(IMHO #35) Keine Schokolade oder was?

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Fastenzeit. Wieder einmal. 40 Tage plus Wochenenden, an denen wir auf Dinge verzichten (sollten), die uns am Herzen liegen. Heißt für Studenten im Klartext: Süßes und/oder Alkohol. Wer sich jetzt denkt: „Nö, mach ich nicht“ und als Antwort auf das „Warum?“ noch ein paar Argumente sucht, sollte einmal weiterlesen.

Die kirchliche Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch, dem Mittwoch nach den Knallertagen (Rosenmontag und Faschingsdienstag) der 5. Jahreszeit. Ab diesem Tag verzichten viele Menschen auf sogenannte Genussmittel, die bei Studierenden in Prüfungszeiten oftmals auch als „Frustmittel“ verwendet wurden und werden. Dieser symbolische Verzicht soll uns an die 40 Tage erinnern, in denen Jesus in der Wüste betete und fastete. Während Jesus aber auf so ziemlich alles Essbare verzichtete, setzt sich Otto-Normalverbraucher meist nicht ganz so hochgesteckte Ziele. Auf das Rippchen Schokolade zu verzichten, reicht den meisten. Die meistgefasteten Dinge sind übrigens Alkohol, Süßigkeiten, Fleisch und elektronische Unterhaltung wie Social-Media oder Fernsehen.

 

So muss euer Gesicht während der Fastenzeit nicht aussehen…

Aber warum das Ganze? Meine Oma hat früher immer gesagt, dass Verzicht dabei hilft, Dinge wieder mehr wertzuschätzen. „Wenn du auf etwas für eine Weile verzichten musst, dann merkst du erst, wie viel es dir bedeutet.“ Meine Argumentation, dass ich genau weiß, wie viel Schokolade mir bedeutet, hat sie aber nie gelten lassen, denn ihrer Meinung nach muss man jedes Jahr konsequent 40 Tage auf etwas verzichten, um dann irgendwann am Ende seines Lebens zu wissen, wie wertvoll das Gefastete für einen ist. Inzwischen schenke ich dieser Aussage keine allzu große Bedeutung mehr, da ich Schokolade und Süßes schon nach der letzten Prüfungszeit verehrt habe.

Die Argumentationen meiner Oma sind in unserer „Nicht-Fasten-Argumentation“ jedoch nicht wirklich ausschlaggebend. Der Hauptaspekt der ganzen Geschichte liegt nämlich auf der mentalen Durchhaltefähigkeit. Die Fastenzeit soll eine mentale Belastungsprobe darstellen, die es zu bewältigen gilt. Unser Körper braucht keinen Alkohol und auch keine Schokolade, um zu überleben, genauso wenig wie Fleisch, Gummibärchen, Facebook, Snapchat und überlange Telefonzeiten. Aber wir brauchen das ganze Zeug für unseren Seelenfrieden, um Stress abzubauen und weil wir uns etwas Gutes tun wollen. In Extremsituationen werden wir wirklich gut auf alle möglichen Dinge verzichten können, weil es dann halt notwendig ist. Und wenn jemand generell mit dem Rauchen aufhören will, wartet er meistens nicht auf die Fastenzeit. Ganz allgemein sehe ich persönlich keinen Sinn dahinter, 40 Tage mit Mühe und Not den Verzichtkodex einzuhalten, nur um dann danach wie gewohnt mit allen Lastern weiterzuleben. 40 Tage ohne Internet verbringen und danach wieder munter und fröhlich alle möglichen Kommentare haten, hat doch im Endeffekt niemandem etwas gebracht. Und die ganze Fastenzeit auf Gummibärchen zu verzichten, nur um danach ein Kilo davon zu verputzen, erfreut deine Figur auch nicht. Da wäre es beispielsweise viel sinnvoller, die Menge im Alltag zu reduzieren: Statt 5 Mal in der Woche Fleisch nur 2 oder 3 Mal, dafür aber eben auch in der Fastenzeit. Statt 4 Stücken Schokolade nach dem Essen nicht gar keines, sondern nur 2. Wenn man sich das einmal angewöhnt hat, wird man so eine Einstellung dauerhaft beibehalten und das ist am Ende viel sinnvoller. Man muss sich das Leben ja auch nicht unnötig schwerer machen.

 

Eins, zwei oder drei oder vier dürfen es immer sein…

Also wenn ihr Schokolade essen wollt, dann tut es (aber bleibt bei den zwei Stückchen)! Und wenn ihr nach der nächsten überstandenen Prüfung mit euren Freunden etwas trinken gehen wollt, tut das.
Wenn dich also das nächste Mal jemand fragt warum du nicht fastest, während du deine Schokolade mit Bier runterspülst: Einfach noch ein Gummibärchen hinterherschieben und lächeln.

Fotos: Praline von Sponchia via Pixabay unter CC 0; Traurige Puppe  von Alexas_Fotos via Pixabay unter CC 0; Süßigkeiten von efes via Pixabay unter CC 0

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