Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

SQRL: Ein leben nach dem Tod für Skateboards

Share

Die Verarbeitung von vermeintlich nutzlosen oder ausgedienten Gegenständen, um ihnen einen neuen Nutzen und oftmals einen gänzlich anderen Verwendungszweck zu geben, wird als Upcycling bezeichnet. Diese Form des Recyclings (Rezyklierung im Neudeutschen) ist in unserer heutigen Wegwerfgesellschaft ein wichtiges Mittel geworden, um das wachsende Müllaufkommen einzudämmen. Ein Interview von Ulrich Ringhofer.

Alexandra Gasteiger

Eine besondere Verschmelzung von Upcycling mit einer Art des Schmuckdesigns betreibt seit 2012 Alexandra Gasteiger in Wien. Sie verwendet ausgediente und nicht mehr fahrbare Skateboards, um aus deren Decks, Achsen und Kugellagern Schmuckstücke herzustellen, die somit nicht nur nachhaltig sind, sondern bei denen jede einzelne Halskette, Armreif und Ohrring ein Unikat darstellt.

Wir haben uns mit Alexandra getroffen und mit dieser überaus sympathischen jungen Künstlerin über ihr Projekt geredet.

Erstmal zu deiner Person. Erzähl uns ein wenig über dich und deinen Werdegang!

Mein Name ist Alexandra Gasteiger, ich bin in Kärnten geboren und in einem Tischlerbetrieb aufgewachsen. Nach meiner Matura für Mode und Bekleidungstechnick habe ich entschlossen Schmuck herstellen. Deswegen habe ich mich in Steyr in der HTL für Gold- und Silberschmied angemeldet. Nach zwei Jahren bekam ich Fernweh, habe meinen Koffer gepackt und bin nach Barcelona gezogen. Acht Monate darauf war der Spaß wieder vorbei und ich kam zurück in die Stadt der Schnitzel – Wien. Hier habe ich das Abendkolleg für Schmuckdesign 2012 abgeschlossen.

Im November 2010 stolperte ich über das kleine aber feine Atelier V&V in dem ich mich immer noch fast täglich aufhalte.

Nun zu deinem Projekt SQRL, beschreib uns kurz was die Marke ausmacht, seit wann sie besteht und wie es zu dem Namen kam!

SQRL (Squirrel) gibt es seit Anfang 2012. Entstanden ist es aus einem netten Abend mit Freunden. Eichhörnchen waren schon seit ich mich erinnern kann, die Tiere mit denen ich mich am meisten verbunden gefühlt habe. Sie sind faszinierend und vielfältig – genau das was meinen Schmuck ausmachen sollte. Zusätzlich würde ich SQRL als nachhaltig, ehrlich, spannend und mit Liebe zum Detail beschreiben.

Woher kam eigentlich die Idee alte Skateboards zu verarbeiten und somit eine eigentlich ungenutzte Ressource einem neuen Zweck zuzuführen? Stand dabei der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund, oder war er nur ein angenehmer Nebeneffekt?

Als ich 2010 in mein Atelier einzog, war mir durch meine Ausbildungen eingedrillt: „Als Goldschmied arbeitest du mit Metallen.“ Deswegen begann ich Kollektionen aus Silber und teilweise Gold anzufertigen. Da ich natürlich keine Abnehmer für diese Kunst hatte und die Materialien in der Vorfinanzierung doch recht teuer sind, bin ich rasch auf die Idee des Recyclings gekommen. Zuerst wurden Schallplatten zersägt/verformt/ und wieder zusammengehängt. Doch die Spannung des Materials war bald verloren.

Ganz zufällig wurde ich wahrscheinlich von meinem Freund und Skateboarder auf die Decks aufmerksam gemachtund so begann die Reise in die Geschichte der geschichteten Schichten.

Arbeitest du alleine, oder kriegst du Unterstützung von Freunden, Verwandten oder Kollegen? Woher beziehst du deine Materialien?

Meine Freunde und Familie sind sehr wichtig für meine Entwicklung. Mein Freund ist mein Motivator und Unterstützt mich jeder Zeit.

Mein Vater (Tischlermeister) war eine wichtige Grundlage und ist auch jetzt noch immer für mich da.

Meine Materialien sind alte Skateboards von Freunden, Shops, Teamrider, Skater-WGs deren Keller vollgestopft mit kaputten Boards sind.

SQRLWelche Stückzahlen kannst du so ganz alleine herstellen? Nutzt du irgendwelche besonderen Hilfsmittel, die dir die Arbeit erleichtern?

Im Durchschnitt schaffe ich ca. drei Farben (=drei Kollektionen) in zwei Monaten.

Zur Veranschaulichung, die Arbeitsschritte eines Ringes: 1. entgrippen, 2. zerschneiden, 3. die einzelnen Streifen zusammenleimen, 4. einzelne Platten zusammenleimen und pressen, 5. Oberflächen schleifen, 6. lasercutten, 7. die äußere und innere Fläche abschleifen (das verbrannte wegschleifen), 8. grundieren (vier Seiten nacheinander) 9. überschleifen, 10. mit Bootslack (für Wasser und UV-schutz) lackieren (eine Seite dauert 24 Stunden zum trocknen).
Zur Erleichterung und genaueren Arbeiten benutze ich einen Laser. Der zusätzliche Vorteil des Lasercutters ist der Materialverbrauch. Wenn ich alles mit der Hand herstellen würde, hätte ich viel mehr Materialverlust.

Nachdem Lasern sind die Kanten verkohlt. Diese müssen nachgeschliffen, grundiert und lackiert werden.

Wie bzw. wo vertreibst du deine Stücke? Kann ich sie im Internet bestellen, bei einem Schmuckhändler oder Skateshop meines Vertrauens?

Ich persönlich verkaufe auf Design- und Kunstmärkten, und Skatecontests.

Ebenso erhält man SQRL im Stil-laden – Wien, im Etageré – Wien, im Allupcycled – Wien, Block skateshop – Ried, Passboard – Spittal und im Lokál Skateshop – Budapest.

Zu guter Letzt noch eine abschließende Frage: Hast du ein Lieblingsstück und wenn ja, warum ausgerechnet dieses?

Mein Lieblingsstück von SQRL ist die Kollektion die ich mir selbst aus meinem ersten gebrochen Board hergestellt habe.

Mein Lieblingsschmuckstück jedoch ist ein kleines, vergoldetes Eichhörnchen als Brosche, das mir Lili (die Tochter meines Freundes) vom Flohmarkt mitgebracht hat.

Vielen Dank für dieses nette Gespräch und noch viel Erfolg mit deinem Projekt!

 

Leave a comment

Add your comment here

Share