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Lasst uns froh und munter sein…

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Die „Bumserei“ muss heuer ausfallen und so manch einer wird den Nikolaus nur über Tinder treffen. Dennoch halten wir auch heuer an der Jahrhunderte alten Tradition fest. Völlig unbeirrt von der Pandemie hört man die Kinder singen: „Lustig, lustig, tralalala, bald ist Nikolausabend da“.

Nik‘laus ist ein guter Mann

Nikolaus war ein Bischof, der irgendwann zwischen 270 und 370 n. Chr. gelebt und am 6. Dezember in der heutigen Türkei gestorben sei – daher feiern wir ihm zu Ehren auch an diesem Tag Jahr für Jahr das Nikolausfest. Eindeutig nachweisen lässt sich seine Lebzeit aber nicht. Kirchenhistoriker gehen davon aus, dass die Kultfigur aus zwei historischen Persönlichkeiten zusammengedichtet wurde: dem Bischof von Myra und dem Bischof von Pinara, der rund 200 Jahre später lebte.

Um beide Bischöfe ranken sich viele Legenden und Mythen. Die bekanntesten hier zu Lande betreffen aber den Bischof aus Myra. Von besonderer Bedeutung für die heute ausgelebte Tradition ist die Geschichte eines alten Mannes, der zu wenig Geld hatte, um seine Töchter zu verheiraten. Aus diesem Grund waren sie zur Prostitution verdammt. Als Nikolaus davon erfuhr, warf er Gold in den Kamin der Mädchen, welches in den Stiefeln und Socken landete, die dort zum Trocknen aufgestellt waren. So ist der Brauch des Stiefelrausstellens an die Legende der drei jungen Mädchen angelehnt worden. Nikolaus soll seitdem jedes Jahr an seinem Todestag durch den Kamin kommen und Kinder Freude und Geschenke bescheren, wenn diese denn artig waren.

Dann stell‘ ich den Teller auf, Nik’laus legt gewiss was drauf

In einem sind sich die meisten aber einig: Der Heilige Nikolaus setzte sich für die Armen, Schwachen und vor allem für die Kinder ein. Brav nebeneinander aufgereiht sitzen die Kinder abends da und erwarten den bärtigen Mann. „Wart ihr denn alle artig in diesem Jahr?“, fragt er in die Runde. Zappelnd und ungeduldig schreien natürlich alle „ja“, denn niemand möchte als unartig angesehen werden. Der heilige Nikolaus ist ja bekanntlich nicht alleine unterwegs. Während er als der gutherzige Geschenkegeber dargestellt wird, ist die Aufgabe seiner Gehilfen, verzogene und unartige Kinder zu bestrafen – hier haben Knecht Ruprecht beziehungsweise die Krampusse ihren Auftritt (mehr dazu siehe unten).

Ursprünglich war der Nikolaustag auch der Tag der Weihnachtsbescherung, in einigen Ländern ist dies auch so geblieben. Erst durch die Reformatoren wurde die Bescherung vielerorts auf den Heiligen Abend verlegt und Nikolaus als Gabenbringer vom Christkind abgelöst. Im 19. Jahrhundert hat sich der US-amerikanische Brauch um Santa Claus entwickelt, die heute weltweit dominierende und kommerzorientierte Variante des Heiligen Nikolaus. Kirchliche Verbände versuchen seit einigen Jahren, den Unterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann wieder bekannt zu machen.

Wart ihr denn alle artig in diesem Jahr?

Wie alles aus früheren Zeiten stammende, kann man auch den heiligen Nikolaus und seine Begleiter kritisieren. Die verehrte Figur wird vielerorts als pädagogisch nicht korrekt eingestuft. Sein treuer Geselle, der Krampus, steht wegen seines ungestümen Wesens und seines angsteinflößenden Auftretens in der Kritik; er selbst soll doch bitte nicht mehr loben und schon gar nicht tadeln. Die Ermahnungen der Kinder seien, so manche psychologisierenden Kritiker, Aufgabe der Eltern und nicht eines bärtigen, alten Mannes – außer natürlich, die Beschreibung trifft auf den Vater zu.

