Film ab!

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Man versinkt in den wohlig weichen Sesseln. Das Surren des Projektors erklingt leise aus dem Vorführraum. 24 Bilder pro Sekunde fliegen über die Leinwand hinweg. Draußen strahlt die Sonne auf Innsbruck herab, dennoch verkriecht man sich in den dunklen Kinosaal, um fremde Welten zu entdecken und sich in ihnen zu verlieren.

 

Vom 29. Mai bis 03. Juni fand das Internationale Filmfestival Innsbruck (IFFI) statt. Sowohl in den zwei Sälen des Leokinos, als auch im Saal des Cinematographen fanden die Vorführungen der Festivalfilme statt.„Ein Programm, das vielseitig und bunt ist“, so beschriebt das IFFI seine 27. Ausgabe und diese Beschreibung trifft es ziemlich gut. Drei Filme aus dem facettenreichen Programm haben wir für euch kurz zusammengefasst:

 

GERMANIA (2018)

Jeder hat schon einmal von ihnen gehört, fast niemand hat einen persönlichen Einblick gewagt: Studentenverbindungen. Ein deutsches Filmteam wollte diese sagenumwobenen Gemeinschaften genauer unter die Lupe nehmen und herausfinden, was es genau mit den Vorurteilen ihnen gegenüber auf sich hat. Die Münchner Studentenverbindung Corps Germania gab ihnen die Chance sie zu begleiten und sich ein eigenes Bild von ihrem Alltag zu machen. Nach 77 Filmminuten, viel Bier und standardisierten Ritualen kann man, glaube ich, behaupten ein fundierteres Wissen über diesen kritisch gesehenen Teil der Gesellschaft erlangt zu haben.

Wer sich selbst gerne einmal in die Welt der Studentenverbindungen abtauchen möchte hat bald die Möglichkeit dazu. Die Dokumentation wird voraussichtlich nächstes Jahr in die Kinos kommen.

 

HAARIG (2017)

Es sprießt und wächst, wir schneiden und wachsen. Es geht um die Hassliebe der Menschen: Haare. In 52 Minuten geht die Regisseurin Anka Schmid der Beziehung zwischen ihren Haaren und ihr selbst auf den Grund. Dabei veranschaulicht sie Frisuren anhand der Veränderung der Haarpracht über die vergangenen Jahrzehnte. Dabei geht sie nicht nur auf die präsenten, für jeden sichtbaren, Haare auf dem Kopf ein, sondern bezieht sich auch immer wieder auf die Härchen an anderen Stellen unseres Körpers. Sie eröffnet durch den Film neue Blickwinkel auf keratinhaltige Pracht.

 

RUHESTÖRUNG (1967)

Wir schreiben das Jahr 1967. Benno Ohnesorg, Student der Freien Universität in West-Berlin, wurde bei einer Demonstration von einem Polizisten erschossen. Die Studenten rufen zum Protest auf. Jedoch bevor es zu einem solchen kommen kann halten sie Diskussionsveranstaltungen ab, ob und wie der Protest zu führen sei. Auch mehrere Professoren melden sich dabei zu Wort. Verblüffend ist, wie geordnet und objektiv die emotionale Debatte geführt wurde. Bei dem Film handelt es sich um ein spannendes Dokument einer Zeit der Veränderung und des Aufstandes gegenüber alter Normen und Muster.

 

Mit seiner 27. Ausgabe hat sich das IFFI als eine der wichtigsten kulturellen Institutionen in Innsbruck beweisen können. Trotz der vielfältigen Filmauswahl setzt das Festival immer wieder Akzente und Themenschwerpunkte. Da ist man sich sicher: Das IFFI wird auch 2019 wieder sehenswert sein.

 

 

 

 

Fotos: Lorenz Zenleser

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