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Wissen kompakt

Obwohl der Sommer und damit die Urlaubszeit jetzt leider bald vorbei ist, möchte ich in diesem Artikel einige Punkte anführen, die besonders den nächsten Kultururlaub mit Wissen füllen könnten. Ich freue mich nämlich immer, wenn ich zumindest ein bisschen etwas über die Orte, die ich im Urlaub besuche, weiß.

In meinem Sommer habe ich viele Kirchen angesehen. An den heißen Tagen in Italien sind sie für mich ein Erholungsort. Es ist kühl, leise und irgendwie horizonterweiternd. Vielleicht geht es dir auch so. Ich wollte in diesen Gebäuden immer wissen, wie alt sie in etwa sind – aus welcher Zeit sie stammen. Und genau dafür schreibe ich diesen Artikel.

Romanik

Die Romanik umfasst die Zeit des Mittelalters, welches im deutschsprachigen Raum etwa vom 10. bis ins 13. Jahrhundert reicht. In der Romanik dominieren aus praktischen Gründen Rundbögen und Kreuzgratgewölbe. Diese halten das hohe Gewicht der Bauten. In Gebäuden, die aus der Zeit des Mittelalters stammen, werden also die Säulen mit runden Bögen verbunden und diese Bögen wiederum sind, wenn man an der Decke schaut, mit einem Kreuz verbunden. Romanische Gebäude erscheinen massiv, stabil und dunkel. Sie haben dicke Mauern und kleine Fenster und manchmal auch kleinere Türme. Ihre Fassaden sind meist schlicht aber nicht völlig schmucklos, im Innenraum lassen sich oft schöne Wand- und Bodenmosaike aus geometrischen Mustern bestaunen. Kirchen haben einen Grundriss, der der Form eines Kreuzes gleicht: es gibt einen Langbau der von einem Querhaus gekreuzt wird.

Die Malerei in der Romanik ist, für das Mittelalter typisch, wenig naturalistisch – für mich wirken die Darstellungen der Menschen immer etwas misslungen und unförmig. Es fehlt an realgetreuer räumlicher Perspektive und auch an Verständnis für wirkliche Körperlichkeit und die richtigen Proportionen. In den Bildern dominiert die Bedeutungsperspektive: das was wichtig ist, ist groß dargestellt, das weniger wichtige ist klein dargestellt. Die Hände der Figuren sind meist überproportional groß dargestellt, da viel mit Gebärdensprache gearbeitet wurde.

Gotik

Auf die Romanik folgt die Gotik, noch immer befinden wir uns im Mittelalter. Das Merkmal der Kirchen dieser Zeit ist das Licht. Die Gebäude sind viel heller als die der Romanik. Dass diese Helligkeit entsteht, liegt daran, dass sich gotische Gebäude weniger durch massive Mauern auszeichnen, sondern mehr durch Pfeiler und Bögen – dadurch wirken sie nicht mehr wuchtig, sondern viel feiner und filigraner. Es wird mit viel Glas gearbeitet und die oft bunt bemalten Fenster sind für Betrachter*innen dominanter als die Mauern darum herum. In der Kirche finden sich häufig viele Statuen, die in vielen Fällen sogar lebensgroß sind.

Anders als in der Romanik findet man in gotischen Kirchen Spitzbögen und Strebebögen. Diese muten von außen wie Mauern an und ermöglichen, indem sie vom Gewölbe des Bauwerks wegführen, dass Räume sehr hoch gebaut werden können. Auch außerhalb der Kirchen sieht man die eindrucksvollen Fassaden, die meist von zwei Türmen umrahmt werden. Das Paradebeispiel für eine gotische Kirche in Österreich ist der Stephansdom.

Renaissance

Die Renaissance kennzeichnet den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit und gilt als die „Wiedergeburt der Antike“. Das heißt, in Kunst und Kultur besann man sich wieder auf antike, römische Baukunst; es finden sich jedoch auch Elemente der Romanik und der Gotik wieder. Charakteristisch ist ganz klar die Symmetrie – Säulen, Bögen und Nischen werden der Ästhetik wegen symmetrisch angeordnet. Eines der häufigsten Merkmale, und daran erkenne auch ich als Laiin jetzt Bauten aus der Renaissance, sind Kuppeln, durch welche die Gebäude noch imposanter wirken. Im Vergleich zum Kreuzrippengewölbe der Romanik und der Gotik findet man bei Bauten aus der Zeit der Renaissance oftmals ein Gewölbe, welches wie eine Halbkugel aussieht – an der Decke ist also keine Kreuzform mehr erkennbar.

Barock

Etwa mit dem 16. Jahrhundert beginnt die Epoche des Barock und damit die Epoche des Prunks und der Pracht. Gebäude des Barock sind pompös und im Vergleich zu den vorhergegangenen Stilen wirkt alles runder und voller. Charakteristisch sind Säulen, die mit Schwingungen enden, also nicht einfach aufhören, sondern an deren Ende noch eine Art Welle angebracht ist. Diese Säulenenden werden auch Kapitell genannt, die Wellen und Schwingungen deuten auf die, für den Barock typischen, prunkvolle korinthische Ausprägung dieser hin. Auch die Fassaden sind durch diese konvexen oder konkaven Formen gekennzeichnet – dazu gibt es jedoch auch viele gerade Balken. Wieder wird ein großes Augenmerk auf die Kuppel gelegt. Spitze Türme gibt es so gut wie keine mehr – wenn, dann eher Zwiebeltürme, besonders bei kleineren Sakralbauten.

Weitere typische Merkmale des Barock sind Säulen oder Pilaster (das sind sozusagen „Deko-Säulen“, die keine notwendigen tragenden Elemente sind), die sich über zwei Geschosse erstrecken und oft doppelt nebeneinander angeordnet sind. Viele Skulpturen, Fresken und Stuck schmücken die Gebäude. Um in eine barocke Kirche zu kommen, müssen Besucher*innen meist eine große Treppe überwinden.

Besonders Schlösser aus der Zeit des Barock sind von großen Parkanlagen umgeben. Diese sind geometrisch angelegt und wurden perfektionistisch gepflegt. Auch Wasserspiele gehören in einen barocken Garten.

Ein barockes Schloss, das wir wohl alle kennen, ist das Schloss Versailles.

 

Bevor diese Ausführung endet, möchte ich noch anmerken, dass es oft gar nicht so einfach ist, den Stil zu erkennen, in dem ein Gebäude erbaut wurde. Das liegt daran, dass besonders sakrale Bauten oft über Epochen hinweg errichtet wurden und somit viele unterschiedliche Merkmale ineinander vereinen. Zudem bauen die Stile aufeinander auf: meist gibt es keine radikalen Brüche mit den vorhergegangen, sondern Ergänzungen. Aber eigentlich geht es auch nicht um den Baustil oder irgendwelche Säulen, wenn man ein imposantes, altes Gebäude betrachtet, sondern vielmehr um das Erlebnis und um die Wirkung, die es auf eine*n hat. Vielleicht hast auch du noch einmal Zeit, hinzusehen, nicht durch die Kameralinse, nicht durch irgendwelche Analysen, sondern durch deine Augen und dein Gefühl.

 

Bilder: Privat
Beitragsbild zeigt den Dom in Siena