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Leave No One Behind – Solidarität kennt keine Grenzen

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Anfang September ist das Flüchtlingslager Moria, auf der griechischen Insel Lesbos, durch mehrere Brände zerstört worden. Die niederländische Fotografin Milene van Arendonk war vor Ort, um die Menschen zu fotografieren und ihre Geschichten zu erzählen. Ihre Begegnungen teilt sie auf ihrem Instagram-Profil. So will sie der Welt zeigen, wer die Menschen im Flüchtlingslager sind, was sie durchgemacht haben und vor allem: was ihre Wünsche und Träume sind.

Milene hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und ist Dokumentar-Fotografin geworden. Das Lieblingsmotiv der Niederländerin sind remote Plätze, wie der Dschungel in Papua-Neuguinea oder die sibirische Artis. Der Fokus ihrer Bilder liegt aber vor allem auf den Menschen. Vor einem Monat entschied sich die 34-jährige in das größte Flüchtlingslager Europas zu gehen: Moria. Dort begleitete sie Familien vor Ort, um deren Leben zu dokumentieren. Als sie hörte, dass im Lager Brände ausgebrochen waren und diese Familien alles in dem Feuer verloren hatten, kam sie zurück.

Milene (rechts) war auf der griechischen Insel Lesbos um dort die Menschen zu fotografieren.

Was ist in Moria passiert?

Das ehemalige Militärgefängnis und Flüchtlingslager Moria liegt auf der griechischen Insel Lesbos, in der Nähe der Türkei. Viele geflüchtete Menschen kommen beim Versuch, nach Europa zu gelangen, dort an. Dort müssen sie einen Asylantrag stellen, welcher in Moria bearbeitet wird. Viele der Menschen stecken dort seit Jahren fest, da das Asylsystem vollkommen überlastet ist und die Bearbeitung dieser Anträge Monate bis Jahre dauert. 

Moria sollte als Erstaufnahmelager für 2840 geflüchtete Menschen dienen. Vor dem Brand befanden sich dort jedoch knapp 13.000 geflüchtete Menschen, darunter viele Familien mit Kindern. In dem Camp herrschten unmenschliche Bedingungen, es gab kein fließendes Wasser und kaum Sanitäranlagen. Teilweise hausten die Menschen in selbstgebastelten Zelten aus Plastik. 

Durch das Feuer im Camp Moria wurden knapp 13.000 Menschen obdachlos, die von da an auf offener Straße schlafen mussten. Vor drei Wochen konnten 10.000 in ein provisorisches neues Camp umziehen, welches auf einem früheren Miltärübungsgelände liegt. Die Menschen müssen nun dort leben, wo Soldaten noch vor kurzer Zeit nach Blindgängern und Minen gesucht haben. Milene hat das Camp Kara Tepe gesehen. Für sie ist das neue Zeltlager nur eine weitere Zumutung: „The people are afraid of the new camp. It is built on military shooting ground so there is lots of dangerous stuff scattered around.” Sie erzählt von den Kindern, die nun dort spielen, wo früher noch Bomben lagen: „It’s dangerous for children.“ Außerdem haben sie und die Menschen Angst, dass weitere Feuer ausbrechen könnten. „Other than that, the new camp will be like a prison and they won’t be able to get in or out on their own terms. I am not sure, I’ve seen the camp and it’s packed together. If a fire breaks out there, there is only 1 way to get into safety. That will be a problem when you have 13.000 people there„, berichtet die Fotografin.

„The people are afraid of the new camp. It is built on military shooting ground so there’s lots of dangerous stuff scattered around.
Dangerous for children.“

Milene

Hinzu kommt, dass bald der Winter kommt und das Lager dafür nicht ausgerichtet ist: „Also, there is no shade and the tents aren’t built on top of a pallet so it will be cold in the night. This camp is not made for winter.“ Die Verhältnisse sind momentan schon erschreckend, bald müssen die Menschen auch noch mit Regen und Kälte kämpfen. Es muss also schnell eine Lösung gefunden werden

Europa ist in der Flüchtlingsfrage gespalten. Deutschland will 1.553 Menschen aufnehmen, Italien 300 – einige andere EU-Länder, darunter auch Österreich, hingehen keine. Milene hofft, dass den Menschen bald geholfen wird: “This refugee camp is on European ground, thus it is our responsibility to take care of these people. I do think we also need to find a solution to the problems over there but for now these people are in Europe, Lesbos is Europe, and we have to take care of everyone who lives on European ground.”

Unter den geflüchteten Menschen gibt es viele Familien mit Kindern.

Geschichten mit Fotos erzählen

Mit ihren Fotos möchte Milene die Aufmerksamkeit auf die Menschen im Lager richten. Sie weiß, wie hart der Alltag für die Flüchtlinge im Camp ist. Die Menschen leben in schrecklichen Verhältnissen: ohne Toilettenpapier, ohne die Möglichkeit sich Essen zu zubereiten.

