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#lassunsimpfen: ÖGK, was soll das?

„Damit die Angst #vorbei ist.“, titelt die staatliche Kampagne „Initiative Österreich impft“. Aber was, wenn ich anstatt der Angst vor COVID-19 jetzt Angst um unser Demokratieverständnis aufgrund des Einsatzes von Propaganda haben muss? Ein Kommentar von Tobias Goller.

Zur Klarstellung: Hier wird keine Impfdiskussion geführt. Die Entscheidung, ob man sich, gegen was auch immer, impfen lässt, ist für jede*n persönlich zu treffen – auch ich habe diese Freiheit genutzt und mich gegen COVID impfen lassen. Denn so wie es aussieht, ist die Impfung der beste Weg aus der Pandemie.

Der Grund für meinen Text ist ein Video der Impfkampagne der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Die meisten in meiner Generation (Z) tun dieses Video wahrscheinlich mit einem Schmunzler ab. Vielleicht wird kurz auf Google geschaut, ob das Video Satire ist. Wenn man dann herausfindet, dass es ernst gemeint ist, lässt man eventuell einen Dislike da. Aber wir sollten darüber sprechen. Nicht nur über die unglaublich generische Stockfootage, sondern auch über die Inhalte des Videos und darüber, was es heißt, wenn die größte Krankenversicherung des Landes, mit 7,2 Millionen Versicherten, ein solches Video veröffentlicht.

„Lass uns hier verschwinden, endlich sind wir frei!“

Abgesehen von der Implikation, dass wir in der Zeit ohne COVID-Impfung nie frei gewesen wären, verrät uns diese Zeile auch, dass wir, ohne uns gegen das allgegenwärtige Virus impfen zu lassen, nie frei sein werden. Ich muss hoffentlich niemandem erklären, dass das absoluter Schwachsinn ist. In unseren Köpfen ist inzwischen tief verankert, dass wir bei steigenden Infektionszahlen auch mit Beschränkungen und Freiheitseinschnitten bedingungslos leben müssen. In dieser Zeile wird klar mit der Angst vor weiteren Lockdowns und wiederkehrenden Beschränkungen gearbeitet. Aber ist das die richtige Strategie, um die Impfbereitschaft der Bevölkerung zu erhöhen?

„Komm wir gehen jetzt impfen, du kannst mir vertrauen!“

Wer kann wem vertrauen? Soll das heißen, ich soll mich nicht informieren? Wenn mir der Diskurs oder bereits der Gedanke der Impffrage zu viel ist oder ich vielleicht nicht in der Lage bin, diese Entscheidung selbst zu treffen, soll ich einfach auf Papa Staat vertrauen und mir die Nadel reinhauen lassen? Das Video fordert klar dazu auf, sich bezüglich der Impfung nicht zu informieren und andere Meinungen innerhalb der Debatte nicht zu hinterfragen. Hier liegt der Versuch, die zusehende Person zu beeinflussen und sie in Richtung der Impfung zu lenken. Um ehrlich zu sein, kann ich mir sogar vorstellen, dass dieses Video sogar einige Personen von der Impfung abhält oder dafür sorgt, dass sie jetzt eine kritischere Meinung gegenüber der COVID-Impfung vertreten.

Wie kann es dieses Video durch die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der ÖGK geschafft haben? Auch bei harmloseren Videos der „Initiative Österreich Impft“, wie etwa den Videos mit Testimonials, welche auch im Fernsehen ausgestrahlt werden, stelle ich mir immer wieder die Frage, ob ein kurzer Aufklärungsspot, in dem Mythen beseitigt und Fakten präsentiert werden, nicht besser gewesen wäre, alternativ zu einem Impf-Song oder einem Clip mit einer geimpften Bekanntheit, wie Michael Häupl oder Elisabeth Gürtler.

Ja, ich weiß: Die meisten unter uns wollen nichts mehr zu diesem Thema lesen oder sich weiter damit beschäftigen. An diesem Punkt war ich auch schon. Aber nur der ständige Diskurs und ein dauerhaftes Hinterfragen können sicherstellen, dass wir niemals Tendenzen zur Propaganda bei staatlichen Kampagnen und ähnlichem tolerieren. Also bitte ich euch: Bleibt kritisch!

 

Beitragsbild: Roger Starnes Sr. (unsplash.com)

ein Innsbrucker, der gerne diskutiert, lacht, raunzt, isst und trinkt!