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Revue: Last Fisherman

Am 17. Oktober 2021 fand im Leokino in Innsbruck ein Screening des Films Last Fisherman (2016) statt. Rahmengebung der Veranstaltung war das Rückenwind-Projekt der Arbeiterkammer Tirol, welches jungen Tiroler*innen die Möglichkeit zu einem kostenlosen Auslandsaufenthalt gibt, aus dessen Erfahrungen sie zukünftig vermutlich noch lange schöpfen können. Gefördert wird Rückenwind vom EU-Solidaritätskorps. Zielländer und Dauer der angebotenen Auslandsaufenthalte variieren, wodurch auch die Thematik mitbestimmt wird. Je nach Ort und Institution sind die Teilnehmer*innen mit kulturellen, sozialen oder ökologischen Angelegenheiten konfrontiert. 

Last Fisherman zeigt den Ursprung des Projekts, das von Leo Kaserer initiiert wurde. Ursprünglich als Sozialarbeiter tätig lehrt er mittlerweile am Management Center Innsbruck (MCI). Vor einigen Jahren begab er sich zusammen mit seiner Frau auf die Halbinsel Rame in Cornwall, Großbritannien. Dort fanden sie sich in dem kleinen Dorf Cawsand wieder – ein Ort, der, wie sich herausstellte, für Kaserer voller Inspiration steckte. 

Der Film erzählt die Geschichte von Cawsand, einem Ort im Südwesten Englands, und von Malcom Baker, dem einzigen dort zurückgebliebenen Fischer, der seine Tätigkeit auf nicht-kommerzielle Weise verfolgt. 

Die beiden Dörfer Cawsand und Kingsand grenzen unmittelbar aneinander und haben, wie viele andere aneinandergrenzende Orte, aus ökonomischen Gründen eine Geschichte der Rivalität. Diese nahezu traditionelle Rivalität – es gab eine Zeit, in der ehemalige Gefechte zwischen Bürger*innen der beiden spielerisch nachgestellt wurden – ist jedoch passé. Die Dörfer leiden darunter, dass die Menschen aus der Gegend aus wirtschaftlichen Gründen nichts dort hält. Leistbare Lebensumstände bieten nun Orte, die näher an den Städten gelegen sind. So bestehen die Gemeinschaften von Kingsand und Cawsand nurmehr aus den Alteingesessenen und Urlauber*innen, die die finanziellen Mittel für ein Ferienhaus in diesen ländlichen Küstenregionen haben. 

Ich besuche den Film mit meiner Freundin, die diesen Sommer durch Rückenwind die Möglichkeit hatte, in dieser Gegend Zeit zu verbringen. Sie erzählt mir, die Einwohner*innen dort seien tatsächlich vorwiegend ältere Menschen. Ein weiteres Indiz für die Einsamkeit der Dörfer sei gewesen, dass dort kein Verkehr zu hören sei. Dadurch falle ein einziges vorbeifahrendes Auto „richtig auf“. 

Als Leo Kaserer vor einigen Jahren in Cawsand Fuß fasste, schaffte er es, sich mit Malcom Baker, dem Fischer, bekannt zu machen. Dies gestaltete sich als ein sehr langsamer Prozess, da Baker zwar ein sehr liebenswürdiger, aber auch eigensinniger und gewissermaßen verschlossener älterer Mann ist. Zu Beginn der Dokumentation wird der Fischer durch ein Voice-Over von diversen Menschen beschrieben. Sie meinen, er sehe aus wie ein klassischer Fischer. „Zugegebenermaßen ist er auch der Einzige, den ich kenne“, fügt die Stimme hinzu. Eine weitere Beschreibung lautet, sein Gesicht sehe aus, wie von einem guten Schriftsteller beschrieben: Zerfurcht, gezeichnet von Sonne und Wind.

Privat

Zwischen Kaserer und Baker entstand eine Freundschaft, die dazu führte, dass ersterer das Fischen lernte und zusammen mit seiner Frau sechs Jahre in dem kleinen Dorf an der Küste Cornwalls lebte. So fand er für sich heraus, dass die Arbeit, die Fischen bedeutet, entgegen ihrer äußerlichen romantischen Wirkung hart, anstrengend und unerbittlich ist. Indem Kaserer diesen Aspekt im Film beschreibt, geht von Malcom Baker, der nichts anderes tut und nichts anderes möchte, als seiner Arbeit nachzugehen, eine umso eindrücklichere Wirkung aus. Viele Aufnahmen zeigen ihn ständig in Bewegung, mit Netzen oder Krabbenfallen hantierend. Auf dem Boot oder an Land gibt es, wenn gerade nicht die Zeit zu Fischen ist, immer etwas zu reparieren. Die Materialien dafür bestehen aus Utensilien, die so alt sind, wie die Tätigkeit des Fischers andauert und aus Dingen, die andere nicht mehr haben wollten. Baker pflegt und macht sie wieder brauchbar. Last Fisherman vermittelt das Bild eines Mannes, der in seiner Einfachheit eine grundlegende und sinnvolle Vernunft gewahrt hat. 

Aus familiären Gründen kehrte Leo Kaserer wieder nach Tirol zurück. Die Verbindung zu Cawsand blieb jedoch bestehen und bildete fortan die Basis für Rückenwind. So finden sich immer wieder junge Menschen in dem kleinen Dorf in Cornwall ein, um in Form eines Projektes sowohl Malcom Baker bei seiner Arbeit zu unterstützen als auch über sich selbst zu lernen und im Dorfleben mitzumischen. Die Dokumentation zeigt eine solche Gruppe junger Menschen, die eine Jolle repariert und der nächstgelegenen Schule schenkt. Da diese dadurch über ein Boot verfügte, begannen die Lehrenden, Segelunterricht für die Schüler*innen anzubieten. Eine Fähigkeit, die in Anbetracht der Umgebung der Kinder zweckmäßig und nachhaltig ist. 

Als der Abspann läuft, halten sich die Bilder des weiten Meeres, der Brandung und der Klippen weiterhin vor meinem inneren Auge auf. Im Augenwinkel sehe ich glänzende Tränen auf den Wangen meiner Freundin, für die es bewegend sein muss, den Ort ihres Sommers, verbunden mit intensiven Eindrücken und Erfahrungen, in solch einer markanten Ausarbeitung repassieren zu lassen.

Bild 1 & 2: Privat