„It’s hard. Their struggle starts when they wake up and doesn’t end. In the day people are searching for something to eat and drink. The children play and around lunch get hungry and tired and cry. There is nothing to do but wait.“

Milene

Während bei uns über Hygienemaßnahmen und das Tragen von Masken gestritten wird, leben nur zwei Flugstunden von Österreich entfernt Menschen unter schlimmsten Bedingungen: „If you sleep on the side of the road with your children Corona is your least concern. There are 13.000 people sleeping on the side of the road, once in a while there is a line to get your food, 1.5 meter would make this line and in Mytilini. There is no place to wash your hands and people do not have face masks. But again: it’s not their priority concern.“

Menschen wie du und ich

Einige der Familien hat Milene über eine längere Zeit begleitet. Sie lernte sie durch einen Freund vor knapp zwei Monaten kennen.

Der Vater einer der Familien, wurde von Assad gefoltert, berichtet sie. Er flüchtete mit seinen fünf Kindern – vier Mädchen und einem Jungen. Als Moria brannte nahmen sie alles mit, was sie konnten und rannten barfuß so schnell sie konnten. Schuhe hatten sie nicht dabei, also mussten die Kinder sieben Tage lang mit nackten Füßen auf offener Straße rumlaufen: I decided that couldn’t go on any longer so I bought them some shoes thanks to donations from people around the world. Those smiles I got from the children, them running around on their new shoes, that’s priceless. But it shouldn’t be like that right? It shouldn’t be that these children walk around on their bare feet and that their parents can’t buy them shoes because they aren’t allowed to go shopping. That’s just horrible.”

Bei einer weiteren Familie, die Milene begleitet hat, hat die Mutter gerade erst ihr Kind entbunden. Sie konnte dieses in einem Krankenhaus entbinden, musste aber nach drei Tagen zurück in das Camp Moria. Drei Wochen später brach dann das Feuer aus. Milene kennt das kleine Mädchen, hat sie gehalten und mit ihr gespielt. Nun hat sie einen Anruf der Familie bekommen, das Baby musste wieder in das Krankenhaus, die Familie weiß nicht, was sie genau hat. „She had a very bad start in life and now is in the hospital, fighting for her life. It shouldn’t be like this. This baby should be growing up in a safe environment, but she is not”, erzählt die 34-jährige.

Milene (rechts) mit dem kleinen Mädchen auf dem Arm.

Unter den 13.000 Flüchtlingen leben ungefähr 40 Prozent Kinder, aber auch viele ältere Menschen. Alle mit einer Geschichte, mit einem Leben vor der Flicht. Wir sitzen hier in Europa in unseren warmen Wohnungen, während nicht weit von uns Menschen zusammengefercht in Zelten leben und stundenlang Schlange stehen, um ein Mal am Tag etwas Wasser und Essen für ihre Familien ergattern zu können. Es kann nicht sein, dass Europa wegschaut. Denn Solidarität sollte keine Grenzen kennen.

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When you have diner tonight, take a moment. Take a moment to reflect, to dwell on the fact that the food in front of you is a privilege. Food distribution in Moria camp wasn’t great, now it’s even worse. For 1.5 hour people are standing in line for a bag with barely enough food to feed one person, imagine a whole family. It’s good that food is finally distributed but come on… open the supermarkets, let these people buy proper food, enough water and whatever else they need. Being a refugee doesn’t mean you are a criminal and should be detained. Being a refugee means where you come from isn’t safe and you had to run for safety. It doesn’t mean these people are poor, it doesn’t mean they have no respect for local culture or traditions, it doesn’t mean they are savages. It means they ran away from something so bad that they take a dangerous boat trip to Europe. So when you have diner tonight take a moment. Be thankful for not having to stand in line for two hours in the sun to receive a cold meal. Be thankful that you can scoop up your food twice. That there is plenty to even invite your neighbours. Take a moment ❤️ . . #refugee #refugees #refugeecrisis #refugeecamp #europe #food #people #humanity #becausepeoplematter #peoplematter #onelove #refugeeswelcome #refugeechildren #refugeestories #lesvos #greece #unitednations #europeanstyle #europeancommission #immigration #migrants #migration #safe #peace #photographer #photograph

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Wie du helfen kannst

Die junge Fotografin wird oft gefragt, wie man als Einzelne:r helfen kann. Viele möchten Kleidung oder Geld spenden. Milene erzählt, was man tun kann:

Geh demonstrieren!

„You can protest. Go join a demonstration in your hometown. Is there none? Then organize one. Show the governments, the world, hat this can’t go any longer and we no longer take it.”

Schreibe Briefe oder E-Mails an deine Regierung!

„Urge them to do something about this, to act! They have the power to change the situation.”

Informiere dich über die Situation vor Ort!

„Refugees are not poor homeless people, they fled their home because they had to, not because they wanted to.”

 Erzähle die Geschichten der Menschen!

„It’s important that people see we’re talking about people here, not numbers, not things, people. People with children, people who are children, people with hopes and dreams. Educated people, friendly and kind people. Sharing their stories helps create awareness and shows they are as much human as anyone.”

Spende!

„Donations help getting food, water and clothes to the people.” Das kannst du beispielsweise hier oder hier tun.

Unterschreibe Petitionen!

Nutze deine Stimme. Zum Beispiel hier.

Weitere Bilder und Geschichten von den Menschen in Griechenland kannst du auf Milenes Blog lesen. Ihren Instagram-Account findest du hier.


Bilder und Titelbild: Milene van Arendonk
Text: Tjara-Marie Boine

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