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Escortservice – Eine Studentin im Interview

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Kurz vor Silvester treffe ich Bianca*. Ich habe über eine Annonce Studierende gesucht, welche als Geldeinnahmequelle Sex gegen Geld anbieten, um mit ihnen über ihren Job zu reden. Vor zwei Jahren hat Bianca mit ihrer Arbeit begonnen und sie erzählt auch, warum sie wieder aufgehört hat.

DieZeitlos: Danke Bianca, dass du dir Zeit genommen hast. Du hast mir am Telefon erzählt, dass du vor zwei Jahren angefangen hast gegen Geld mit Männern auszugehen und mit ihnen Sex zu haben. Was hat dich dazu bewegt?

Bianca: Einerseits aus finanziellen Gründen. Ich bekomm’ keine Kinderbeihilfe und Studienbeihilfe, weil meine Eltern zu viel verdienen. Aber ich krieg’ kein Geld von ihnen, weil sie sagen, dass ich arbeiten gehen soll. Der andere Grund ist, dass ich auf ältere Männer steh‘. Ich weiß auch nicht wieso, aber die gefallen mir besser.

Und deine Kunden waren ältere Männer?

Klar, weil ich sie mir ausgesucht habe.

Wie hast du deine Kunden gefunden?

Ich habe ein Inserat geschalten und innerhalb kürzester Zeit war der Posteingang voll. Natürlich waren da Spinner dabei, aber ich habe mir zum Anfang nur zwei genommen. Ich habe die genommen, die am normalsten waren und ein bisschen von ihren Leben erzählt haben, die einen netten Eindruck gemacht haben und nicht gleich von Sex geschrieben haben.

Wie ist es weitergegangen?

Ich hab’ mich mit denen zum Essen getroffen und wenn’s gepasst hat, von beiden Seiten halt, dann war ich seine bezahlte Affäre. Von mir aus hat es nur einmal nicht gepasst. Ich habe mit dem Mann einfach kein vernünftiges Gespräch zusammengebracht und wir haben ohne zu reden unser Essen gegessen. Da hab’ ich mich dann verabschiedet.

Also war es für dich auch wichtig, dass der Mann dir gefällt? Warum?

Es stimmt schon, eigentlich hätte ich nur herumlabern brauchen und von mir erzählen können, aber das bin ich nicht und ich fühl‘ mich dann auch nicht wohl. Ich bin mit den Männern auch Skifahren oder in die Therme gegangen, so hab’ ich auch Geld verdient und wenn ich da mit jemanden unterwegs bin, den ich eigentlich nicht ausstehen kann, dann ist das nur eine Qual.

Du hast dir deine Kunden auswählen können. Hat das deine Arbeit so attraktiv gemacht? Gibt es noch andere Gründe, warum du dich für diesen Job entschieden hast?

Ja, wie schon gesagt, ich finde ältere Männer attraktiv. Ich bin auch bezahlt worden, dass ich mit einen auf Urlaub fahre. Ich habe alles alleine einteilen können. Wenn ich mal eine Woche keine Zeit gehabt habe, dann habe ich halt keine Zeit gehabt. Außerdem habe ich viel verdient.

Darf ich fragen, wie viel du verdient hast?

Unterschiedlich. Wenn mir ein Mann zu knauserig war, dann hab ich mich nicht mehr mit ihm getroffen, außer ich habe ihn sehr nett gefunden. Ich habe keine fixen Preise gemacht. Von den meisten Männern habe ich sowieso mehr als genug bekommen.

Hat es auch schlechte Seiten an deiner Arbeit gegeben?

Klar, zum Beispiel dass sich Männer in mich verliebt haben und ich sie verletzt habe, wenn ich das nicht wollen hab’. Ich habe auch oft ein schlechtes Gewissen gehabt, weil viele von ihnen verheiratet waren. Ja, das und dass ich in der Öffentlichkeit oft Angst gehabt habe, dass ich mit einem Mann gesehen werde. Es war mir lieber mich außerhalb von Innsbruck zu treffen, aber in der Öffentlichkeit, egal wo, hab’ ich immer Angst gehabt, dass mich meine Freunde oder meine Familie sieht. Ich wollte in der Öffentlichkeit nicht umarmt werden oder Händchen halten – das haben die meisten nicht verstanden. Das sind auch die Gründe, warum ich aufgehört habe.

Du hast also deinen Freunden und deiner Familie nichts von deiner Arbeit erzählt?

Nein, die hätten das nicht verstanden. Ich habe immer eine Ausrede gefunden – das hat mir auch ein schlechtes Gewissen gemacht. Die meisten können das nicht verstehen und so erspar’ ich mir unnötige Diskussionen.

Wie würdest du in so einer Diskussion argumentieren?

Mmhh… Ja, ich würde halt sagen, dass es mein Leben ist und dass ich damit mache, was ich will. Egal was man macht, es kommt immer irgendwer mit seinen eigenen Werten daher, aber ich habe andere Werte. Wenn einer Tischler lernt, dann soll er das machen, wenn es im Spaß macht und wenn einer in Büro hocken will, dann hält ihn auch keiner davon ab. Ich will nicht Tischlerin werden und ich will auch nicht im Büro versauern. Aber deswegen sag’ ich denen auch nicht, dass sie etwas falsch machen und dass sie sich etwas anderes suchen sollten.

Wie genau passt du in das Bild der Prostituierten?

Eigentlich gar nicht. Für mich sind typische Prostituierte, die die am Straßenrand stehen oder im Puff arbeiten. Aber ich bin auch eine.

Was machst du seitdem zu aufgehört hast?

Ich arbeite als Kellnerin, aber ich verbring mehr Zeit beim Kellnern, als beim Studieren.

*Name wurde von der Redaktion geändert.

 Foto: Sabine Baumgartner


Anm. d. Redaktion: Dieser Artikel wurde erstmals in unserer Printausgabe vom April 2012 veröffentlicht.

Comments

  • Eleonora Sparer 10. August 2013

    die Frage ist inwiefern die Männer die Seele there Frauen kaufen und nicht nur deren Körper…naja ich würde auf jedenfall davon abraten!

    reply

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