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Reisen – große/kleine Welt

Es wird sich kaum noch daran erinnert, reisen bevor es Europa gab, mit ewigen Zugverbindungen und Autos ohne Klimaanlage. Die enormen Sprünge, welche die Industrie und die Welt gemacht hat waren schon für jeden normal, aber was ist jetzt?

Als das Reisen nach dem zweiten Weltkrieg wieder anfing, fehlten die Ressourcen für weite Strecken und ferne Orte. Menschen blieben in ihrem Land, um keine andere Sprache sprechen zu müssen und ihr Geld nicht in andere Währungen zu wechseln. Die Grenzen wurden noch kontrolliert und die kleinen Autos, in die sich die Familien quetschten, hatten noch keine gute Federung und schon gar keine Klimaanlage.

In den Sommerurlaub ging es zum nächst gelegenem Urlaubsort und es wurde mit offenem Fenster und langsam gefahren. In die Berge, an einen See oder ans Meer, je nachdem welchen Ort man seine Heimat nennt, reisten die Urlauber. Für längere Strecken fuhren sie mit dem Zug, die Züge fuhren aus dem Norden bis ganz in den Süden und wieder zurück, das verrückte mehrfache Umsteigen mit drei Koffern, tun nur die Europäer heute im 21. Jahrhundert.

Apropos, wie reisen denn die Menschen im 21. Jahrhundert? Die Budgets für einen Urlaub sind größer im Vergleich zu früher, die Autos und Züge sind komfortabler, aber vor allem sind die Distanzen weiter geworden. Ein Urlaub auf den Malediven, ein Flug nach Thailand oder eine Kreuzfahrt in Nordamerika ist auf jeden Fall machbar in zwei Wochen. Außerdem werden doch so viele traumhafte Orte auf Social Media geteilt. Die geheimen Flecken der Erde werden mit einem Pin und dazugehörigen Fotos verlinkt und der Drang der Reisenden alles zu sehen wird größer.

Junge Leute nehmen sich extra Zeit um eine Weltreise zu machen, sie wollen unberührte Orte noch sehen, bevor sie kommerziell werden, doch führen sie damit nicht die Industrie genau an diese Orte? Durch das Teilen von Bildern, Orten und Erlebnissen im Internet wird zwar authentische Werbung gemacht doch manche Flecken der Erde sind nicht für den Tourismus geeignet.

Heute ist alles erreichbar, mit verschiedensten Verkehrsmitteln, auch Scooter und Boote, Fähren und kleine Flieger mit einberechnet. Die Welt wirkt klein, alle Orte erreichbar, einzig und allein ein sechs bis neun Stunden Flug trennt uns von Nordamerika. Eigentlich muss man es sich nur leisten, sonst hält uns nichts von der Reise ab.

Das war unsere Einstellung zur Welt und dann kam Corona. Ohne noch einmal alle Fässer auf zu machen und aufzulisten was sich an unserem Leben alles geändert hat dank Corona, kann man doch sagen, dass die Pandemie unsere Reiseeinstellung und Weltanschauung wieder neu durchgemischt hat.

Für kurze Zeit war das Verlassen unseres Hauses schon zu weit. Flüge auf der ganzen Welt wurden gestrichen und Menschen kamen nicht so einfach zurück nach Hause. Inseln wie Neuseeland oder Australien haben uns einfach verboten im nächsten Jahr zu Besuch zu kommen. Plötzlich ist die Reise von Österreich nach Deutschland zu weit, denn man muss eine Grenze überqueren. Überhaupt wirkt ganz Europa nicht mehr wie ein Land mit unterschiedlichen Sprachen, sondern die unterschiedlichen Regierungen und die Größe des Kontinents sind uns wieder sehr bewusst.

Wenn es letzten Sommer in den Urlaub ging, wurde sich wieder auf die eigene Region und das eigene Land konzentriert. Was haben wir hier noch nicht gesehen? Alles? Na, dann mal los! Lokale Pensionen und Hotels wurden unterstützt, mit Landsmännern von seiner eigenen Gegend geschwärmt und die Zufriedenheit mit seiner eigenen Wahl des Heimatlandes wuchs.

Aber wie wird es weiter gehen? Die ersten Leute trauen sich schon wieder mit weiten Flügen zu anderen Kontinenten und auf ferne Inseln, andere wagen es noch nicht einmal einen Urlaub zu buchen. Generell sieht man jedoch die Zurückhaltung gegenüber Fernreisen, welche wohl nicht nur aktuell, sondern auch in Zukunft ausgeübt wird.

Das Bewusstsein einer großen Welt mit unbekannten Orten, Sprachen und Kulturen ist unter den Menschen wieder vorhanden. Reiseentscheidungen werden wohl nicht mehr basierend auf den Preis und die vorhandene Zeit getroffen, sondern die Notwendigkeit von Fernreisen im Vergleich zu nähren Orten wird abgeschätzt werden. Dasselbe gilt für die beruflichen Reisen, die Pandemie hat bewiesen das Videokonferenzen für viele Anforderungen sehr gut funktionieren.

 

 

 

Bilder: Imke Langrehr