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6 Days of Screening: Aftermath – Das Fazit vom Internationalen Filmfestival Innsbruck 2016

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Seit nunmehr 25 Jahren bildet das Internationale Filmfestival Innsbruck (IFFI) einen Fixpunkt in der Tiroler Filmszene. Nicht nur bietet sich hier die Gelegenheit für Filmschaffende aus aller Welt aufeinanderzutreffen, sondern auch das heimische Publikum darf einen Blick über die Grenzen des österreichischen Kinoangebots hinaus werfen. 

Der Film als Ausdruck einer uns fernen Kultur kann befremdlich oder sogar verstörend wirken und uns vor ihm zurückweichen lassen. Wir schieben uns selbst einen geistigen Riegel vor. Diese Grenzen, seien sie materiell oder auch nur in unseren Köpfen vorhanden, gilt es zu überwinden – und gibt es hier eine angenehmere Methode, als sich 6 Tage in Kinosäälen herumzutreiben? Wir denken nicht und zeigen euch hier nun unsere beiden Lieblingsfilme des diesjährigen Festivalprogramms.

Fuocoammare (Italien/Frankreich – 2016)

Dieses Jahr war für Lampedusa ein filmisches. Zwischen LAMPEDUSA, WINTER IN LAMPEDUSA und FUOCOAMMARE haben sich viele Filmteams auf die kleine italienische Insel gewagt. Namensgeber für den goldenen Bären Gewinner FUOCOAMMARE ist ein dortiges Volkslied, dessen Text, im Gegensatz zur Melodie, verloren ging. FUOCOAMMARE bedeutet so viel wie „Seefeuer“ oder „Feuer auf See“. Das Lied hat seinen Ursprung im Jahre 1943 wo vor Lampedusa ein Schiff bombardiert wurde. Gleichzeitig gab es auf der Insel einen Stromausfall. Die einzige Lichtquelle waren die lodernden Flammen des Schiffs. Von der Insel aus hat dies so ausgesehen, als würde das Meer brennen. Durch dieses Easter Egg versteckt der Regisseur Gianfranco Rosi eine zusätzliche wichtige Botschaft im Film: In Europa hatten wir vor wenigen Jahrzehnten auch Krieg. Viele Menschen haben hier in Leid gelebt oder sind geflohen, deshalb ist es jetzt an uns, den Menschen die in diesem Augenblick ähnliches erleben, zu helfen.

In FUOCOAMMARE werden zwei Geschichten gleichzeitig erzählt. Einerseits wir das Leben der Inselbewohner dargestellt. Dabei fokussiert sich der Film auf Samuele, einen zwölfjährigen Jungen, der seine behütete Kindheit auf der Insel lebt. Auf der anderen Seite werden die Rettungsaktionen der Küstenwache von Flüchtlingsbooten dargestellt. Der Film zeigt schonungslos, wie unmenschlich die Flucht in solchen Boot ist, welche Risiken die Flüchtlinge eingehen und die schwerwiegenden psychologischen Folgen für die Flüchtlinge. FUOCOAMMARE setzt ein Zeichen und gibt uns einen Einblick in die Gesellschaft der kleinen Mittelmeerinsel. Allein eine Frage bleibt am Ende des Filmes bestehen: Wie ist das Zusammenleben zwischen Flüchtlingen und Inselbewohnern?

Ixcanul (Guatemala – 2015)

„Sing, damit der Vulkan einschläft!“, fordert Maria von ihrem Freund Pepe. Er lächelt in sich hinein, während die beiden weiter Kaffeebohnen von den Sträuchern pflücken. Im Hintergrund grollt es – der Vulkan ist noch wach.
Maria lebt mit ihrer Familie im Hochland Guatemalas. Hier konzentriert sich alles auf die Kaffeeernte. Täglich geben die Arbeiter die von ihnen gepflückten Bohnen beim Plantagenleiter Ignacio ab, der den Ertrag aufs Genaueste prüft und wiegt. Mit ihm wird Maria von ihren Eltern verlobt. Eigentlich eine gute Partie, schließlich hat er ein Auto, ein gutes Einkommen und spricht, im Gegensatz zur den indigenen Arbeitern auf der Plantage, Spanisch.
Doch Maria hat eigene Pläne. Pepe spricht davon in die USA auswandern zu wollen, und sie will von ihm mitgenommen werden. An den schwarzen Hängen des schlafenden Vulkans entspinnt sich nun ein Drama um den Traum von einem besseren Leben, familiärer Loyalität und traditionellen Gebräuchen.

An und für sich ist die Geschichte einer in einer traditionellen Gesellschaft heranwachsenden jungen Frau, die den großen Traum vom Leben in einer besseren Welt hegt, nicht neu. Regisseur Jayro Bustamante schafft es aber durch das (für Europäer) ungewöhnliche Setting, das Schauspiel und nicht zuletzt die Verwendung der Maya-Sprache Kaqchicel dennoch, das Interesse des Publikums aufrecht zu erhalten. Dies, in Kombination mit der ruhigen und unaufgeregten Erzählweise und den mächtigen Bildern der guatemaltekischen Vulkanlandschaft, macht aus IXCANUL einen besonders eindrucksvollen Film.

 

Von Ulrich Ringhofer und Lorenz Zenleser

Beitragsbild: IFFI/trigon-film

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