Trotz allem hat die Tradition noch nicht ihren Tod gefunden und wird in vielen Orten der Welt gefeiert – wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise und an verschiedenen Tagen. In Luxemburg ist der Nikolaustag sogar ein Schulfeiertag. Dort wird der sogenannte Klees’chen sogar offiziell empfangen: er reist mit einem Boot an oder wird vom Bürgermeister herzlichst begrüßt. Im Wallfahrtsort Saint-Nicolas-de-Port in Lothringen, Frankreich, wird er mit einer großen Messe geehrt. Der traditionelle Umzug endet vor der Wallfahrtskirche, nach der Messe singen schließlich die Besucher*innen mit Kerzen in den Händen. Für Russland ist der Heilige Nikolaus ein wichtiger Landespatron, allerdings bringt hier Djed Moros, also Väterchen Frost, die Geschenke. Dieser stammt aus einem Märchen und sieht dem Nikolaus sehr ähnlich. Djed Moros wird von seiner Enkelin Snjegurotschka, also Schneeflöckchen, begleitet. Zum sogenannten Jolkafest am Silvesterabend rufen die Kinder vor dem Weihnachtsbaum dreimal nach Väterchen Frost und werden dann beschenkt.

Die „Bumsa“ Tirols

Nicht nur für Russland, sondern auch für unsere Nachbarn in Mutters ist der heilige Nikolaus eine wichtige Erscheinung, es handelt sich bei ihm um den Dorfpatron. Ihm zu Ehren feuern die Mutterer jährlich die „Bumsa“ ab. Der Schalltrichter aus rund drei Meter langen Fassdauben wird seit über 200 Jahren am 5. und am 6. Dezember im Dorf aufgestellt. Damit soll der Knall eines Tiroler Vorderladers (altes Gewehr geladen mit Schwarzpulver) akustisch verstärkt werden und weit über die Dorfgrenzen hinaus hörbar sein.

Das Schießen beginnt bereits um fünf Uhr morgens und begleitet tagsüber die Kirchenglocken. Die Mutterer signalisieren damit, dass ihre „Bumsa“ noch nicht von den benachbarten Natterern gestohlen wurde. Ähnlich wie beim Maibaum-Brauch ist es auch hier das Ziel des Dorfes von nebenan, das Brauchtumsstück zu stehlen – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Normalerweise hört die „Bumserei“ schließlich beim Abendläuten der Kirche auf, wegen Corona musste das Traditionsschießen heuer jedoch ganz abgesagt werden.

Zwar wird der Heilige Nikolaus an diesem Wochenende mehr verehrt, dennoch ist er nicht der alleinige Protagonist. Knecht Ruprecht, Krampus, Schmutzli, oder wie die satanischen Wesen auch noch genannt werden, sind stets an seiner Seite und haben sogar ihre ganz eigene Tradition.

© Manuel Würtenberger (via https://www.bumsa.at)

Der Krampus

Denn Anfang Dezember sind im Alpenraum schon die ersten Glockenklänge zu hören. Dabei handelt es sich aber keinesfalls um einen lieblichen Klang, der den Nikolaus begleitet. Ergänzt wird dieser oft sogar noch von der Drohung: „Wenn du nicht brav bist, kommt der Krampus!“ Diesen Satz hat wohl jedes Kind in unserer Gegend schon gehört.

Beim Krampus handelt es sich um eine Schreckgestalt, die mit dem heiligen Nikolaus von Haus zu Haus geht und die Kinder in Angst und Schrecken versetzt. Als offizieller Krampustag gilt der 5. Dezember, der Vorabend des Festes des heiligen Nikolaus. Üblicherweise erscheinen Krampus und Nikolaus gemeinsam am Abend des 5. oder 6. Dezembers. Doch wie lange begleitet die Schreckgestalt den Nikolaus schon und woher kommt sie?

Vorchristliche Schreckgestalt

Wie alt der Krampus tatsächlich ist, ist niemandem bekannt. Die ältesten Quellen stammen vom Ende des 16. Jahrhunderts. Ausgehend von den Klosterschulen entwickelte sich offenbar erst seit Mitte des 17. Jahrhunderts der Einkehrbrauch des Nikolaus, der von Schreckgestalten, Teufeln und Tiermasken (Habergeiß) begleitet wird. Die Gestalt des Krampusses stammt ursprünglich aber aus der vorchristlichen Zeit, wie auch viele andere dämonische Gestalten des Alpenraumes. Den Brauch gibt es im ganzen Ostalpenraum, sowie im südlichen Bayern und der Oberpfalz. Er weitet sich sogar bis nach Ungarn, Slowenien, in die Slowakei und nach Kroatien aus. Dementsprechend vielfältig sind auch dessen Bezeichnungen.

