König Theoderich auf den Spuren

Share

Südtirol – Verona – Ravenna lautete die Route der Exkursion, die das Institut für Germanistik Ende Mai angeboten hat. 32 Germanisten und Germanistinnen der Universität Innsbruck – angetrieben von der gemeinsamen Passion zur mittelalterlichen Zeit und Literatur – haben sich daher einem alten Mann an die Fersen geheftet.

Aber wer soll dieser Theoderich bitte sein? Kurzfassung für Geschichtsbanausen: König der Ostgoten, Herrscher über weströmische Gebiete Italiens und in der Literatur als Sagenfigur Dietrich von Bern beliebt. Und das alles vor 1500 Jahren. Wir sind ihm nachgereist.

Start in Innsbruck. Wir Studenten und Studentinnen starten unsere Exkursion in der Hofkirche. Warum? Hier bewachen Bronzestatuen bekannter Persönlichkeiten das Grab von Kaiser Maximilian I. Unter diesen Schwarzen Mandern“ (und Frauen!) befindet sich eben auch unserer Theoderich. Diese imposante Figur kann einem allein wegen ihrer Größe schon einmal den Kopf verdrehen.
Literaturtipp: „Die Fremde“ von Arthur Schnitzler

Theoderichs Statue ist eine unter 28 in der Innsbrucker Hofkirche.

 

Arriviamo a Bolzano. Nach dieser „schwarzen“ Begegnung mit dem Ostgotenkönig stürmen wir Spuren-Leser und -Leserinnen die „Bilderburg“ in Bozen: Schloss Runkelstein. Den Spitznamen trägt die Burg wegen der zahlreichen bunten Wandbemalungen, die die Zeit erstaunlich gut überdauert haben. Dort teilt sich Theoderich ein Fresko zusammen mit den tapferen Recken Siegfried und Dietleib. Den Drachentöter kennt der in der Literatur als Dietrich von Bern auftretende König etwa aus ruhmreichen Schlachten, wie germanische Sagen erzählen.
Literaturtipp: „Reckenspiel“ von Vigil Raber oder „Nibelungenlied“

Auf der Bilderburg finden sich noch viele andere Heldenfiguren: so auch das Liebespaar Tristan und Isolde.

 

Buongiorno Hocheppan. Immer noch in Südtirol führt uns die nächste Theoderichspur in luftige Höhen. Neben der Burg Hocheppan befindet sich auf der Wand der dazugehörigen Kapelle eine besondere Wandmalerei. Sie zeigt einen Hirsch, der der Sage entsprechend von Theoderich gejagt wird. Wie diese Jagd ausgeht, erfahren wir wenige Stunden später bei der nächsten Etappe.
Fun fact: In der Kapelle befindet sich das erste Zeugnis der berüchtigten südtiroler Knödel – direkt unter der Geburt Jesu verspeist eine unbekannte Frau besagten Kloß.
Literaturtipp: „Der Pan Dietrich oder der wilde Jäger in der Lausitz“

Während Jesus zur Welt kommt, genießt die Unbekannte (rechts unten) eine Spezialität aus Südtirol, den Knödel.

 

Salve Verona. Die Stadt gehört nicht nur dem Liebespaar Romeo und Julia, sondern steht auch in engem Zusammenhang mit unserem gotischen Heerführer. Nicht von ungefähr trägt er die mittelhochdeutsche Bezeichnung der Stadt Verona im Namen: Bern. Mit der Schweiz hat Theoderich also nichts zu tun. Der bereits angedeutete Ausgang der Hirschjagd wird uns hier buchstäblich in Stein gemeißelt vor Augen geführt. An der Westfassade der Kirche San Zeno befindet sich nämlich ein Relief, das Theoderich und den Hirsch zeigt. Beide eilen dem Teufel entgegen, denn Theoderich soll in Folge der Jagd und aufgrund seiner Religion direkt in die Hölle gefahren sein.
Literaturtipp: „Dietrichs Flucht“

Die wilde Hirschjagd bringt Theoderich direkt in die Hölle.

 

Ciao Ravenna. Unsere studentische Exkursion ist am Ziel angelangt. Obwohl Theoderichs Herrschaft schon über ein Jahrtausend zurückliegt, ist sein Wirken in der Stadt Ravenna nach wie vor lebendig. Dennoch wird die Spurensuche nun immer kniffliger. Sein Mausoleum ist besonders eindrucksvoll, aber leer. Seine Hofkapelle begeistert mit bunten Mosaiken, doch fiel der Zensur der Byzantiner zum Opfer. Sein „Palast“ wird besucht, aber steht eigentlich gar nicht mehr. Die sich in seiner Nähe befindende Ruine wurde nämlich irrtümlich für Theoderichs Residenzstätte gehalten. Trotz der Aufklärung dieses Irrtums präsentieren die Ravennaten und Ravennatinnen das Gebäude weiterhin als Theoderichs Zuhause.
Literaturtipp: „Rabenschlacht“

Theoderichs Grabmal beeindruckt vor allem mit seiner 300 Tonnen schweren Kuppel, die aus nur einem einzigen Stein besteht.

 

Apropos Zuhause: Nach vier Tagen spannender und spaßiger Kultur- und Literaturreise lassen wir Italien zwar hinter uns, doch haben dafür viele schöne Erinnerungen mit unseren Studienkollegen und -kolleginnen im Gepäck. Unser eigens angefertigter Reiseführer ist das beste Zeugnis dafür. Was wir gelernt haben: Lernen kann Spaß machen und tut es auch, wenn abstrakte Inhalte auf einmal zum Greifen nahe sind.
Abschließender Tipp: Lasst euch die Chance auf eine Exkursion nicht entgehen.

 

Text: Marina Blum und Valentin Reiterer
Bilder: Marina Blum und Valentin Reiterer

Auch die Burgkapelle von Hocheppan zeigt Überreste von Theoderichs Hirschjagd.

 

Die Stadt Ravenna ist auch für die wunderschönen Mosaike bekannt, die vorrangig aus der Zeit Theoderichs stammen.

Share
Share
Share