(IMHO #23) Fuck me if you can – Wenn Frauen Pornos schauen

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Es soll sich um eine Männerdomäne handeln. Laut einer Studie sind nur zwei Prozent der Porno-Gucker weiblich. Frauen haben hier außerhalb der Filme nichts zu suchen. Es darf ihnen kein Vergnügen bereiten, denn das gehört sich nicht für echte Damen. Stattdessen sollen sie sich lieber ein Erdloch graben, in dem sie ihre sexuellen Vorlieben und Fantasien für immer begraben.

Ich sage, dem ist nicht so! Über dieses Tabu nachzudenken begann ich erst an dem Tag, als mich meine Mutter mit weit aufgerissenen Augen zwischen mir und meinem Handydisplay hin und her schaute. Sie wollte doch nur kurz etwas nachlesen im Internet und plötzlich war da diese Pornoseite. Ich konnte die Fragenzeichen förmlich aus ihrem Kopf rausschwirren sehen. Was ich damit mache, Frauen tun so etwas nicht, das ist das „Ding“ der Männer. Ich hab‘ den Vorfall sehr gechillt hingenommen, andere Generation, andere Titten, äh ich mein‘ Sitten. Außerdem bin ich nicht die einzige, wie diese Studie von Pornhub beweist.

Hund

 Wie hat das angefangen?

Alles begann mit meinem damaligen Betthupferl, nennen wir ihn Kurt. Kurt hat sich regelmäßig Pornos reingezogen, er stand auf pompöse Ärsche und für mich war das voll in Ordnung so. Und als wir eines Abends ein bisschen high in unserem Bett versanken, kamen wir spontan auf die Idee, uns zusammen ein oder zwei Pornos anzugucken. Ich war neugierig, welche Vorlieben Kurt hat, welchen Typ Frau er in seinen Fantasien bevorzugt und was er als abartig und unsexy bezeichnet. Kurt zeigte mir, dass die Pornoindustrie so viel mehr zu bieten hat als blasen, ficken, abspritzen. Ich bin eine Frau. Und Frauen denken zu viel beim Sex. Auch mir fällt es manchmal schwer, in stressigen Lebenssituationen den Kopf zu befreien, mich fallen zu lassen und mich sexuellen Fantasien hinzugeben. Manchmal braucht man das aber einfach, eine kleine Anregung, um das Kopfkino anzukurbeln. In diesem Punkt unterscheidet sich Weiblein von Männlein nicht allzu sehr.

Wie finde ich den perfekten Film?

Zugegeben, die Suche nach dem perfekten Streifen stellt sich oft als langwieriger raus, als meinem ohnehin gestressten Gemüt lieb ist. Frauenfreundlich ist für mich nicht unbedingt ein Schlagwort, das bei meiner Suche immer eine Rolle spielt. Die bekannten Gratis-Porno-Seiten haben oft nicht viel übrig für Damen, die lustvolles Vorspiel abseits vom üblichen Blowjob haben wollen. Es gibt sie durchaus, die Pornoseiten für die Frau. Ob sich Studentinnen im Durchschnitt ein kostenpflichtiges Abo zulegen oder doch lieber ein paar Bier mehr im Monat trinken, kann ich nicht beurteilen. Ich für meinen Teil wähle aber letztere Option. Wenn ich also irgendwas mit Doggystyle haben will, die Frau aber nicht völlig auf ihren aufgespritzten Hintern reduziert werden soll, klick ich mindestens zehn Filmchen durch, bis sich das perfekte Gesamtpaket findet. Was tun, um die Suche zu verkürzen? Manchmal frage ich Kurt. Es ist zwar nicht mehr er, der mein Bett und mich warm hält in kalten Winternächten, aber er weiß, was ich brauche. Mit den Monsterärschen in den Pornos, die er mir empfiehlt, habe ich mich mittlerweile abgefunden.

Und was sagen die Männer dazu?

Nun ja, um ehrlich zu sein habe ich selten angeregtere Diskussionen mit Männern geführt, in denen sie so voll Feuer und Flamme aus dem Nähkästchen plauderten. Jeder Mann guckt Pornos, und die, die es nicht regelmäßig tun, haben auch schon mal einen gesehen. Auf meine Ehrlichkeit und meine gelegentlichen Pornosessions reagieren viele zuerst verwundert, dann aber äußerst interessiert. Die meisten wollen dann ausführlich wissen, welche Pornos ich mir reinziehe, ob Lesbenpornos oder doch lieber Dreier und ob ich in real life auf genau das stehe, was da so gezeigt wird. Und natürlich hat oder hatte jeder der Männer mal so eine Freundin, die total ausgeflippt ist, als sie die Pornoseiten im Internetverlauf des Computers fand. Neben ausführlichem sex talk werde ich zur Kummerkiste und Problemlöserin. Gegen die offensichtliche Verklemmtheit meiner Schwestern hab‘ aber auch ich kein Wundermittel, sorry.

Was ich als Frau in der Männerdomäne zu suchen habe?

Den perfekten Porno natürlich. Und ein paar Antworten auf Fragen, die meine Freundinnen dazu veranlassen, es mir nicht gleichzutun ohne zu wissen, was sie eigentlich verpassen. Ich bin mir bewusst, dass Männer keine Pornos gucken, weil ihnen die Lebenspartnerin nicht mehr genügt. Sie tun es, weil es Spaß macht und es entspannend ist nach einem langen Tag in der Arbeit oder an der Uni. Welche sexuellen Vorlieben ich habe und welche schweinischen Filmchen ich bevorzuge, ist und bleibt mein Betriebsgeheimnis. Fakt ist, dass die vermeintliche Männerdomäne immer mehr von den Frauen dieser Welt erobert wird. Und das ist gut so! Wer weiß, vielleicht leiste ich mir eines Tages das Abo einer Frauenpornoseite, nicht, weil mir die Pornos für Männer zu hart sind, sondern aus dem simplen Grund, einmal kein spermabeklebtes Gesicht am Ende des Filmchens sehen zu müssen. Wieso? Das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

 

Fotos: Bath porn., fnogues via Flickr unter CC 2.0, REAL MAN DON’T USE PORN, Christian Mayrhofer via Flickr unter CC 2.0

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