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ONE WORLD, ONE PEOPLE, ONE USD – oder nicht?

Foto: Antonia Moschin
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Love it or leave it. Am letzten Wochenende war es wieder einmal so weit: ein ganz normaler Samstag in der Axamer Lizum wurde zum Ugly Skiing Day (USD). Wenn man sich umhört gehen die Meinungen darüber weit auseinander. Entweder es ist DER Tag des Jahres oder aber ein Event von dem man sich nicht weit genug fern halten kann. Doch was macht den USD zu so einer besonderen, grauenhaften Veranstaltung?

Am 07.04.2018 werfen wir wieder gemeinsam sämtliche modischen, musikalischen und gesellschaftlichen Konventionen über Bord, genießen die Sonne und feiern / betrauern das Ende der Ski- und Snowboard Saison.“  (Offizielle Ankündigung des USD)

Die Gründung des USD geht auf das Jahr 2011 zurück, als die Erfinder zu ihrem Geburtstag mit Freunden „Ugly Skifahren“ gegangen sind. Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden und in den folgenden Jahren wuchs die Anzahl der Teilnehmer stetig an. Während die Party zu Anfang noch im überschaulichen Dohlennest stattfand, findet sie bereits seit 2013 direkt beim Hoadl Haus statt und nimmt inzwischen mit seinen Teilnehmern das gesamte Skigebiet in Beschlag. Wer zum „normalen“ Skifahren gekommen ist, kann einem nur leidtun oder sollte mitmachen. Das klassische Programm besteht aus: Vortrinken an der Talstation mit Freibierlieferung durch Inndrinks, gemeinsames Aufwärm-Programm und die „Ugly-Abfahrt“, Party am Hoadl Haus und im Anschluss daran Apres-Party am Hotel Olympia.

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Bunte Feierei am Hoadl Haus

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Auch bei der Verkleidung dieser beiden Teilnehmer ist der Bezug zum „Ugly Skifahren“ nicht eindeutig (links)

Ein klassisches USD-Outfit aus den 90ern mit schrillen Farben und dem top Accessoire dieses Jahres: die Bauchtasche (rechts)Foto: Antonia Moschin

„Der USD ist der geilste Tag des Jahres. Vielen Dank dafür“. Die DJ’s machen Stimmung am Hoadl Haus .

Was macht diesen Tag zu dem ultimativen Tag?

Innsbruck, das außer dem Bonanza-Festival an einer Open-Air-Knappheit leidet, bietet mit dem USD eine Kombination an, die viele gerne öfter hätten: Sonne, Tanzen und Bier trinken! Man trifft Bekannte und Freunde wieder, die man längere Zeit nicht gesehen hat. Das Ablegen der normalen Winteroutfits tut gut und das Anlegen von verrückten Ski-outfits, Perücken und alten Skiern macht nicht nur Karneval-Fans Spaß. Es ist ein wunderbarer Tag, an dem es nur so vor Kreativität und guter Laune sprüht. Durch das sonnige Wetter und den Alkohol hat man das Gefühl das genau der Ugly Skiing Day und kein anderer den lang ersehnten Sommer einläutet.

Ein paar Besucher sind auf den Pisten unterwegs.

Was ist also das Problem?

Die Kritiker sehen das Problem gerade darin, dass eben „bis zum Umfallen“ gesoffen wird und ähnlich wie beim Karneval alle gesellschaftlichen Konventionen über Bord geworfen werden. Und es stimmt: einige Teilnehmer müssen auch dieses Mal vom Berg abtransportiert werden, die Pisten liegen voller Bierdosen, und der gesamte Schnee um das Hoadl Haus dürfte am nächsten Tag verschiedenste Nuancen von gelb aufweisen.

Beim Umhören wird klar, dass viele Teilnehmer nicht mal mehr zum Skifahren, sondern wirklich nur zum Feiern angereist sind. Das macht sich nicht nur durch die absurd lange Schlange an der Bahn bemerkbar, sondern auch an den Verkleidungen. Diese erinnern zu häufig an eine schlechte Bad-Taste-Party, als an das eigentlich gemeinte Bad-Taste-Skifahren. Das gemeinsame Skifahren gehört inzwischen nicht mehr zum Programm. Doch gerade die gemeinsame Abfahrt mit Hunderten von durchgedrehten Verkleideten macht für viele den Charme des Ugly-Skiing-Days aus. Die Gründe für das Absagen der gemeinsamen „Ugly Abfahrt“ wurden offiziell nicht genannt, doch es ist naheliegend, dass es am Gesundheitsrisiko lag, das entsteht wenn hunderte Besoffene gleichzeitig ohne Skiausrüstung die Damenabfahrt herunterrutschen.

Eins ist der USD auch dieses Jahr wieder: feuchtfröhlich.

Der Ugly-Skiing-Day hielt auch 2018 wieder was er versprochen hat: Sonne, Spaß und Party. Und doch bin ich nicht die Einzige, die an diesem Tag sehnsüchtig von der kleineren Version vor ein paar Jahren spricht, als es ein gemeinsames Aufwärmprogramm gab, man Freunde einfach wiedergefunden hat und die Toiletten noch benutzbar waren.

Alle Bilder: Antonia Moschin
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