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Thank you Mario, but your grades are in another castle! – Videospiele in der Vorlesung

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Der Vorlesungssaal, Ort des Erklärens und Zuhörens. Hier sollte fleißig dem dozierenden Professor gelauscht werden, um den einzig wahren Grund zu erfüllen, warum man auf die Universität geht: dem Studieren.

Soweit zur Theorie, doch wie so oft sieht die reale Welt ganz anders aus: Da werden dann doch eher dem Nachbarn die heißesten Gerüchte der letzten Nacht erzählt, die neuesten Kritzeleien auf den Bänken begutachtet oder die Smartphones gezückt und gezockt. Denn nicht nur in Bus und Bahn, auch im Vorlesungssaal, hat allgegenwärtiges Zocken bereits ganz normalen Einklang gefunden.

Doch dieses Zocken hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Sind die Nerds in den Neunzigern noch für ihr viel zu zeitfressendes Hobby belächelt worden, füllen in der heutigen Zeit die Weltmeisterschaften beliebtester Online-Spiele riesige Hallen und die Top Elite der sogenannten E-Sportler können mehr als nur davon leben. Noch dazu „videospielt“ gegenwärtig nahezu jeder. Früher musste man noch den grauen klobigen Kasten namens Game Boy kaufen und samt Spielen herumschleppen. Heute kann jeder auf seinem Smartphone nicht nur die neuesten Spiele, sondern auch noch das Tetris von damals spielen.

League of Legends Championships

Es war also nur eine Frage der Zeit bis die Videospiele auch den Vorlesungssaal erobern. Doch was sind das für Menschen, die partout nicht den weisen Worten des Professors lauschen wollen und sich lieber dem scheinbar nutzlosen Trieb des Spielens hingeben? Die Zeitlos hat sich dazu furchtlos in unzählige Vorlesungen gestürzt, um diesem Mysterium auf die Schliche zu kommen. Dabei sind uns drei Gattungen des Vorlesungsvideospielers begegnet:

 

Videospieltyp 1

Typ 1: Der Gelegenheitsspieler

Die erste und zugleich größte Gruppe stellen die Gelegenheitsspieler dar. Die Gelegenheitsspieler zocken nicht wirklich des Zockens willen. Manch einer behauptet sogar, die Vertreter dieser Gruppe gehen mit der Intention aufzupassen in die Uni! Wären da eben nicht diese verführerischen Gelegenheiten. Wenn zum Beispiel der Psychologieprofessor zum dreihundertsechzigsten Mal über Freud philosophiert, bleibt dem ein oder anderen eben nichts anderes übrig, als sich anderweitig zu beschäftigen. Flink ist da das Smartphone gezückt oder der ein oder andere Tab im Browser aufgemacht.

Spitzenreiter sind hier natürlich kurzweilige Spiele wie Candy Crush, Angry Birds oder Quiz Duell. Bei letzterem muss sich der ein oder andere Gelegenheitszocker dann doch zusammenreißen, um nicht den Geschichtsprofessor als Joker für geschichtliche Fragen einzusetzen. Hier ist nicht nur wichtig, dass das Spiel schnell angefangen, sondern auch schnell wieder aufgehört werden kann. Zugegeben, der Gelegenheitsspieler steckt ein bisschen in allen von uns. Es ist nur eine Frage der Selbstdisziplin und dem Mangel an anderen Möglichkeiten, ob er herausgelassen wird, oder nicht.

