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Urban Jungle in modernen Haushalten

Urban Jungle 2

Der „Urban Jungle“ Trend, welcher sich in den letzten Jahren entwickelt hat, aber vor allem im Corona-Jahr zum Alltag geworden ist, betrifft mittlerweile jeden Haushalt. Viele haben sich in den letzten Monaten mindestens eine Pflanze in die Wohnung gestellt, um etwas Natur nach Drinnen zu bringen.

Der „Urban Jungle“ Trend ist jetzt schon ein globales Konzept, wächst jedoch weiterhin, nachdem er im Jahr 2013 mit dem Blog „Urban Jungle Bloggers“ begann.

Der Trend trifft offenbar eine Lücke im Leben der Gesellschaft. Pflanzenliebhaber*innen fanden über den Blog eine Gemeinschaft, mit der sie ihre Leidenschaft teilen konnten. Jetzt legt sich jeder und jede mehr und mehr Pflanzen zu, um die Räume schöner zu gestalten. Um die wilde Sammlung an Zimmerpflanzen zu rechtfertigen, wird gegoogelt und mit all den positiven Effekten für Kopf und Körper erklärt. Denn Pflanzen in Wohnungen fördern die Luftreinigung, bilden Sauerstoff und helfen so beim Atmen. Sie tragen zur Prävention von Krankheiten bei, unterstützen Heilungsprozesse und haben einen positiven Einfluss auf unsere Leistungsfähigkeit (siehe: https://schoepferinsel.com/pflanzen-gesundheit-vorteile/).

Wer möchte das nicht, vor allem in Zeiten von Corona?

Unser Trend Verhalten

Student*innen chatten und posten in den sozialen Medien über ihre neuen und besonderen Pflanzen, so, wie früher ihre Großeltern mit ihren Nachbarn – damals jedoch über den Gartenzaun hinweg – diskutierten. Kränkelnde Pflanzen werden von allen Pflanzenfreunden bemitleidet, sterbende Pflanzen betrauert und bei jedem neuen Ableger wird mitgefiebert. Außerdem werden diese Ableger natürlich aktiv getauscht und verschenkt, sodass der Dschungel in jedem Zimmer nur größer werden kann.

Auch die Wirtschaft erkennt diesen Trend, Start-up‘s und Apps entstehen aus dem Nichts, um die Pflanzentausch-Branche zu erweitern. Wieso nur deinen Freund*innen Pflanzen schenken, wenn es allen im Umkreis von 60km gefallen könnte? Weißt du überhaupt, wie deine Pflanze heißt, an welchem Ort sie sich am wohlsten fühlt und wie du sie am besten pflegst? Da hast du es: Die tausend verschiedenen Pflanzen-Apps geben dir Antworten und Tipps.

Das starke Interesse an so vielen Zimmerpflanzen im eigenen Heim haben, aber nicht nur der Corona-Lockdown und das damit erzwungene Zuhause-bleiben erhöht, sondern auch mal wieder die sozialen Medien. Jeder möchte einen schönen, aber natürlichen Wohnbereich und wird dabei vom modernen, nachhaltigen Denken und Leben beeinflusst. Insbesondere die Social-Media-Kanäle, welche mit Fotos arbeiten, wie Instagram, Facebook und Pinterest, haben den Trend des „Urban Jungle“ unterstützt. Menschen posten ihre schön eingerichteten Wohnungen auf Instagram, die Follower sind begeistert und wollen es nachmachen.

So einfach geht’s: Zimmerpflanzen machen den Raum lebendiger, frischer und vor allem mehr „instagrammable“.

Auch das nachhaltige Denken in unseren Generationen kommt dem „Urban Jungle“- Trend entgegen. Es ist heute wieder cool, sein eigenes Gemüse anzupflanzen, etwas „öko“ zu sein, vegetarisch oder vegan zu essen und nachhaltige oder Second-hand-Klamotten zu tragen. Wir wollen schon lange keine Rodung des Urwaldes mehr – nur für schönes Holz und neue Möbel -, sondern suchen nach Vintage und Einzigartigkeit. Die Wichtigkeit der Wälder, der Pflanzen für die Erde, die CO2-Bindung und die Sauerstoffproduktion ist uns bekannt, und vielleicht projizieren wir etwas von diesem Nachhaltigkeitsgedanken auf die vielen Zimmerpflanzen in unseren Wohnungen. Unsere Pflanzensucht sichert vielleicht ein wenig die Zukunft der Welt.

Was nun?

Dennoch müssen wir auf die Herkunft der Pflanzen achten, denn weiterhin bei großen Einrichtungs- und Gartenunternehmen zu kaufen ist eher kontraproduktiv in Hinblick auf unseren ökologischen Fußabdruck. Das bedeutet: ruhig weiter Ableger produzieren, heranziehen und tauschen!

Urban Jungle 1Bild: Grüne Oase © Imke Langrehr

Jetzt, ein Jahr nachdem die Coronapandemie begonnen hat und wir in unseren Studentenzimmern – natürlich jeder einzeln – die Pflanzen angehäuft haben, ist wieder Frühling. Der Platz in der Wohnung wird zwar knapp, aber jetzt, wo es draußen warm ist, können wir auch mit „Urban Gardens“ weitermachen. Wir brauchen auch keinen wirklichen Garten, ein Balkon oder eine stabile Fensterbank reicht völlig. Eigene Tomaten, Snackgurken und Zucchini gehören zu den Basics. Außerdem haben wir zusammen als Wohngemeinschaft alle unsere Kräuter, die jetzt auch raus können, und wer mag denn keine Erdbeeren?

Doch was passiert, wenn die Corona-Einschränkungen wieder zurück gehen, wenn wir Student*innen wieder konstant unterwegs sind? Ein kurzer Trip übers Wochenende, ein spontaner Flug in den Urlaub, eine anstrengende Lernphase zu Hause bei Mama oder ein Auslandssemester ganz weit weg. Bleibt einer der Mitbewohner*innen zuhause, um die Pflanzen zu gießen, fertigen wir komplizierte Bewässerungssysteme oder vertrauen wir einfach auf eine gute Wasserzufuhr vor der Abreise? Können wir die Pflanzen dem Nachbarn anvertrauen? Man weiß ja schließlich nur selbst am besten, was die eigenen Pflanzen brauchen, man kennt alleine die richtige Wassermenge und wie viel Liebe und Zuneigung sie benötigen. Natürlich sollten diese schönen Aussichten auf Zeiten nach Corona aber keine Gründe sein, unsere vielen grünen Babys aufzugeben. Was wir mit ihnen machen, sehen wir, wenn es soweit ist. Grünguthof, Biotonne? Nein, noch brauchen wir schöne Zimmer und wir sind und bleiben hoffentlich zeitlebens pflanzenverrückt!

Titelbild © Imke Langrehr