Tyrolean Independent Film Festival 2014

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„Vergessts nie aufs Gurkerl, es geht im Leben net immer nur um die Wurst!“, setzt der Maskierte noch hinzu, bevor er mit seiner nichtvegetarischen Beute und gezücktem Revolver die Metzgerei (Fleischhauerei für unsere ostösterreichischen Leser) fluchtartig verlässt. Im Hintergrund dröhnt das Martinshorn der anrückenden Polizei.

So passiert im Kurzfilm „Wie das Schwein zum Metzger wurde“, einem von 49 Filmen, die am diesjährigen Tyrolean Independent Film Festival (TyIFF) dem interessierten Publikum vorgeführt wurden.

An vier Tagen entwickelten sich in den elf Screenings und zwei ausgelagerten Vorführungen unter anderem Mitfahrgelegenheiten zu Psychodramen, Höhlensysteme wurden erschlossen, Schneekugeln verloren, Penisse entwickelten ein unheimliches Eigenleben, fremde Länder wurden entdeckt, die Gesetze der Physik gebrochen und vermeintliche Schwimmtrainings absolviert – die schiere Vielfalt der aktuellen Filmlandschaft scheint ins Unendliche zu gehen.

Genau diesen wunderbaren Trend abzubilden, hat sich das TyIFF zur Aufgabe gemacht und versammelt daher gemäß dem Motto „We love movies and we give good movies a chance to present themselves to the public“ nun schon zum zweiten Mal unabhängige Filmproduktionen aus der ganzen Welt in einem einzigen, wundervollen Festival.

Eröffnet wurde Donnerstags mit der, für Independent Filme verhältnismäßig großen Produktion „Third Person“, die ein Staraufgebot der Extraklasse (u.a. Kim Basinger, Liam Neeson, Mila Kunis und Adrian Bordy) bot und gleichzeitig auch ihre Österreichpremiere feierte. Der zweite und mit sechs Screenings längste Tag setzte mit seinem „Spotlight Tiere & Menschen“ das sehr hohe Niveau fort. Dieses wurde aber danach, ím Zuge der Trash Night im early bird, von den Alpenzombies, Menstruella und Co. auf glorreiche Art und Weise wieder auf den blutigen Boden der Tatsachen zurückgeholt. Samstags betraten die Österreichischen Kurzfilme die Bühne, bevor letztendlich das reguläre Festival mit der Preisverleihung seinen Abschluss fand. Außer Konkurrenz wurden zu guter Letzt am Sonntag noch aktuelle Filmprojekte der Filmakademie Wien im Rahmen einer Werkschau gezeigt.

Die Jury bewertete die Filme beim TyIFF sowohl in ihren jeweiligen Kategorien (von Mikro-, über Dokumentar-, bis zum Trashfilm war alles vertreten, was das Filmfanherz begehrt), als auch in einer genreunabhänigen Wahl, dem Grand Prix der Jury. Weiters fand auch ein Publikumsvoting statt, dessen Gewinner Sach- und monetäre Preise winkten.

Die Goldene Kuhglocke der Jury gewann hierbei der US Amerikaner Matthew VanDyke für sein Portrait zweier syrischer Freiheitskämpfer, deren Mittel den Aufstand zu üben unterschiedlicher nicht sein könnten, während der Publikumspreis an Marc Schlegel für seine tiefschwarze und auch international schon mehrfach ausgezeichnete Komödie „Das Begräbnis des Harald Kramer“ ging.

Auch die Zeitlos hatte natürlich auch ihre eigenen Filmfanatiker vor Ort, die ihre eigene subjektive Auswahl an kleinen Perlen des Festivals zusammengestellt haben:

„Le Train Bleu“ (Frankreich, 18min)

Der klischeehafte französische Film, mit all seinen gebrochenen, aber doch wieder getrösteten Herzen, unzähligen gerauchten Zigaretten mit dazugehörigen, zur Deckenlampe hochschwebenden Rauchschwaden und seiner legeren Art mit Nacktheit umzugehen, ist nicht jedermanns Sache. Zumindest nicht in Spielfilmlänge. „Le Train Bleu“ fasst sich aber mit seiner kompakten Situation angenehm kurz und rückt die Beziehungswirren rund um Séléna und ihren (noch) Freund Hélie doch in ein dermaßen interessantes Licht, dass wir uns eigentlich mehr davon wünschen würden! Umso mehr schmerzt es uns, dass die Regisseurin, Stephanie Assimacopoulo, vor kurzem tragisch verstorben ist.

Dog Food“ (USA, 18min)

Für manche Menschen ist der Hund mehr als „nur“ ein Haustier, er stellt einen Begleiter dar, mit dem man sein Leben, Haus, ja oftmals sogar das Bett teilt (Nicht so wie ihr jetzt denkt, ihr Ferkel! Ihr wollt „Sleeping Dogs Lie“!). Der junge Metzger Declan ist so ein Mensch. Wenn er nicht gerade in seiner kleinen Metzgerei in Brooklyn arbeitet, tollt er mit seinem Windhund Ralphie durch die Gegend. Doch als eines Tages Eva seinen Laden betritt, ändert sich bald alles.

Wer die NBC Serie „Hannibal“ die letzten Jahre verfolgt hat, wird sich in einigen Momentan mit einem kalten Schauer unweigerlich an diese erinnert fühlen. Denn, ohne hier zu viel verraten zu wollen, Essen spielt bei „Dog Food“ eine mindestens so zentrale Rolle, wie in dem Mysterium um Hannibal Lecter.

„Wie das Schwein zum Metzger wurde“ (Österreich, 3min)

Wie bereits eingangs erwähnt, dreht sich im Leben nicht immer alles nur um die Wurst. Genau dies muss ein Metzger hier am eigenen Leibe erfahren, als er eines Tages in seinem Geschäft Opfer eines cholerischen Räubers wird, dem die Beilage zum Leberkässemmerl nicht ganz so egal ist, wie den meisten anderen Menschen.

Produziert, geschrieben und unter der Regie von Gregorius Grey, stellt dieser Mikrofilm eine skurrile und absurde Situation dar, deren Schnitte Edgar Wright vor Stolz die Brust schwellen lassen würden und die so schnell wieder vorbei ist, dass kaum Zeit bleibt alles richtig erfassen zu können.

Und doch, oder gerade deswegen, können wir uns sehr gut vorstellen, dass gerade jetzt, in einer kleinen Metzgerei irgendwo in Österreich ein Mann (oder eine Frau) in den Lauf einer Pistole blickt und mit zitternden Händen die geforderten Fleischwaren in ein Sackerl packt.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass es heuer sehr schön war, auf dem Tyrolean Independent Film Festival sein zu dürfen.

Bedanken wollen wir uns aufs Herzlichste beim Kulturverein „Independent Film Tirol“, diesen wundervollen, filmverrückten Personen, die sich im Vorfeld durch mehr als 300 eingesendete Filme kämpften und dann noch in Zusammenarbeit mit dem Metropol diese Veranstaltungen auf die Beine gestellt haben, damit die Tiroler Bevölkerung dann nur das beste an „high-quality movies between art house and hollywood block buster movies“ zu sehen bekommen konnten!

Wir hoffen von Herzen, dass wir uns in Bälde wieder stundenlang in einem dunklen Raum zusammensetzen können um uns gemeinsam an der Kreativität begabterer Leute zu erfreuen!

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