Interview mit Frauen aus allen Ländern

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Frauen aus allen Ländern ist ein Verein in Innsbruck, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Frauen in allen Lebenslagen zur Seite zu stehen. Dabei ist das Augenmerk vor allem auf Frauen mit Migrationshintergrund und beziehungsweise oder Fluchterfahrung gerichtet. Gefördert wird der Verein unter anderem von der EU und vom Bundeskanzleramt für Frauen, Familien und Jugend. Gegründet wurde Frauen aus allen Ländern 2001, die Leitlinien umfassen unter anderem eine antirassistische, antidiskriminierende und feministische Grundhaltung und einen transkulturellen Arbeitsansatz. Zu den selbsternannten Aufgaben zählen Bildung und Integration, sowie die Schaffung von Begegnungsräumen. Auch Empowerment ist ein Thema: durch Bildung und Beratung sollen die Frauen lernen, Entscheidungen eigenmächtig zu treffen und ihren Alltag selbstbewusst zu gestalten.

Diese Sprechblase ist aus Wörtern gebildet, die den Verein beschreiben.

Beim Besuch der Website fallen die verschiedensprachigen Begrüßungen und einfache Gestaltung auf. Lesen kann man die Website von Frauen aus allen Ländern natürlich auf vielen Sprachen. Die Frauen sollen durch die verschiedensten Angebote gefördert werden, darunter zum Beispiel durch „Deutsch Lernen für Mütter und Kinder“. Die Zeitlos hat mit dem Leitungsteam, Mag.a Katharina Ortner und DSAin Silvia Ortner, aus dem Frauen aus allen Ländern-Quartier gesprochen und viele neue Infos bekommen.

Die Zeitlos: Hallo Katharina und Silvia, danke, dass ihr euch Zeit nehmt.

Frauen aus allen Ländern: Ja gerne, wir freuen uns natürlich, von unseren Projekten zu erzählen. Wie bist du denn auf unsere Organisation aufmerksam geworden?

DZ: Ich habe einen Online-Aufruf gelesen, bei dem es darum ging, dass eines eurer Projekte nicht mehr vom Bund finanziert wird. Was hat es denn genau damit auf sich?

FAAL: Da ging es um das Mädchen-Projekt. Die Mittel des Bundes waren ausgeschöpft, deshalb ist das Land in finanzieller Hinsicht eingesprungen und wir konnten es noch bis April weiterführen. Ziel des Projekts war es, dass Mädchen im Alter von 15 bis 20 Jahren Lesen und Schreiben lernen. Sie hatten auch die Möglichkeit, nach Abschluss des Kurses Pflichtschulniveau zu erreichen. Mittlerweile wird das Projekt im kleineren Rahmen, zweimal die Woche nachmittags, durch die Stadt und durch Spenden finanziert weitergeführt. Natürlich hat das nicht den gleichen Effekt wie zuvor. Für viele unbegleitete Minderjährige ist das einfach zu wenig an Förderung, sie lernen aufgrund der zeitlichen Änderung des Projekts verständlicherweise nicht so schnell. Manche werden auch von einem auf den anderen Tag abgeschoben oder müssen übersiedeln und wir verlieren den Kontakt zu ihnen.

DZ: Da du gerade von unbegleiteten Minderjährigen sprichst: Für wen fühlt ihr euch zuständig?

FAAL: Für Frauen aus allen Ländern. Männer sind bei uns eher weniger angesprochen. Wir wollen eine Anlaufstelle für Frauen sein, vor allem für Frauen mit Kindern. Bei allen unseren Angeboten ist auch immer kostenlose Kinderbetreuung inkludiert, das bedeutet, zu jeder Sprechstunde, zu jedem Deutschkurs. Alles ist darauf ausgerichtet, dass die Frauen ihre Kinder bei uns in die Betreuung geben können. Oder natürlich, falls die Kinder schon zur Schule gehen, dass dies an die Zeiten angepasst ist.

Vereinszeichen der Bildungseinrichtung

DZ: Welche Frauen unterstützt ihr primär und wie können sie euch finden?

FAAL: Wir richten uns vor allem an Frauen mit Migrationshintergrund, die Deutsch- oder allgemein Bildungskurse bei uns belegen wollen, Frauen aus den verschiedensten Communitys und natürlich – dem Angebot entsprechend – mit wenig formaler Bildung. Sie können auch zu uns in die Sprechstunde kommen, mit jeglichen Fragen und Anliegen. Dabei kommen viele Frauen durch Mundpropaganda, aber auch auf Empfehlung von anderen Netzwerken.

DZ: Ihr gebt auch Deutschkurse. Wie laufen diese ab und funktioniert das denn mit so vielen verschiedenen Muttersprachen?

FAAL: Wir haben spezielles Lehrpersonal, das darauf geschult ist. Wir verständigen uns prinzipiell auf Deutsch, es gibt speziell ausgearbeitete Konzepte, die dafür sorgen, dass jede versteht und lernen kann. Natürlich kommen auch viele Frauen mit Dolmetscher oder Dolmetscherin, vor allem in unsere Sprechstunde, aber generell versuchen wir, auf der gleichen Basis miteinander zu kommunizieren. Es gibt nachmittags auch „Freies Lernen“. Das bedeutet, dass alle Frauen kommen können und jeder das zukommt, was sie gerade braucht.

DZ: Wie organisiert und finanziert ihr euch?

FAAL: Wir bekommen Mittel von der EU, die jedes Jahr neu vergeben werden. Unter anderem werden wir auch vom Bundesministerium für Frauen, Familien und Jugend und vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung gefördert. Natürlich spielen auch Spenden eine Rolle.

DZ: Wie kann man euch als Studierender unterstützen?

FAAL: Wir suchen immer wieder jemanden für ein Volontariat. Die Stellen werden auch auf unserer Website ausgeschrieben. Es ist sehr hilfreich, wenn neue, motivierte Leute zu uns kommen. Die VolontärInnen werden auch gleich eingebunden, können bei den Bildungskursen, in der Kinderbetreuung oder in der Administration tätig sein. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden.

Passend zum Weltfrauentag wird ein freier Deutschkurs angeboten.

Frauen aus allen Ländern ist somit ein Verein, der zeigt, dass und wie gute Integration funktionieren kann. Wenn ihr Interesse an einem Volontariat habt oder spenden möchtet, kommt ihr hier auf die Website von Frauen aus allen Ländern.

Fotos: Kristina Halabi

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