Der Name Krampus kommt aus dem Mittelhochdeutschen. Dort bedeutet Krampen in etwa Kralle oder bezeichnet etwas Lebloses, Vertrocknetes, Verblühtes oder Verdorrtes. Bei uns in Tirol spricht man von Tuifl,Tuifltåg oder Tuifltratzen, abgeleitet vom Begriff Teufel. Auch der Begriff Ganggerl wird verwendet. In manchen Gegenden wie der Steiermark und in Kärnten wird die Gestalt auch häufig Bartl genannt, eine Kurzform vom Bartholomäus. Auch bei der slowenische Bezeichnung parkelj ist davon auszugehen, dass sie sich von Bartl abgeleitet hat. Grund dafür ist vermutlich die Jahrhunderte andauernde slowenisch-deutsche Zweisprachigkeit Kärntens und der Steiermark.

© Krampusverein Nikolsdorf

Feuerspucker, Ruten und der Kampf um den Tisch

In vielen Regionen hat sich die Gestalt des Krampusses mit dem Perchtenbrauchtum vermischt. Auch regional gibt es große Unterschiede im Brauchtum. Besonders eindrucksvoll gestaltet wird dieser in Kärnten, Salzburg und Tirol. In Kärnten sind häufig Schauläufe mit Feuerwerk, Fackeln und Feuerspuckern zu finden.  Die Verwendung von Ruten zum Triezen/Tratzen von Schaulustigen ist vor allem in Salzburg besonders beliebt. Ein ganz besonderes Brauchtum findet sich in Osttirol. Dort ist das sogenannte Tischziachn oderTischzoichn, also das Tischziehen, teil der Krampus-Umzüge. Besonders Mutige setzen sich hier hinter einen schweren, im freien aufgestellten Holztisch. Diesen sollen sie gegen die Krampusse verteidigen. Der Tisch muss so lange wie möglich aus eigener Kraft gehalten werden. Dies soll an die Zeit erinnern, als die Krampusse tatsächlich noch in die Häuser der Familien kamen und versuchten, die Leute und vor allem auch die Kinder hinter den Tischen hervor und nach draußen zu ziehen. Das Spektakel wird von Massen an Zuschauer*innen hinter Absperrungen gespannt verfolgt.

Der Krampus in Hollywood

Die Tradition des Krampusses ist mittlerweile sogar schon weltweit bekannt. Im Jahr 2015 erschien zum Beispiel die US-amerikanische Horrorkomödie Krampus von Michael Dougherty. Der Name des Films täuscht jedoch ein wenig, denn die Geschichte basiert nur lose auf der Legende des Krampusses, wie wir ihn kennen. Im Film kommt der Krampus erst zum Weihnachtsfest, weil die Familie die wahren Werte des Weihnachtsfestes vergisst. Der Krampus wird als ein großer furchterregender Dämon mit großen Hörnern auf dem Haupt und Hufen an den Beinen dargestellt, der sowohl von einem Schneesturm sowie einer Schar an bösen Weihnachtsgeschenken und Spielzeugen begleitet wird. Der Film spielt in einem Vorort in Amerika. Die einzige Verbindung zum Alpenraum ist durch die Großmutter gegeben, welche scheinbar von dort aus nach Amerika auswanderte.

Die spektakulären Krampusläufe sind heuer aufgrund von Corona leider abgesagt, der Nikolaus darf jedoch seiner freiwilligen Tätigkeit trotzdem nachgehen – wenn auch mit größerem Abstand als sonst. Ob nun das Tinder-Date als Nikolaus verkleidet vor einem steht, man sich einen passenden Film anschaut oder doch vom „echten“ Nikolaus Besuch bekommt, die Tradition lebt weiter, Pandemie hin oder her.

Text: Hannah Winkler, Nicole Kaßberger

Titelbild: © unsplash

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