Bordeaux – Weltstadt des Weins

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Pinker Rotwein mit Lakritzaroma klingt nicht nach erstklassigem Wein – Feinschmecker aber wissen, dass man das gar nicht so sehr herausschmeckt. Warum das so ist, kann man in Bordeaux auf vielfältige Weise herausfinden. Die west-französische Stadt ist UNESCO-Weltkulturerbe und eine ‚Wein-Bildungsreise‘ eindeutig wert.

Der Klassiker – Besichtigung eines Weinguts

Die Traube ist der Ursprung jeden Weines. Im weltbekannten Médoc oder St-Émilion bieten die Weinschlösser Führungen durch die Güter an. Dabei erfährt man unter anderem, was der Unterschied zwischen Merlot und Cabernet Sauvignon ist, wie Wein hergestellt wird, und was einen Wein der Güteklasse 1 ausmacht. Nach diesen sehr bereichernden Einblicken in die Welt des Weines, wird der wohlriechende Weinkeller verlassen, um zur Weinverkostung überzugehen. Für all jene die den Wein etwas zu ausführlich verkostet haben, sei hier anzumerken, dass auch spät abends noch eine Bahn zurück nach Bordeaux fährt.

Weinproben in der Stadt – Ècole du Vin

In der berühmten Weinschule École du Vin, einer Weinbar und zugleich Bistrot für französische Spezialitäten, werden die Gäste von den Studenten beraten, welche Weinsorten am besten zu ihren Geschmacksvorstellungen passen. Wer sich dazu noch französische Wurst oder Käse gönnen möchte, ist in der gut besuchten Bar bestens aufgehoben. Nachdem man ein paar Mal dort war, hat man die Karte durchprobiert. – Meint man! – Jede Woche kreiert die École du Vin eine neue Karte, um den Gaumen der (Dauer-) Gäste regelmäßig ein neues Geschmackserlebnis zu bescheren. Wer so vom Wein fasziniert ist, dass er die Kunst der Weinprobe im Detail erlernen will, hat auch die Möglichkeit an einem sehr eindrucksvollen Workshops teilnehmen.

Aber wie kommt denn nun die Lakritze in den Wein? – Cité du Vin

…gar nicht! Es handelt sich hierbei vielmehr um ein Gewürzaroma. Feinschmecker können dieses und zahlreiche andere Aromen im Rebensaft unterscheiden. Kann man das riechen? – Ja, denn wie bei vielen anderen Dingen wird man auch hier durch die Übung zum Meister.
Am „Büffet der fünf Sinne“ im Weinmuseum ‚Cité du Vin‘ kann man sein Näschen testen. Spätestens hier wird den Laien des Weins klar, dass die  Farbpalette des Weins so groß ist, dass sie sich nicht an allen Händen und Füßen abzählen lässt. Obwohl die meisten lediglich zwischen Rot, Rosé und Weiß unterschieden, erkennt man bei genauerem Hinschauen, dass die tatsächliche Farbe von Rotwein beispielsweise wie pink aussieht. Das Museum ist Inbegriff einer Enzyklopädie des Weins: Man erfährt hier einfach alles – von den Wurzeln der Weinherstellung über den Einfluss des Klimas auf den Geschmack bis hin zum Handel. Die Belohnung des spannenden Besuchs befindet sich im obersten Stock – ein Gläschen Wein mit einem 360°-Blick über Bordeaux.

Genug des Weinstreberns! Ihn einfach zu trinken, kann ja auch nicht schaden.

Wer Lust hat, auszugehen und gerne draußen ist, begibt sich am besten abends zum Flussufer der Garonne. Im Sommer findet man sicher das ein oder andere bekannte Gesicht, wenn man ‚sous les arbres‘ (unter den Bäumen) flaniert. Nach einem ausgiebigen Picknick und dem ein oder anderen Gläschen Sauvignon Blanc geht es gut gelaunt in das ‚La Plage‘, den größten Club der Stadt mit 8 Areas. Von chilligen Lounges über einen Open-Air Bereich bis hin zum klassischen Club-Bereich ist alles dabei. Auch was die Vielfalt an Musik betrifft, bietet das ‚La Plage‘ alles, was das Herz begehrt.

Bordeaux mit dem Bike

Wer nach einem geselligen Weinabend ausgeschlafen hat, sollte sich ein Fahrrad ausleihen und die Stadt erkunden. Die Federung der französischen Stadtdrahtesel eignet sich zwar nicht für die Innsbrucker Nordkette, aber für die Gässchen Bordeauxs ist sie absolut ausreichend. In Höchstgeschwindigkeit sieht man so einiges: Touristen, die sich eines der typischen Cannelés gönnen; Franzosen, die riesige Baguette-Sandwiches genießen, einfach weil es „très chic“ ist; Reisegruppen, die gerade den Kirchturm der beeindruckenden Kathedrale ‚St-Michel‘ besteigen. Bordeaux bietet motivierten Bikern außerdem die Möglichkeit, auf Radwegen im Grünen bis zu den Weinschlössern zu strampeln… mein Fazit: Den Titel „Weltstadt des Weins“ trägt Bordeaux definitiv zu Recht!

 

 

Fotos: Panorama-Place de la bourse (Bordeaux) von Caroline Léna Becker via Flickr unter CC 2.0; Château Soutard und Aging the Wine von Dennis Jarvis via Flickr unter CC BY-SA 2.0

 

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