreiben den Laden zu dritt. Es wird einen monatlichen Vereinsbeitrag geben für die Möglichkeit die Produkte hier auszustellen, wir verlangen aber keine Kommission. Nach einem Monat kann aber kostenlos wieder gekündigt werden. Wir bieten auch die Möglichkeit einen Workshop hier bei uns abzuhalten. Wir wollen alles möglichst flexibel gestalten, sodass es heute ein Ausstellungsraum sein kann, morgen für eine Lesung genutzt werden kann und übermorgen eine Yogastunde abgehalten werden kann. Unsere Möbelstücke werden deshalb so beweglich und flexibel wie möglich sein. Wir sehen unsere Räumlichkeiten als riesiges Wohnzimmer, das zusammen gestaltet wird.

Amina: Durch den Laden sind die Möglichkeiten grenzenlos. Allein dadurch, dass der Raum so riesig ist, kann man so extrem gut damit spielen. Wir können austesten was bei den Leuten gut ankommt und was zu uns kommt. Die bisherigen Anfragen bestätigen uns in unserer Arbeit. Ich glaube, dass wir alles partizipativ aufbauen sagt den Leuten zu. Es kann sich noch in ganz verschiedene Richtungen entwickeln.

Theresa: Wir wollen den Leuten die Möglichkeit geben sich auch selbst einzubringen und mitzuwirken bei der Gestaltung der Präsentation ihrer Stücke.

Die Zeitlos: Wie habt ihr euch kennengelernt? Wie kamt ihr auf diese Idee?

Amina: Wir kommen aus ganz unterschiedlichen Backgrounds wie Architektur und Modedesign. Wir sind sehr designbegeistert und haben uns schon öfter unterhalten, dass es schön wäre, wenn wir eine Räumlichkeit hätten, unsere Sachen abseits von den Märkten zu präsentieren.

Sina: Kennengelernt haben wir uns über die Märkte, wo wir uns immer wieder getroffen haben. Wir alle drei wollten ein bisschen mehr Selbstständigkeit. Unser gemeinsamer Nenner lag darin eine Räumlichkeit für uns zu finden – dann ist alles ganz schnell abgelaufen: es hieß jetzt oder nie. Dass wir eine Kulturplattform in Innsbruck aufbauen wollen war wohl ein wichtiger Faktor, dass wir die Räumlichkeiten bekommen haben.

„Wir wollen die Handwerkskunst fördern“

„Wir wollen die Handwerkskunst fördern“

Die Zeitlos: Habt ihr geregelte Öffnungszeiten?

Sina: Wir wollen sechs Tage die Woche offen haben und wollen versuchen auch nach den üblichen Geschäftszeiten geöffnet zu haben.

Die Zeitlos: Wie finanziert ihr euch?

Sina: Wir finanzieren uns privat, da uns die Idee und die Räumlichkeit so überzeugt haben.

Theresa: Die Idee dahinter ist, dass sich die Plattform selber erhält.

Amina: Die Miete möchten wir so gut es geht mit den Mitgliedsbeiträgen abdecken. Hier findet auch unsere Nähwerkstatt Platz, für die wir am Anfang ganz normal Miete zahlen müssen.

Die Zeitlos: Ihr habt erwähnt, dass ihr einen Mitgliedsbeitrag fordert …

Amina: Den Mitgliedsbeitrag möchten wir monatlich gestalten, damit den Leuten die größte Flexibilität gewährleistet ist. So haben sie die Möglichkeit es vorerst nur auszuprobieren oder für eine Zeit auszusetzen.

Sina: Es wird einen Probemonat geben für 50€ und jeder weitere kostet 60€. Entschließt man sich dazu, sechs Monate fix dabei zu sein, bekommt man ein Monat gratis.

Die Zeitlos: Belasst ihr euren Namen bei „Wirbraucheneinennamen“?

Sina: Wir haben uns die Latte einen passenden Namen zu finden so hoch gesetzt, dass es nun immer schwieriger wird einen zu finden, weil wir gerade auch über Facebook kommuniziert haben, dass wir einen Namen brauchen.

Amina: Der richtige ist noch nicht daher geflattert, aber wir sind zuversichtlich.

Nächster Termine:

Samstag, 6. Dezember 2014: Offizielle Eröffnung

Fotos: wirbraucheneinennamen (2), Die Zeitlos/Ulrich Ringhofer (1)

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