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Was ist mit dem Advent passiert?

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It’s the most wonderful time of the year.” – So besingt schon Andy Williams 1963 die Vorweihnachtszeit. Mit Besinnlichkeit und Ruhe hat der Advent aber oft nur noch wenig zu tun. Ursprünglich eine Fastenzeit hat er sich zur stressigsten Zeit des Jahres entwickelt. Doch was steckt hinter überfüllten Geschäften, Weihnachtsmärkten, Adventkalendern und Co.?

Der Advent beginnt am 4. Sonntag vor Weihnachten, mit dem zugleich das neue Kirchenjahr der katholischen und evangelischen Kirche beginnt. Der Begriff stammt von dem lateinischen Wort adventus, welches sich aus den lateinischen Worten ad (an, hinzu) und venire (kommen) zusammensetzt. Wörtlich übersetzt würde man von der Ankunft sprechen; es geht also um die Ankunft Jesu Christi –seine Geburt, die zu Weihnachten gefeiert wird. Daraus ergibt sich auch der volle Name, der heute kaum mehr in Verwendung ist: adventus domini, also die Ankunft des Herrn.

Von einer Fastenzeit zur stressigsten Zeit im Jahr

In der heutigen Hektik ist die Bedeutung des Advents als die Ankunft des Herrn beinahe von der Bildfläche verschwunden. Es ist kaum mehr vorstellbar, doch die Tradition des Advents begann als strenge Fastenzeit. Diese begann damals bereits unmittelbar nach dem Martinstag am 11. November. Seit wann es die Adventzeit genau gibt lässt sich nicht sagen. Man geht jedoch davon aus, dass sie seit dem vierten Jahrhundert besteht, da sich das Weihnachtsfest erst ab dieser Zeit im Großteil der Kirche durchsetzen konnte.

Der Advent war damals also in manchen Gegenden noch sechs Wochen lang. In dieser Zeit schwankte die Anzahl der Adventsonntage noch zwischen vier und sechs , je nach Region. Erst Papst Gregor der Große legte die Zahl der Adventsonntage auf vier fest. Die Zahl Vier steht symbolisch für die viertausend Jahre, die nach damaliger Vorstellung zwischen dem Sündenfall und der Ankunft des Erlösers lagen. Diese vier Adventssonntage stehen auch jeweils unter einem anderen Thema. Eine besondere Stellung nimmt hier der dritte Adventsonntag ein, auch Gaudete-Sonntag genannt, also der Freut euch-Sonntag.

Spätestens seit der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes ist von der ehemaligen Fastenzeit scheinbar nichts mehr übrig. Laut einer Studie des IMAS International aus dem Jahr 2018 ist das Stresslevel zu Weihnachten für circa jede*n zehnte*n Österreicher*in relativ hoch. 46 Prozent der Österreicher*innen empfinden diesen Zeitraum als zumindest ein wenig stressig. 51 Prozent können Stress in der Weihnachtszeit aber nahezu ausschließen. Als besonders stressig wird die Weihnachtszeit von jenen empfunden, für die das Kaufen von Weihnachtsgeschenken eine Belastung darstellt.

Mehr als nur 4 Kerzen

Heute beginnt der Advent für die Meisten jedoch weder mit dem Martinstag noch mit dem Kaufen der Weihnachtsgeschenke. Viele sehen im Entzünden der ersten Kerze am Adventkranz den offiziellen Adventbeginn. Diese Tradition ist für uns aus dem Advent kaum mehr wegzudenken, ihre Entstehung liegt jedoch erst 181 Jahre zurück. Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern hatte im Jahr 1839 die Idee, die Tage bis Weihnachten mit brennenden Kerzen zu zählen. Die Urform des Adventkranzes unterschied sich jedoch noch deutlich von dem, was wir heute kennen. Er bestand aus einem Wagenrad, auf dem insgesamt 24 Kerzen standen – vier große weiße für die Sonntage und 20 kleine rote für die Wochentage. Jeden Tag bis zum Heiligen Abend wurde eine der Kerzen entzündet. Somit ähnelte dieser in seiner Urform eher dem heutigen Adventkalender. Verbreitet hat sich der Adventkranz, wie wir ihn heute kennen, dann vor allem nach dem ersten Weltkrieg.

Heute sind der Kreativität keine Grenzen mehr gesetzt, wenn es um die Umsetzung dieser Tradition geht. Dabei rückt auch die Symbolik des Kranzes immer mehr in den Hintergrund. Der Kreis, der für die Auferstehung und die Ewigkeit des Lebens steht, die Farbe Grün, welche die Hoffnung und das Leben symbolisiert, und die Kerzen, die das kommende Licht verbildlichen, sind nicht mehr unbedingt Teil des Adventkranzes. Von vier einfachen Kerzen bis hin zu kunstvoll verzierten Gestecken in allen Formen und Farben findet sich alles.

Von Kreidestrichen zu Bier und Katzenspielzeug

Etwa zur gleichen Zeit mit dem Adventkranz entwickelte sich auch der Adventkalender. Man wollte den Kindern so das Warten auf das Weihnachtsfest erleichtern. Einen richtigen Erfinder gibt es nicht. Um 1840 kamen unterschiedliche Formen auf. Die einfachsten dieser Adventkalender bestanden aus 24 Kreidestrichen an der Wand, von denen die Kinder täglich einen wegwischten. Eine andere Form bestand aus 24 Bildchen, die nach und nach an die Wand oder ans Fenster geklebt wurden, bis das Weihnachtsfest endlich vor der Tür stand. Als Erfinder des Adventskalenders mit Türchen, wie wir ihn heute kennen, gilt der Münchner Verleger Gerhard Lang, der 1902 die ersten Exemplare druckte.  

Mittlerweile gibt es die verschiedensten Kalender, befüllt mit Spielzeug, Make-up-Produkten, Tee und vielem mehr. Dabei gilt, es gibt nichts, was es nicht gibt: von Speck, über Bier und Werkzeug, bis hin zu Katzenspielzeug. Immer beliebter werden auch Erotikkalender von Händlern wie Amorelie und Eis. Diese speziellen Kalender sind häufig als lustige Geschenke gedacht. In letzter Zeit erfreuen sie sich aber auch besonders bei Pärchen großer Beliebtheit.

Glühwein und ein Lichtermeer

Neben Traditionen wie dem Adventkalender und dem Adventkranz ist für viele auch ein Glühwein mit Freunden auf dem Christkindlmarkt ein Muss in der Vorweihnachtszeit. Die Märkte öffnen meist mit Beginn der Adventzeit und sind mittlerweile fixer Bestandteil weihnachtlich dekorierter Städte. Begonnen hat diese Tradition vermutlich mit dem Verkauf von Fichten und Tannen. Heutzutage ist ein Christkindlmarkt ohne Glühwein, Basteleien, glitzernde Lichter und gutes Essen kaum mehr vorstellbar. Auch in Innsbruck findet man von WEIHNACHTSZAUBER IN DER ALTSTADT, bis zu ADVENTSTIMMUNG AUF DER HUNGERBURG alles. Als besonderer Geheimtipp gilt der Christkindlmarkt in St. Nikolaus. Wie sich die Situation heuer mit dem Corona-Virus entwickeln wird lässt sich kaum voraussagen. Ein weihnachtlicher Spaziergang am Abend auf der Hungerburg, mit Blick auf die hell erleuchtete Stadt, lässt jedoch sicher auch ohne Hektik, Glühwein und Maroni Weihnachtsstimmung aufkommen.

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