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Die Rinderhaltung – ein Überblick über bestehende Rinderrassen

Die Rinderhaltung ist durchaus ein wichtiger Wirtschaftszweig der südtirolerischen und österreichischen Landwirtschaft. Im Jahr 2021 finden wir in etwa 1,9 Millionen Rinder in Österreich vor und im Jahre 2020 ca. 125.930 in Südtirol. Das entspricht für Österreich in etwa 33 Tiere pro landwirtschaftlichem Betrieb und in Südtirol im Durchschnitt 16 Rinder pro Landwirtschaftsbetrieb. Doch Kuh ist nicht gleich Kuh. Weltweit bestehen mehr als hundert Rinderrassen. Hierzulande existieren aber auch diverse Rinderrassen, die sich nach Körperbau, Farbe und Ertrag differenzieren lassen. Bei den Ein-Nutzungsrassen werden die Kühe auf ein Leistungsmerkmal hin gezüchtet, das kann dann die Milchleistung oder den Fleischertrag betreffen. Bei sogenannten Zwei-Nutzungsrassen können die Rinder sowohl als Fleisch- als auch als Milchrind genutzt werden.

Die geläufigsten Rinderrassen – ein Überblick


Beginnen wir mit dem Grauvieh, welches eine autochthone Rinderrasse darstellt und sowohl für die Fleisch- als auch für die Milchproduktion genutzt werden kann. Einige für diese Rasse typische Eigenschaften sind deren Weidetauglichkeit in extremen Gebieten, ihre Widerstandsfähigkeit, unkomplizierte Haltung und starke, korrekte Fundamente (das ist die Fachsprache für Klauen). Des Weiteren zeichnen sie sich durch ihr graues bis silbergraues Kuhfell mit weißem Saum ums Maul aus. Hinsichtlich der Milchleistung gibt eine Grauviehkuh ca. 5.000 Liter pro Jahr ab.

Die weltweit am stärksten verbreitete Rinderrasse sind die Holstein-Rinder. Umgangssprachlich werden diese Rinder oft „Schwarzbunte“ genannt, weil ihr Fell aus schwarz-weißen Flecken besteht. Sie gelten als Zwei-Nutzungsrasse mit einem eher hageren Körperbau (ca. 600 – 750 Kilogramm), aber dafür mit einer sehr hoher Milchleistung, da ein Holstein-Rind im Jahr mehr als 8.000 Liter Milch produzieren kann.

©pixabay.com, Collage erstellt von Heidi Siller

Weiters gibt es das Fleckvieh, welches unter dem Namen „Simmentaler“ an Bekanntheit erlangte. Unter dieser Rasse finden sich die meisten der Südtiroler Rinder mit einer Populationsgröße von insgesamt 40.000 Rindern. Wiederum ist es eine Zwei-Nutzungsrasse, das heißt sowohl für die Milch- als auch für die Fleischproduktion von Nutzen und Relevanz. „Simmentaler“ sind braun-weiß gefleckt und haben einen weißer Kopf (der aber auch braun befleckt sein kann).

Das Braunvieh gehört zur Zwei-Nutzungsrasse mit Milch-Schwerpunkt. Diese Rinderrasse kann in diverse Subkategorien eingeteilt werden: „Brown-Swiss“, das Montafoner Braunvieh, das Karpaten-Braunvieh und das Kaukasus-Braunvieh. Allerdings – wie es die Namen schon preisgeben – sind davon nur die ersten beiden in Südtirol oder in Österreich vorzufinden. Um die rund 7.000 Liter Milch pro Jahr zu erreichen, wurden im europäischen Raum im Jahre 1950 die ersten „Brown-Swiss“ Kühe mit dem Braunvieh gekreuzt, um die Milchleistung und deren Körpergröße zu erhöhen.

