Dirty Jobs #1: Wer ist für den Klo-Komfort verantwortlich?

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Unsere Sanitäranlagen sind schon ein ziemlicher Luxus, wenn man es sich recht überlegt. Doch mit den Auswirkungen unserer Ausscheidungen auf die Umwelt werden wir nicht konfrontiert. In der Regel müssen wir keine Gülle-Gruben ausheben oder Nachttöpfe ausleeren, es stinkt nicht überall nach Urin und die verbliebenen Grünflächen sind höchstens durch Hundekot verseucht. Wem wir dafür danken dürfen? Zum Beispiel dem Reinigunsteam von Sodexo an der SoWi. Im Interview erzählt uns die Vorarbeiterin Gülay, welches Verhalten sie besonders stört und wie nach der SoWi-Party der Betrieb direkt am nächsten Tag weitergehen kann.

Die Zeitlos: Zunächst würde ich Sie gerne fragen: Wie sieht denn bei Ihnen ein typischer Arbeitstag aus?

Gülay: In der Früh sind wir mit neun Personen im Haus. Wir fangen um sechs Uhr an und sind dann drei bis vier Stunden beschäftigt. Also Reinigung, Reinigung, Reinigung (lacht)! Wir reinigen Böden, WCs, Gänge, Seminarräume… alles.

Vorarbeiterin Gülay des Reinigungsteams an der SoWi

Ich habe mich immer gefragt: Wie machen Sie das eigentlich, dass nach der SoWi-Party am nächsten Tag der Betrieb direkt weitergehen kann?

Der Alkohol frisst sich in den Boden. Die Reinigungsarbeiten dauern etwa zehn Stunden, wir putzen über Nacht.

Respekt! Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit, und was nervt Sie? Können Sie da jeweils ein paar Sachen nennen?

Was mir gut gefällt, ist, dass wir unter Menschen sind. Es ist viel los an der SoWi. Allerdings kommt es vor, dass die Studenten hier nicht so sauber sind, wie in ihren Wohnungen. Manchmal schaut es katastrophal aus. Ich weiß nicht, ob Sie zu Hause auch so sind. Ich würde Sie bitten, hauptsächlich die WCs sauber zu halten.

Gibt es ein bestimmtes Verhalten, das Sie besonders nervt?

Dass die Leute Klopapier auf den Boden schmeißen und die Klorollen da überall hinlegen. Auch die ganzen Handpapiere sind meistens auf dem Boden. Also, ,Mitarbeit‘, ein ,gutes Team‘, heißt für mich, dass wir alle zusammen etwas Besseres schaffen können. Wir haben Mülleimer, in die wir die Handpapiere hineinschmeißen können. Ich mein‘, das ist Hausverstand. Manchmal schaut’s aus, das ist eine Katastrophe! Es sind manchmal Kot-Reste auf den Klobrillen! Die Leute stellen sich teilweise da drauf… Es ist nicht fein, von jemand anderem den Dreck wegzumachen. Bitte, bitte, bitte hauptsächlich die WCs sauber hinterlassen!

Gibt Ihnen jemand das Gefühl, dass Sie eine wertvolle Arbeit leisten?

Wertvoll nicht immer. Aber wir, also alle Damen, die im Haus sind, werden schon irgendwie nach dem Motto „Ma, die Putzfrauen…“ angeschaut. Die sollen froh sein, dass die Putzfrauen da sind. Ich nenne sie nicht einmal Putzfrauen, das sind Reinigungskräfte, Mitarbeiter. Ich bin die Vorarbeiterin im Haus und wenn es sein muss, muss ich auch selbst reinigen. Ich möchte nicht, dass die Damen von den Leuten so angeschaut werden: „Mei, das ist ja ihre Arbeit, sie soll das machen“. Das tut mir schon irgendwie weh. Wir sind alle Menschen! Wir sind alle gemeinsam in diesem Haus und ich möchte schon, dass wir alle gemeinsam ein gutes Team werden können. Dafür könnten alle schauen, wie sie sich zu Hause verhalten und auch hier das Gleiche machen. Es gibt schon die „Reinigungskräfte“, aber die sollen auch wie ein Mensch arbeiten. Wir verdienen ein bisschen mehr Respekt!

Im nächsten Teil dieser Folge treffen wir auf Gernot, einen Kanalfacharbeiter bei der IKB.

Porträt: Martina Frötscher, Titelbild: Felix Unverzagt

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