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Die Zukunft in der eigenen Hand

Laut Statistik Austria waren im Jahr 2020 ca. 471.700 Personen in Österreich selbstständig. Der Traum vom eigenen Unternehmen ist jedoch nicht immer einfach in die Realität umzusetzen. Thomas Hanser hat den Schritt in die Selbstständigkeit aber trotzdem gewagt. Seit heuer ist der 25-Jährige Inhaber seines kleinen Unternehmens ElektroHanser. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie es ihm ergangen ist und was er sich von der Zukunft erhofft.

Die Zeitlos: Erzähl doch mal was über dich, was hast du bisher gemacht?

Thomas: Seit mittlerweile 8 Jahren bin ich Elektriker. Gelernt habe ich in einem kleinen, aber feinen Unternehmen in der Region. Fasziniert hat mich dabei, was alles gemacht werden kann, was alles möglich ist. Letztes Jahr habe ich mich dazu entschieden, die Meisterprüfung abzulegen. Eigentlich war dies nur dazu gedacht, mein Wissen zu erweitern. Schlussendlich hat es mich dann in die Selbstständigkeit geführt.

Thomas Hanser wagt den Schritt in die Selbstständigkeit.

Seit heuer bist du also selbstständig. Was machst du in deinem Unternehmen eigentlich genau?

Ich kümmere mich um Elektroinstallationen und Beleuchtungsanlagen, sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich. In erster Linie lege ich aber großen Wert darauf, für Privatkund*innen ein verlässlicher Ansprechpartner zu sein. Verlässlichkeit ist mir sehr wichtig, auch wenn oft zu hören ist, dass Handwerker*innen diese Eigenschaft eher weniger haben (lacht). Ich versuche den Auftraggeber*innen bei allen Fragen und der Planung zur Seite zu stehen. So gibt es einen Ansprechpartner für alles, das ist dann auch für die Kundschaft einfacher. Ich kann ein transparentes Angebot erstellen, elektrotechnische Beratung sowie Planung bieten und dabei auf individuelle Wünsche eingehen. Dabei bin ich flexibler als große Firmen, habe weniger lange Wartezeiten, und kann günstiger arbeiten. Und ich versuche, da ich ja selbst ein kleines regionales Unternehmen bin, auch andere regionale Unternehmen zu unterstützen. Das ist mir sehr wichtig. Ansonsten verkaufe ich auch Elektrogeräte wie Fernseher oder Kühlschränke, kümmere mich um SAT-Anlagen und elektrische Heizgeräte.

Was war für dich der ausschlaggebende Grund für den Schritt in die Selbstständigkeit und wo liegt für dich der Unterschied zu einem Angestelltenverhältnis?

Ein wichtiger Grund war, mich selbst zu verwirklichen, auch wenn das ein wenig klischeehaft klingt (lacht). Ein Grund war für mich auch, mein eigener Chef zu sein und mir alles selbst einteilen zu können. Hinzu kommt, dass momentan die Nachfrage nach meiner Arbeit sehr groß ist und ich merke, dass die Kund*innen mein Knowhow einfach zu schätzen wissen. Das motiviert natürlich.  Außerdem ist es mir dadurch, dass ich mir nun auch die Zeit selbst einteilen kann, besser möglich genauer auf Wünsche und Probleme einzugehen. Ich habe jetzt einfach mehr Kontakt mit der Kundschaft, das hat mir früher etwas gefehlt. Ich kann individueller arbeiten und meine Kreativität ausleben. Früher musste ich Ideen anderer umsetzen, heute kann ich gemeinsam mit den Kund*innen meinen eigenen Ideen realisieren.

Das klingt nach einem spannenden Alltag, aber bis dahin war es sicher nicht einfach. Was war das größte Hindernis auf dem Weg zu deinem eigenen Unternehmen?

Gerade in meiner Branche wird besonders viel vorausgesetzt, um überhaupt diesen Schritt in die Selbstständigkeit gehen zu dürfen. Das fängt beim Absolvieren der Meisterprüfung an und geht bis hin zu kleineren Prüfungen wie der Unternehmerprüfung. Der gesamte Weg bis zur Anmeldung des Unternehmens wirkt dann schon oft wie ein einziges großes Hindernis. Da braucht es schon Einiges an Durchhaltevermögen. Der Kurs für die Befähigungsprüfung dauert einige Monate, in denen der Lernaufwand nicht zu unterschätzen ist. Besonders das Abschließen der Unternehmerprüfung hat sich dann als schwierig herausgestellt, da es sich bei dem Zeitaufwand für den Kurs doch um vier Wochen handelt, in denen es nicht möglich ist, zu arbeiten. Eine zentrale Anlaufstelle für Fragen sucht man ebenfalls vergeblich, da musste ich mich einfach hartnäckig durchtelefonieren: von der Bezirkshauptmannschaft, über die Wirtschaftskammer, bis hin zum Wifi (Wirtschaftsförderungsinstitut).