Als Berg-Rinderrasse werden die Pinzgauer Rinder bezeichnet. Diese Rasse ist auch eine Zwei-Nutzungsrasse und die Rinder werden aufgrund ihrer Charakteristika wie deren Robustheit, Weidetüchtigkeit und Widerstandsfähigkeit wertgeschätzt. In optischer Hinsicht sind sie Kastanienbraun (manchmal auch schwarzbraun), mit einem „umlaufenden“ weißen Streifen auf Rücken, Hinterteil und Bauch.

Die langhaarigen, oft auch als zotteligen Rinder betitelten schottischen Hochlandrinder, stammen ursprünglich, wie deren Name schon sagt, aus dem schottischen Hochland und gelten als die älteste und ursprünglichste Rinderrasse der Welt. Sie eignen sich besonders gut für die Mutterkuhhaltung, nicht nur weil sie ohne menschliche Hilfe problemlos kalben, sondern auch weil ihr Fleisch als besonders cholesterinarm angesehen wird. Sie zeichnen sich durch Eigenschaften wie Gutmütigkeit, Widerstandsfähigkeit, Langlebigkeit aus und schottische Hochlandrinder kann der*die Landwirt*in das ganze Jahr im Freien halten.

Nun kommen wir noch kurz zum Tuxer Rind, welches auch als Tux-Zillertaler Rind bekannt geworden ist. Diese Rinderrasse ist sowohl für die Milchwirtschaft als auch für die Fleischproduktion geeignet, wobei Letztere eher häufiger zutrifft, da diese Rinder eine gute Fleischqualität auszeichnen. 1986 wurde die Vereinigung der Tux-Zillertaler-Züchter-Tirols gegründet, um dieses einheimische aber vom Aussterben bedrohte Rinderrasse zu erhalten.

Zu guter Letzt kommen noch die „Pustertaler Sprinzen“, welche, wie der Name schon andeutet, aus dem Pustertal stammen und somit eine autochthone Rinderrasse Südtirols sind. Meist wird diese Rasse für die Fleischproduktion gezüchtet, da sie einen guten Fleischertrag erzeugen. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch ihre korrekten Fundamente, ihre Widerstandsfähigkeit und Weidetauglichkeit in extremen Gebieten aus und werden daher oft im Berggebiet für die Mutterkuhhaltung gezüchtet.

Exotische Rinderrassen

Watussi-Rinder
©pixabay.com

Da es weltweit mehr als 100 Rinderrassen gibt, werden hier nur ein kleiner Teil aller möglichen exotischen oder außergewöhnlichen Rinderrassen vorgestellt. Beginnen möchten wir mit dem Watussi-Rind, einer typischen ostafrikanischen Rinderrase. Diese Rinder sind vor allem in Ruanda und Burundi vorzufinden und dienen dort teilweise immer noch als Zahlungsmittel. Je größer die Hörner desto mehr ist das Rind wert. Traditionell werden diese Rinder nicht geschlachtet, sondern nur gemolken. Kennzeichnend für diese 5.000 Jahre alte Rasse sind ihre Hörner, welche im Gegensatz zum europäischen Grauvieh-Rind als überdimensional bezeichnet werden können.

Zebu-Rind
©pixabay.com

Blicken wir in Richtung Asien, genauer gesagt nach Indien, so können wir dort häufig das Zebu oder Buckelrind erkennen. Dieses Rind kennzeichnet sich durch seinen Fettbuckel, aber auch durch seine Hitzeresistenz in tropischen oder subtropischen Gebieten und durch seine Widerstandsfähigkeit vor Krankheiten aus. Es dient auch als Zwei-Nutzungsrasse, das heißt dass es für seine Milch, sein Fleisch, seine Haut und seine Hörner gezüchtet wird, wobei es in Indien als heilig gilt und deswegen nur im aller seltensten Fall geschlachtet wird.

