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Randsportarten im Fokus

Interview mit dem Podcast “Fokus Sport” über verdrängte Sportarten

Wer von euch kennt ausgefallene Randsportarten? Bei der ersten Google-Suchanfrage finden sich Begriffe wie Kaatsen oder Apnoe-Streckentauchen, welche im ersten Moment recht exotisch klingen. Hinter dem Begriff Kaatsen verbirgt sich beispielsweise ein friesischer Ballsport, bei dem die teilnehmenden Personen Teams bilden und versuchen, mit ihren Händen einen kleinen Ball in eine gewisse Feldzone des gegnerischen Teams zu treffen. Dabei tragen die Spieler*innen Lederfäustlinge, um ihre Hände zu schützen. Hier gibt es keine langen Ballwechsel, es geht gleich zur Sache!

Beim Podcast „Fokus Sport” dreht es sich zwar nicht ausschließlich um Randsportarten, aber es wird auf eine faire Verteilung aller Sportarten abgezielt, was speziell Randsportarten zugutekommt. „Randsportarten“ bedeutet nicht, dass die Sportarten wenig Nachfrage genießen, sondern nur, dass diese weniger Beachtung in der medialen Berichterstattung genießen. Wir durften Nemanja Sever von Fokus Sport interviewen, um von seinen Ideen zur Sportwelt zu erfahren.

Die Zeitlos: Was ist deine Lieblings-Randsportart und wann wuchs die Leidenschaft zu Randsportarten?

Nemanja Sever: Es bewegt sich zwischen Darts und Wrestling. Letzteres kommt an erster Stelle, aber ich bin selbst nicht aktiv in der Sportart, sondern verfolge es nur sehr gerne. In den USA kann man zurzeit nicht ganz von einer Randsportart sprechen, jedoch fällt sie kontinuierlich in der Popularität ab, während bei Darts die Popularität wächst. Hierzulande ist Wrestling eher eine Randerscheinung, Darts kriegt wesentlich mehr Beachtung.

Die Leidenschaft zu Randsportarten war für mich ein schleichender Prozess; es begann alles vor drei, vier Jahren. In meiner Kindheit war ich wie die meisten Kinder ein begeisterter Fußball-Fan, habe gerne Spiele angeschaut, aber auch aktiv gespielt. Später als Student an der Uni-Innsbruck wurde ich durch das USI-Angebot angelockt, mehr Sportarten kennenzulernen. Dort konnte ich Erfahrungen mit MMA, Parkour und Free-Running machen. Mir gefielen immer mehr individuelle sportliche Möglichkeiten und so habe ich mich dann in das Thema „reingefuchst“. Oft empfand ich bei den erwähnten Sportarten eine engere Community als im Fußball.

Kennst du die erwähnten Randsportarten Kaatsen und Apnoe-Steckentauchen? Weißt du von kurioseren Sportarten?

Apnoe-Streckentauchen leider nicht, Kaatsen müsste ein Ballsport sein.

Die asiatische Sportart Kabaddi ist zum Beispiel eine kuriose Sportart. Das Spiel wird zwischen zwei Teams zu je sieben Mitgliedern ausgetragen. Ziel dabei ist es, dass ein Spieler in die gegnerische Spielfeldhälfte läuft, so viele Verteidiger wie möglich aus dem Spiel nimmt und in die eigene Spielfeldhälfte zurückkehrt. Und das in einem einzigen Atemzug. Also keine Luft holen beim Sporteln.

Wie kamst du eigentlich zu den Randsportarten und zur Podcast-Idee?

Dadurch, dass sich der Fußball so entwickelt hat, vor allem der Profifußball, wie er es getan hat, hat mein Interesse stark abgenommen. Fußball wird immer kommerzieller, Geld bestimmt vielfach die Stärke eines Teams und beeinflusst sportliche Resultate und Teamzusammensetzungen. Es war mir auch ein Anliegen, ein wenig fairer zu anderen Sportarten zu sein. Es braucht einfach mehr Vielfalt im Sport. Erst später konnte ich aufgrund meiner Ausbildung auch ein Praktikum bei Freirad absolvieren. Mein Ziel war es, Moderator oder Kommentator zu werden und da kam mir die Idee, vielleicht früher als gedacht damit anzufangen und selbst etwas auf die Beine zu stellen. Während der Zeit lernt man viel, man sammelt Erfahrungen, recherchiert und verfolgt immer neue Sportarten, teilt aber gleichzeitig seine Erkenntnisse mit einem Publikum.