2021 gründet Thomas sein eigenes Unternehmen ElektroHanser.

Was gefällt dir am besten daran, dein eigener Chef zu sein und hat sich der lange Weg gelohnt?

Sein eigener Chef zu sein, ist nicht immer leicht, dass muss einfach gesagt werden. Ich habe nun aber mehr Freiheiten und kann mir vieles selbst einteilen. Praktisch ist natürlich, dass ich nun Urlaub nehmen kann, wann ich möchte oder auch mal einen Tag frei habe, wenn ich ihn brauche. Der Chef bin aber schlussendlich auch nicht ich, sondern die Kund*innen. Wenn jemand anruft, weil etwas gebraucht wird, muss ich mich natürlich schnellstmöglich darum kümmern. Meine Zukunft habe ich nun jedoch selbst in der Hand. Ich kann entscheiden, wo es mit mir und meinem Unternehmen hingeht. Natürlich gibt es nicht nur Vorteile, das ist bei allem so, aber mich haben die positiven Seiten letztendlich überzeugt (lacht).

Eine negative Seite könnte sein, nun für alles allein zuständig zu sein. Hast du deshalb Bedenken?

Das kommt auf den jeweiligen Tag an, es gibt solche und solche. Sicher habe ich manchmal Zweifel, aber ich motiviere mich auch schnell wieder. Es gibt niemanden mehr, der*die hinter einem steht. Mit diesem Gedanken musste auch ich erst lernen klarzukommen. Ganz allein bin ich gottseidank nicht, meine Familie und Freunde unterstützen mich, wo sie können. Das Schwierigste ist eigentlich, dass ich nun auch für das Beschaffen der Arbeit zuständig bin. Ich kann nicht wie früher einfach aufstehen und zur Arbeit gehen, sondern muss mich zusätzlich darum kümmern, dass die besagte Arbeit überhaupt da ist. Das ist mir in der kurzen Zeit, in der ich jetzt selbstständig bin, bereits klar geworden.

Selbstständigkeit bedeutet also auch sich einigen Herausforderungen zu stellen. Welches Ziel hast du dir selbst gesteckt?

Mein Ziel war es tatsächlich einfach, zufrieden zu sein und das zu machen was mir Spaß macht. Ich möchte natürlich auch finanziell unabhängiger werden, aber gerade das ist zu Beginn nicht einfach. Doch anfangs sind die gesteckten Ziele noch recht unspektakulär. Wie bereits gesagt, ist mir Kund*innenzufriedenheit sehr wichtig, darauf möchte ich mich konzentrieren. Noch habe ich nicht vor, aus meinem kleinen Unternehmen einen größeren Betrieb zu machen. In erster Linie freue ich mich im Moment über eine Arbeit, die ich gerne mache und von der ich hoffentlich auch leben kann. Aber man weiß ja nie was die Zukunft bringt.

Du hast den Weg nun hinter dir. Was würdest du anderen raten, die auch den Schritt in die Selbstständigkeit erst noch wagen wollen?

Durchhaltevermögen und Disziplin, ohne diese Eigenschaften geht es einfach nicht. Es ist kein einfacher Weg, so ehrlich muss man sein. Jeder sollte sich im Klaren sein, dass gerade der Anfang schwierig sein kann. Selbstständigkeit kann, besonders zu Beginn, auch finanzielle Herausforderungen bedeuten. Um den Schritt trotzdem zu wagen, braucht es einiges an Mut. Traut euch einfach, denn wer es nicht versucht, weiß ja nie, ob es funktioniert hätte. Am wichtigsten ist es, sich nur nicht entmutigen zu lassen und hartnäckig zu bleiben. Ein guter Tipp sind sicher auch die Kurse des Gründerservices, die helfen einem wirklich weiter.

Bilder: © Thomas Hanser

Hi, ich bin Hannah. Hier findest du den ein oder anderen Artikel von mir. Wenn ich nicht gerade an etwas schreibe, studiere ich an der Universität Innsbruck. Abseits des Schreibtisches bin ich meistens irgendwo zwischen Innsbruck und Lienz zu finden, dort am liebsten draußen. Du willst mehr wissen? Sieh dir einfach meine Verlinkungen an!