Das Pony unter den Pferden gibt es auch bei den Rindern, nämlich als Dahomey-Zwergrind. Es ist die kleinste Rinderrasse weltweit und stammt ursprünglich aus Dahomey, dem heutigen afrikanischen Benin. Diese Rinder werden meist nur weniger als ein Meter groß und werden deswegen wirtschaftlich gesehen eher als „Liebhaberrasse“ gezüchtet. Allerdings eignen sie sich hervorragend für die Landschaftspflege, weil sie einerseits sehr trittsicher sind und andererseits dank ihres leichten Gewichts nur wenige Trittschäden verursachen.

Das war jetzt nur ein kleiner Einblick in die Welt der Rinder, aber wenn du mehr über Rinderrassen an sich erfahren willst dann schau mal unter folgenden Link vorbei.

Wusstest du, dass?

Some Facts about Rinder:

  1. In einigen Religionen des Hinduismus ist der Schutz der Kuh bis in die heutige Zeit sehr relevant, da die heilige Kuh „Wünsche erfüllen solle“.
  2. Die „blöde“ Kuh an sich gibt es nicht, den Kühe sind sehr intelligent. Sie können verschiedene Aufgaben lösen und finden daran auch Gefallen.
  3. Rinder drücken ihre Emotionen nicht nur das „Muhen“, sondern durch ihre Körpersprache mit den Ohren, dem Schwanz und ihrem Kopf aus.
  4. Die Sinne der Rinder gehören nicht unterschätzt, denn sie können rund zehn Kilometer weit riechen, sehr hohe und tiefe Frequenzen hören, die ein Mensch nicht mehr wahrnehmen kann und sie haben einen Blick der 330 Grad erreichen kann.
  5. Eine Kuh heißt erst dann Kuh, wenn sie ein Jungtier auf die Welt gebracht hat.
  6. Das Jungtier wird als Kalb bezeichnet und die Kuh bis zur Geburt Färse.
  7. Männliche Rinder werden Bulle oder Stier genannt.
  8. Rinder fressen Gras, das wissen wir alle. ABER: Rinder rupfen das Gras ab und schlucken es unzerkaut runter. Dann legen sie sich hin und das Graß wird wieder in das Maul des Tieres gewürgt. Die Tiere kauen das Gras wieder und schlucken es erneut.  Wie geht das? Rinder sind Wiederkäuer und besitzen vier Mägen, nämlich Pansen-, Netz-, Blätter- und Labmagen, die für den Verdauungsprozess verschiedene Funktionen haben.
  9. Rinder leben meist in Herden, in denen es Hierarchien gibt. Durch die Hierarchie gibt es weniger aggressive Auseinandersetzungen zwischen den Tieren, denn abhängig vom Rang halten die Rinder zueinander einen Abstand ein. Höherrangige Tiere haben meist mehr Anrecht auf Futter. Dennoch kann die Hierarchie für gegenseitiges Belecken oder gegenseitiges Abschlecken zum Beispiel aufgebrochen werden. Die Rangordnung der Hierarchie wird durch Kämpfe ausgefochten.
  10. Allerdings wissen wir alle, dass Rindfleisch hinsichtlich des Klimas keine allzu rosige Bilanz bietet. Also wenn wir schon Fleisch kaufen, dann sollte es, wenn möglich biologisches Rindfleisch aus Mutterkuhhaltung sein, da es eine weitaus bessere CO2-Bilanz aufweist als konventionelles (siehe für weitere Details folgenden Beitrag: Zamecnik, G., Schweiger, S., Lindenthal, T., & Himmelfreundpointner, E. (2021). Klimaschutz und Ernährung–Darstellung und Reduktionsmöglichkeiten der Treibhausgasemissionen von verschiedenen Lebensmitteln und Ernährungsstilen.)

Das Beitragsbild, sowie alle Bilder sind von ©pixabay.com

Eine waschechte Südtirolerin, die in Innsbruck studiert und liebend gern in den Bergen unterwegs ist, ganz nach dem Motto: Du bist nicht du, wenn dir die Bergluft fehlt!