Welche Randsportarten erfreuen sich in Innsbruck einer hohen Beliebtheit?

Schwierige Frage. Ich würde sagen, dass  Roller-Derby ein spannendes Sport-Projekt ist. Hierbei geht es um Vollkontaktsport, der mit Rollschuhen ausgeübt wird. Spannend daran ist vor allem auch, dass es eine Sportart ist, die überwiegend von Frauen ausgeführt wird, was nicht immer üblich ist (in der Sportwelt). In Innsbruck gibt es beispielsweise das Team „Fearless Bruisers“ . Es ist ein sehr taktisches Spiel, schließt aber eine gewisse härtere Gangart nicht aus. Ansonsten ist in Innsbruck in der Freizeit vor allem Spikeball bei jüngeren Menschen beliebt.

Berüchtigte Frage in der Szene: Ist E-Sport für dich eine Sportart?

Ja, ganz klar. Nur ist es  eine etwas andere Sportart. Es wird ebenso wie Darts oftmals auch belächelt, ist aber ein Sport, der viel Konzentration, Reaktionsschnelligkeit, Strategie und mentale Stärke erfordert. Von der psychischen und teilweise physischen Anstrengung ist der Körper sowie der Kopf nach einem E-Sport-Wettbewerb ganz schön ausgelaugt. Bezüglich E-Sport gibt es sehr viele Vorurteile, speziell von älteren Sportler*innen. Hier gibt es definitiv eine gewisse Kluft zwischen Alt und Jung.

Von welchen Sportler*innen konntest du am meisten für deinen Podcast lernen für?

Von Xavier Woods, einen amerikanischen Wrestler, dessen Channel ich vor allem auf YouTube verfolge. Dort spielt er Videospiele mit anderen Wrestlern und sie sprechen währenddessen viel über verschiedenste Sachen. Mein Logo ist beispielsweise auch sehr nach dem von seiner Show orientiert. Ihn und seine Inhalte würde ich als witzig, offen und unterhaltsam beschreiben.

Wie siehst du das Thema Schule und Sport? Was sind hier deine Eindrücke?

Meiner Meinung nach gibt es da noch Einiges zu tun. In meiner Hauptschulzeit wurde viel Wert auf Leichtathletik gelegt. Das ist durchaus sinnvoll, um dem Körper in diesem Alter viel Kraft, Ausdauer und Agilität mitzugeben. Fußball war auch viel, Volleyball ab und zu, Basketball so gut wie nie. Schlussendlich waren es also meist dieselben Sportarten, die wir gemacht haben. Meist ging es leider auch nach den Vorlieben der jeweiligen Lehrer*innen. So wird es schwierig, junge Menschen in diesem Alter von Randsportarten zu überzeugen. Ich weiß aber auch, dass es schwierig ist, weil Kinder und Jugendliche — zumindest war es zu meiner Zeit so — natürlich immer die Sportart ausüben wollen, die sie gerne machen. Das war im Falle der Buben fast immer Fußball.

Was wünschst du dir für die Zukunft der Sportbranche?

Die Branche soll vor allem fairer und weniger einseitig werden. Fußball soll nicht den Großteil der Berichterstattung einnehmen. Fördergelder sollten endlich auch gerecht verteilt werden. Personen die Randsportarten praktizieren, müssen und sollen nicht draufzahlen, um ihren Sport ausüben zu können. Bis dorthin ist es aber noch ein langer Weg.


Webseite: Fokus Sport (https://www.fokussport.net/)
Bildquelle: Nemanja „Nemi“ Sever, Fokus Sport