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16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Ein Rendez-vous auf höchstem menschenrechtlichem Niveau: Am 10. Dezember 2021 trifft der internationale Menschenrechtstag auf den letzten Tag der sogenannten internationalen „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen-Kampagne“ und dies erstmals seit 1991.

Gewalt an Frauen begleitet uns durch den Anfang der Adventszeit- ein prägnantes Thema angesichts des aktuellen Lockdowns. Am 25. November jedes Jahres ist internationaler Gedenktag für alle Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Der 25.11 bildet aber nur den Anfang einer 16-tägigen Kampagne, um das Bewusstsein für Menschenrechtsverletzungen und tiefgreifende Folgen in diesem Bereich zu verstärken. Warum aber der 25. November? An diesem Tag, nämlich vor 61 Jahren wurden drei Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabel in der Dominikanischen Republik von Militärangehörigen nach grausamer Folter getötet, weil sie sich an Aktivitäten gegen den damaligen Diktator beteiligt hatten. Auf einem Feminist*innentreffen in Bogotá wurde dieser Tag dann im Anbetracht dieser Ereignisse als Gedenktag ausgerufen.

Die Kampagne „16 Days Against Gender Violence“ gibt es seit 1991 und wurde von dem amerikanischen Center for Women’s Global Leadership (CWGL) ins Leben gerufen. Mittlerweile beteiligen sich 187 Staaten6.000 Organisationen an dieser Initiative, die auch jedes Jahr einen unterschiedlichen Schwerpunkt setzt, je nach aktueller oder akuter Problemlage. Beispielsweise waren im Jahr 2020 Arbeitnehmer*innen im Fokus, die sich (auch aufgrund der COVID-19 Krise) in prekären Arbeitssituationen befinden. Dieses Jahr ist das Thema: Femizid oder Frauenmord.

Elf Jahre, 319 Frauenmorde in Österreich: Anregung zum Nachdenken

Nachrichten dominierend und besorgniserregend waren österreichweit im Jahr 2021 neben der fluktuierenden Corona-Zahlen vor allem Femizide. Von in- sowie ausländischen Medien wird Österreich als das einzige EU-Land bezeichnet, wo mehr Frauen als Männer ermordet werden (obwohl die Wahrheit dieser Aussagen angezweifelt werden kann). Im Duden wird ein Femizid definiert als „tödliche Gewalt gegen Frauen oder [gegen] eine Frau aufgrund des Geschlechts“, in anderen Worten: getötet werden, weil das biologische Geschlecht jenes der Frau ist. In den letzten elf Jahren gab es in Österreich allein 319 Frauenmorde. Erschreckend an dieser Statistik ist vor allem auch, dass 80 % der Opfer den Täter kannten.

Eine ähnliche Situation ergibt sich bei Vergewaltigungen. Barbara Krahé, Sozialpsychologin an der Universität Potsdam, hat sich ausführlich mit Vergewaltigungen auseinandergesetzt und ist in ihrer Studie namens „Auswirkungen von Vergewaltigungsmythen auf die Beurteilung von Tätern und Opfern von sexualisierter Gewalt“ zu dem Schluss gekommen, dass wir gewisse Vorurteile bezüglich des*r Täters*in und der Umstände von Sexualstraftaten haben. Wir haben beispielsweise ein stereotypisiertes Täterbild: Darunter liegt z. B. auch die generelle Vermutung, die wir zu hegen scheinen, dass die*der Täter*in dem Opfer unbekannt sind. Das hat sich in ihrer Studie als nicht der Wahrheit entsprechend erwiesen. In Wirklichkeit handelt es sich bei nur knapp 14 % um dem Opfer unbekannte Täter und bei fast 50 % um den Partner oder Expartner. Ein Ort der Sicherheit, ein Zuhause, wird ein Ort der Gewalt. Das trifft leider nicht nur auf Vergewaltigung, sondern (ohne grob generalisierend vorzugehen) auf die meisten Frauenmorde zu. 2021 gab es bereits 30 mutmaßliche Frauenmorde (Stand: 01.12.21) in Österreich. Die Tatsache, dass es sich auch hier um Partner oder Expartner auf Täterseite handelt, wird umso deutlicher, schaut man sich die Einzelheiten der Fälle an. Dazu hat der Verein „Autonome Österreichische Frauenhäuser“ eine aussagereiche Tabelle der Medienberichte zusammengestellt.

Eine von fünf

Die „16 Days Against Gender Violence” Kampagne enthält so einiges, das Anreiz zum Grübeln mit sich bringt und die Notwendigkeit von weitergehender Sensibilisierung und normativen Maßnahmen verdeutlicht. Jedes Jahr gibt es (seit 2009) eine Vortragsreihe in Kooperation mit dem Zentrum für Gerichtsmedizin der Medizinischen Universität Wien zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen unter dem Titel „EineR von fünf – Opferschutzorientierte Täterarbeit bei Gewalt an Frauen und Kindern“. Eine von fünf: Das ist der Anteil an Mädchen, die ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Jede dritte Frau wurde ab ihrem 15. Lebensjahr sexuell belästigt.

Internationaler Menschenrechtstag

Passend ist es, dass der letzte Tag dieser Kampagne ausgerechnet auf den internationalen Menschenrechtstag trifft. Diesen gibt es schon um einiges länger: Seit 1948 ist der 10. Dezember weltweit nicht nur eine Erinnerung an einen beträchtlichen menschenrechtlichen Schritt, nämlich die Entwicklung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, sondern auch eine Möglichkeit der Menschheit in Erinnerung zu rufen, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben. Der 10.12.1948 gilt weiterhin als historischer Meilenstein – es war das erste Mal, dass sich die UN-Staaten explizit auf allgemeine Rechte für Menschen geeinigt hatten. Wie so oft lässt sich hier eine gewisse Diskrepanz zwischen geschriebenem Recht und Rechtswirklichkeit darstellen: Gesagt ist nicht getan. Die Realität sieht anders aus als dieser menschenrechtliche Katalog, denn einen Zustand, wo alle Rechte beachtet werden, ist weltweit noch weit außer Griffweite. Doch eine solche Bekundung war eindeutig und unwiderlegbar ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Weitere Schritte in die richtige Richtung fordert die internationale Gemeinschaft und auch auf österreichweiter Ebene wird ein Ausbau des Gewaltschutzes gefordert. 

Wenn du dich in deinem persönlichen Umfeld unwohl fühlst oder schon Gewalt jeglicher Natur erleiden musstest, so kannst du dir hier 365 Tage im Jah, rund um die Uhr anonym, kostenlos und mehrsprachig Hilfe oder Unterstützung suchen: Frauen-Helpline gegen Gewalt unter 0800 222 555

Für Hilfe und Unterstützung 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, anonym, kostenlos und mehrsprachig: Frauenhelpline gegen Gewalt unter 0800 222 555

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Fotos: Pexels