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Zehn Gründe, warum wir traurig sein sollten, wenn der Lockdown endet

Es wird gerade heftig diskutiert – soll es Lockerungen geben oder bleiben wir im Lockdown? Ersteres traf unsere ohnehin schon Corona bedingt vorbelastete Psyche schwer. Was wird aus unseren endlosen Tagen im Bett? Wie jetzt, wir sollen wieder rausgehen? Wir müssen wieder unter Leute? Und darüber soll ich mich jetzt auch noch freuen? Hier zehn Gründe, warum ihr mit uns trauern solltet:

Grund 1: Vorlesungsbänke vs. Bett

Wo, bitte schön, sind mein Kopfpolster und meine Bettdecke? Mit Entsetzen werden wir feststellen, dass keine dieser beiden gottgesandten Erfindungen ihren Weg in den Hörsaal gefunden haben. Statt Montagfrüh um 8:00 wie Gollum von Herr der Ringe aussehend vor dem Laptop zu vegetieren, müssen wir zuerst durch das komplizierte Uni-Labyrinth navigieren, um dann stundenlang mit frierenden Füßen und im unangenehmen Luftzug auf harten Holzbänken zu verbringen. Nach der Vorlesung wird es mehrere Stunden dauern, bevor das Gefühl wieder in unsere Arschbacken zurückkehrt. Und dafür sollen wir unsere Betten eintauschen? Nein, danke! Außerdem habe ich nicht umsonst neue Bettwäsche gekauft. Wann soll ich die denn sonst benützen? Zum Schlafen? Niemals.

Grund 2: Ich warte nicht gerne

Rauf im Sessellift oder in der Gondel und ruckzuck die Piste hinunter. Von Warten nicht die kleinste Spur. Danke, liebe Touristen, dass ihr ausgeblieben seid. Wenn der Lockdown endet, muss ich womöglich ganze fünf Minuten meiner höchst wertvollen Zeit opfern, um auf einen Skilift zu warten! Was für eine grausame Vorstellung! Und von Touristen wird es nur so wimmeln. Schade, es war doch so schön leer. Und wer braucht schon die Wirtschaft.

Grund 3: Die Familienfeiern

Wenn das nicht ein Grund zum Trauern ist. Zurück zu den Familienfeiern, wo deine ganze Verwandtschaft sich im Minutentakt liebevoll erkundigt, ob du denn immer noch Single bist und ob es an der Uni denn keine feschen Burschen gibt. Nach mehrmaligem Verneinen der Beziehungsfrage beginnen die Diskussionen über deine Eigenschaften und am Ende des Abends gibt es eine mehrschichtige Analyse zu deiner Person – gerade noch Glück, dass keine Vor- und Nachteiltabelle erstellt wird. Und das soll ich vermisst haben? Meine Vor- und Nachteile kann ich auch allein mit einem Glas Wein analysieren – da fühl ich mich wenigstens weniger wie ein Museumsexemplar.

Grund 4: Kein plausibler Absagegrund mehr

Du hast grade keinen Bock hinauszugehen und Leute zu treffen? Tja, Pech gehabt! Die Corona Ausrede gibt es wohl nicht mehr. Statt höflich gesundheitliche Gründen vorzuschieben müssen wir uns wieder kreativ betätigen und uns das Hirn zermartern, um uns neue Ausreden auszudenken. Das ist eine ineffiziente Nutzung unserer limitierten Zeit auf dieser Erde. 

Grund 5: Wie schüttele ich eine Hand?

Der ‚fist bump‘ oder ein Winken waren die Klassiker, die uns durch den Lockdown begleitet haben – simpel und vertrauenswürdig. Und jetzt sollen wir Leuten wieder die Hand schütteln? Wie mach ich das überhaupt? Wie sehr drück ich da? Wie lange halte ich die Hand? Was, wenn meine Hand schwitzig ist? Zu viele Fragen, nicht genug Antworten. Wer tut sich denn schon so einen Aufwand an? Da bleib ich lieber eine Entwicklungsstufe weiter hinten und Winke aus Metern Distanz.

Grund 6: Dresscode Jogginghose

Wir kennen und lieben sie alle. Ohne die Jogginghose wäre der Alltag nicht mehr vorstellbar. Egal ob zum Schlafen, Lernen oder Essen – sie bietet das ultimative Bequemlichkeitserlebnis. Doch das soll jetzt enden. Da ja angeblich jemand, der eine Jogginghose trägt, die Kontrolle über sein Leben verloren hat, müssen wir uns jetzt wieder in eine Jeans quetschen, die seit dem ersten Lockdown irgendwie noch enger geworden ist. Ach, wie werden wir unsere Jogginghose vermissen!

Grund 7: Wie verwende ich nochmal Make-up?

Gerade die Damen werden es kennen. Wir stehen nichtsahnend in der Früh auf, reiben uns die Augen und gehen ins Bad. Wir strecken uns und werfen einen Blick in den Spiegel. Doch was ist das? Eine großer roter Pickel thront erhaben auf dem Kinn. So können wir doch nicht rausgehen, oder? Doch! Dank Maske ist der Pickel sofort versteckt und keiner wird je davon erfahren. Daran werden wir noch oft denken, wenn wir mit einem Abdeckstift versuchen, das Monstrum zu besiegen.

Grund 8: Netflix als beste*r Freund*in

Ach, wie schön ist das: abends keine Verpflichtungen, außer die nächste Staffel von Bridgerton. Sieben Tage die Woche Netflix, ist das nicht der Traum? Doch mit Ende des Lockdowns endet auch die gesellschaftliche Akzeptanz unserer Dauerbeschäftigung. Was jetzt noch „vorbildlich“ ist, wird schon bald als Vernachlässigung unseres sozialen Lebens betrachtet werden. Das heißt, Gas geben! Viele Serien warten noch auf uns, bevor wir bereit sind, ins echte Leben zurückzukehren.

Grund 9: Sportliches Sprachgenie

Ein Jahr ist jetzt seit dem ersten Lockdown vergangen und unsere Ziele waren damals hoch gesteckt: Sportlicher werden, ein Sixpack bekommen, eine neue Sprache lernen, mal den Keller ausräumen und noch vieles mehr. Ein Jahr später bringen wir 5 Kilo mehr auf die Waage, sitzen auf dem Sofa, während wir die Pizza vom Lieferdienst in uns reinstopfen und überlegen, dass wir ja jetzt endlich mal mit Italienisch anfangen und danach joggen gehen könnten. Wir brauchen dafür nur noch ungefähr zwei Lockdowns. Also, bis wir angefangen haben.

Grund 10: Sorry, schlechte Internetverbindung!

Es ist Montagmorgen, wir sind tief in die Vorlesung vertieft, während wir unsere Fähigkeiten im Multitasking üben und am Handy Hay Day spielen. Bis zu diesem einen Moment. Es wird eine Frage gestellt. Dass wir diese nicht beantworten können, liegt allerdings nicht daran, dass wir nicht zugehört haben oder das ganze Thema nicht verstehen. Nein, leider ist die Internetverbindung gerade in dem Moment, in dem die Frage gestellt wurde, so schlecht geworden, dass wir sie leider nicht verstehen konnten. Eine Ausrede, die im Hörsaal wohl nur schwer funktionieren wird.

Noch nicht genug gelacht? Dann hört heute am Mittwoch der 17. März 2021 um 17 Uhr mal in die Sendung vom Zeitlosfunk auf Freirad rein (105,9 MHz). Thema heute: Humor.

Text: Magdalena Altmiks, Katharina Högler

Bilder: Pexels.com