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Die ständigen Führungswechsel im Rennen um das Kanzleramt

Am 26. September finden die wichtigsten Wahlen des Jahres für das zukünftige Europa statt. Nach der 16-jährigen Amtsperiode von Angela Merkel muss in Deutschland ein*e neue*r Kanzler*in gefunden werden, doch eine Prognose scheint unmöglich. Die grüne Spitzenkandidatin Baerbock singt gerne Lieder aus dem Jahre 1840, um nicht nur die Stammwählerschaft anzusprechen. Der Kandidat der Union, Armin Laschet, muss sich noch vom Wahlkampf gegen Parteifreundesfeind Markus Söder erholen. Währenddessen überholt der Staatsmann Olaf Scholz ruhig und leise auf der linken Spur.

Vor dem Wahlkampfauftakt war aus österreichischer Sicht ein Dé­jà-vu erlebbar: Die CDU/CSU stand in den Umfragen bei 30%, die Grünen bei 20% und die SPD bei 14%. Nicht nur das Ende der GroKo (Große Koalition aus SPD und CDU/CSU) schien unausweichlich, sondern auch der grüne Regierungsanspruch wurde immer realistischer. Zwei Monate später hat sich das Blatt gewendet, doch woran kann das liegen?

Annalena’s schöner Land

„Vielleicht wollen die Grünen gar nicht gewählt werden?!“, twitterte Jan Böhmermann als Reaktion auf die grüne Neuinterpretation des alten Volksliedes „Kein schöner Land“. Aber ist grüner Wahlkampf im Jahr 2021 eigentlich nicht total einfach? Oft genug Klimawandel zu schreien sollte doch reichen.

Aber Moment: CDU/CSU und SPD schreien doch jetzt auch Klimawandel. Was unterscheidet sie dann noch von den Grünen? Manch eine*r würde behaupten, der einzige Unterschied, der bleibt, sei die fehlende Regierungserfahrung. Natürlich kann diese auch als Neuanfang bezeichnet werden.

 

 

„Baerbock wartet auf ihre Stund’

Sie beraten in banger Rund’

und taten singen

so schräg sie klingen

am Abgrund“

 Silke Mertins, taz.de

 

Achtung auf Armin

Im bisherigen Wahlkampf war nicht zu erkennen, dass Armin Laschet aus der Merkel-Partei kommt. Die Kanzlerin gibt sich sehr präsidentiell – um nicht zu sagen neutral – und hält sich meistens aus Wahlkampfveranstaltungen raus. Die CDU/CSU befindet sich allerdings in einer Misere, in der sich viele bereits regierende Parteien wiedergefunden haben: Sie wollen Innovationen und neue Ideen liefern, obwohl sie selbst seit 2005 auf der Regierungsbank sitzen. Wer hat denn den Klimawandel und die Digitalisierung verschlafen? Vielleicht sollte Armin seinen Influencer-Sohn und „Enthusiast Of Classic Menswear“ Joe fragen, um hippe neue Ideen für die Union zu finden. Oder doch Markus Söder?

Olaf auf der Überholspur

Der Bundesfinanzminister und ehemalige Bürgermeister von Hamburg gibt sich als perfekter Merkel-Nachfolger und offizieller Kanzlerkandidat. Und das, obwohl seine Partei bis vor einem Monat nur 15% in den Umfragen erreichte. „Merkel und ich“ fingen viele seiner Sätze im TV-Triell vom 29. August 2021 an. Solange Baerbock und Laschet mit eigenen Skandälchen beschäftigt sind, macht Olaf Scholz einen erfolgreichen Wahlkampf mit klassisch-roten Themen, wie Bildung oder Steuerpolitik für Geringverdiener*innen. Das Schöne für Scholz: Während Annalena und Armin beim ersten TV-Triell stritten, konnte sich Scholz als Staatsmann inszenieren.

Die aktuellen Umfragen sehen also die SPD bei 23%, die CDU/CSU bei 21% und die Grünen bei 18%. Wie sehr sich diese Werte noch bis zum 26. September ändern werden, ist unvorhersehbar. Vor uns liegen noch zwei TV-Trielle und somit die letzte heiße Phase des Wahlkampfes. Wer auch wieder etwas zu deutscher Politik zu sagen hat, ist renzo (früher: rezo). Da sein erstes Video zur Bundestagswahl nach einer Woche schon 4,2 Millionen Aufrufe hat und er auch Menschen erreicht, die sich weniger alltäglich mit Politik beschäftigen, kann sein Einfluss von den Parteien auch mal unterschätzt werden. Wie die Wahl ausgehen wird, kann wohl niemand sagen. In einem sind sich die meisten Expert*innen allerdings einig: Es wird keine Neuauflage der GroKo geben.

 

Beitragsbild: Claudio Schwarz (unsplash.com)

ein Innsbrucker, der gerne diskutiert, lacht, raunzt, isst und trinkt!