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Liebe auf Abstand – Dating in Zeiten von Corona

Vor nicht allzu langer Zeit konnte man einfach auf eine Party gehen und dort jemanden kennen lernen. Diese Begegnungen wurden mittlerweile unter anderem von Dating-Börsen abgelöst, denn wer sich als Single einen Partner oder eine Partnerin wünscht, hat es in Zeiten von Corona nicht gerade leichter. Mit Abstand und ganz ohne Nachtleben, wie soll man da jemanden kennen lernen? Der aktuelle Boom auf Apps wie Tinder scheint die Antwort auf diese Frage zu sein.

Let’s tinder

Doch auch tindern wird schwieriger, wenn man sich nicht sehen kann, und erst recht nicht unterschiedliche Menschen treffen darf. Denn denkt man an Klischees von Tinder-Dates, so denkt man nicht zuerst an monogame Beziehungen und die Suche nach der großen Liebe. Auch wenn sich diesbezüglich die Erwartungen an andere Dating-Apps doch sehr stark unterscheiden, wird es auch hier schwieriger. Kontaktbeschränkungen schränken die persönliche Mobilität ein, weshalb man sich nicht mit jeder Person treffen kann, die einem gefallen würde. Es wird also mehr geschrieben als getroffen. Denn wenn ich mich nur mit meiner Bezugsperson oder dem Partner treffen darf, treffe ich mich dann mit einem bis dato Fremden?

Sexting statt Sex

Als Alternative fällt hier oft das Wort Sexting, also „texting“ mit sexuellem Inhalt. Die Kommunikation über diese Themen und das damit verbundene Kopfkino stehen im Vordergrund. Ein Lustgefühl soll erzeugt werden, und das ohne jeden Kontakt. Die Möglichkeiten des virtuellen Datings sind vielfältig und der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Bilder, erotisches Schreiben und vieles mehr kann als sexueller Stimulus dienen, wenn auch nicht dem Orgasmus bei persönlichen Treffen gleichgesetzt werden.

Liebeskummer auf Distanz

Doch auch Liebeskummer und Trennungen sind in diesen Zeiten nicht vermeidbar. Denn auch wenn wir auf Distanz zu unseren Mitmenschen gehen, gehören Gefühle noch zu unserem täglichen Leben, die guten wie die schlechten. Offenbaren wir diese, sind wir voller Hoffnung. Doch werden diese nicht erwidert, stehen wir auf Abstand allein da. Dennoch wagen wir es, denn wie Federico García Lorca einmal sagte:

Vor Sehnsucht zu brennen und darüber zu schweigen, ist die größte Strafe, die wir uns selbst auferlegen können.“

Allerdings bekommt nicht jede Geschichte ihr Happy End, nur weil wir romantisch und mutig handeln. Wir können uns noch so lange überlegen, wie wir es jemandem sagen und stundenlang Reden üben, die wir dann doch nie aussprechen. Die Möglichkeit besteht, dass wir eine Antwort bekommen, die wir uns so nicht gewünscht haben.  Doch wie reagiert man jetzt am besten auf diesen Kummer? Während man vor Kurzem noch Freunde eingeladen hätte, um darüber zu reden, oder auch sich davon abzulenken, schränken uns hier Regelungen ein. Anstatt gemeinsam durch das Nachtleben zu ziehen, sitzt man allein in der eigenen Wohnung und ist mit sich selbst konfrontiert. Das kann schnell einmal bedrückend werden. Hört man sich etwas um fallen Sätze wie „Ich tindere jetzt seit der Trennung wieder. Auf Partys kann ich ja nicht gehen, um mir Bestätigungen zu holen“. Auch hier scheint Online-Dating zumindest ansatzweise ein Ersatz geworden zu sein.

Doch was hilft?

Was kann man konkret tun? Ein neuer Fokus auf Sport kann Abhilfe leisten. Egal ob Wandern, Joggen oder auch nur Spazieren gehen, allein oder mit einer Bezugsperson. Hauptsache man verlässt das Sofa. Auf diese Weise kann man seinem Körper etwas Gutes tun, und damit auch sich selbst. Man kommt einmal auf andere Gedanken. So lässt sich nicht nur das Selbstwertgefühl steigern, sondern es werden auch Glückshormone ausgeschüttet. Gleichzeitig kann man dieses negative Gefühl auch als Motivation betrachten an der eigenen Sportlichkeit zu arbeiten. Denn still heimlich wünscht man sich nicht nur über eine Person hinweg zu kommen, sondern auch, dass es diese Person irgendwann bereut seine oder ihre Chance verpasst zu haben. Diese Vorstellung mag zwar in mancher Situation illusorisch erscheinen, kann dem eigenen Ego aber wieder aufhelfen. Sich selbst wieder attraktiver zu fühlen kann diesen Prozess durchaus unterstützen. Zuletzt bleiben noch das Telefonieren und Videochatten. Einfach darüber zu sprechen, wenn auch nur digital, kann schon Wunder bewirken. Denn klar kann man sich ablenken, aber auf Dauer schadet es nicht sich mit seinen Problemen zu befassen und nicht vor ihnen davon zu laufen. Diesem muss man sich aber eben nicht alleine stellen, sondern kann sich bei seinen Mitmenschen Unterstützung suchen. Mit etwas Glück kommt man schon bald an den Punkt, an dem man nicht nur akzeptiert, sondern auch erkennt, dass das eben nicht das glückliche oder traurige Ende ist. Es ist erst der Anfang. Denn der Glaube, dass noch jemand auf einen wartet, der uns aufgrund unserer Einzigartigkeit schätzt und all unsere Facetten liebt, ist mehr als eine Illusion. Es mag Momente geben, an denen man daran zweifelt, aber deshalb ist es noch lange nicht weniger wahr.

Titelbild: June (Pexels.com)

Screenshot: Magdalena Altmiks