Videospieltyp 2

 

Typ 2: Der halbgeplante Gamer

Nach außen hin unterscheidet sich der halbgeplante Gamer kaum vom gemeinen Gelegenheitsspieler. Doch der Schein trügt! Von der Herangehensweise des Aufpassens noch gleich, unterscheidet sich der halbgeplante Gamer durch seine viel höhere Bereitschaft von den weisen Worten des Professors abzuschweifen und sich dem frenetischen Zocken zu widmen. Beim halbgeplanten Gamer sitzt der Game Boy schon im Anschlag oder es ist bereits ein Ordner mit dem Namen „Vorlesungsspiele“ auf der Startseite des Smartphones oder dem Desktop gespeichert. Nur für den Fall der Fälle. Doch dieser Fall tritt eben durchaus häufig ein. Sobald Schlüsselsätze wie „Ich weiß, sie haben das schon öfters in ihrem Studiengang gehört…“, oder „Dies ist jetzt nicht Prüfungsrelevant, aber…“ fallen, beginnt ein biochemischer Prozess im Gehirn, der jegliches weiteres Zuhören unmöglich macht.

Einmal begonnen, kann diese Gattung des Vorlesungsvideospielers auch nicht einfach so aufhören. Deswegen werden größere Spiele in den Vorlesungen gezockt: Unter anderem wird daran gearbeitet alle 151 Pokémon in einer den alten Editionen zu fangen, das 152ste mal Prinzessin Peach vom bösen Bowser zu befreien oder die daily quests bei Hearthstone abgearbeitet. Wichtig bei den Spielen ist jedoch, dass pausiert und abgespeichert werden kann, denn meistens flaut die Zock-Bereitschaft langsam ab. Oft ist es ein pochendes, schlechtes Gewissen, meist jedoch die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen, das den halbgeplanten Gamer wieder auf den Boden der Tatsachen bringt und in die akademische Gegenwart zurückholt.

videospieltyp 3

 

Typ 3: Der gewissenslose Zocker

Eben dieses Gewissen fehlt der finalen Gattung: dem gewissenlosen Zocker. Hier sind weder Gelegenheiten noch Schlüsselwörter von Nöten, damit zur virtuellen Unterhaltung gegriffen wird. Schon im Vornhinein geht er (oder sie) mit der festen Intention in die Vorlesung, die kostbare Aufmerksamkeit nicht den Erklärungen und Erläuterungen des Professors, sondern den vielen Pixeln des Laptop Bildschirms zu widmen. Besonders häufig ist dieses Verhalten bei unnötig langen, verpflichtenden Lehrveranstaltungen zu beobachten. Der Hörsaal wird wie eine große LAN-Party angesehen, zu der alle Kommilitonen eingeladen sind und bei der es auch noch kostenlose akademische Unterhaltung während der Ladezeiten gibt. Oft werden hier Multiplayer Titel gespielt. Eine Runde Age of Empires 2 gegen die gesamte Hinterbank? Kein Problem! Einen Mitspieler am anderen Ende des Saales wüst beschimpfen, weil er einen mal wieder bei Counter Strike abgeschossen hat? Kann passieren! Alles ist erlaubt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der Professor selbst mit dem Uni-PC einloggt um zu zeigen, wer mit der AK-47 am besten umgehen kann.

Fazit:

Manch einer möchte jetzt den disziplinaren Verfall der Studenten heraufbeschwören. Soweit wollen wir hier jedoch nicht gehen. Denn vor dem Gelegenheitsspieler kommt noch das Ablenken anderer Studierenden, vor dem halbgeplanten Gamer das gemeine Stören des Unterrichts und vor dem gewissenlosen Zocker das gar nicht erst erscheinen. Man könnte argumentieren, dass die Videospiele die Vorlesungen vor weit Schlimmeren bewahren und irgendwo da draußen gibt es bestimmt eine psychologische Studie, die belegt, dass partielle Aufmerksamkeit zu einem besseren Verständnis führt. Es muss jedoch jedem selbst bewusst sein, wie sehr er seine kostbare Aufmerksamkeit während der Vorlesung verteilen will. Denn am Schluss sind nicht die Videospiele, sondern immer einer selbst für schlechte Noten verantwortlich.

Videospiele in der Vorlesung - Archivbild

 

Fotos: Lorenz Zenleser, League of Legends Season 2 World Championship finals panorama, artubr via Flickr unter CC 2.0


Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde erstmals in unserer Printausgabe #7 veröffentlicht.

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