Lieber Penis!

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Was nun folgt, soll meine tiefe Ergebenheit und unerschütterliche Treue, ja eigentlich sogar meine Liebe dir gegenüber zum Ausdruck bringen. Seit nunmehr 27 Jahren sind wir uns nun schon tief verbunden. Mein ganzes Leben lang sind wir aneinander gehangen. Wir sind im wahrsten Sinn des Wortes durch (oder besser in) dick und dünn gegangen und würde ich Pferde stehlen wollen, dann nähme ich dich (zwangsläufig) mit.

Vor ungefähr 14 Jahren haben wir unsere gemeinsamen Abenteuer erst so richtig begonnen. Was davor passiert ist, erschließt sich mir auf Grund mangelnder Erinnerungen und Dokumentation von Seiten meiner Eltern leider nicht mehr ganz, doch was wir seitdem miteinander erlebt haben, lässt mich in dem Glauben, dass auch die frühen Jahre bestimmt super waren!

Nicht nur spendest du in Zeiten der Trauer Trost, nein, auch wenn Langeweile droht, finde ich bei dir Beschäftigung. Oftmals bist du mir beim Ausloten von Sympathien und beim Treffen von Entscheidungen eine große Hilfe. Doch ab und an bist du mir auch böse, wenn ich nicht nach deinem Willen handle und so mancher Abend wäre ohne dich und deine unmoralischen Empfehlungen weit weniger kompliziert verlaufen.

Der eine oder andere Apothekenbesuch wäre zu vermeiden gewesen, aber wir können von Glück sprechen, dass wir dem Schicksal deines eigentlichen Verwendungszweckes bisher immer noch entkommen sind!

Doch trotz alledem, trotz den peinlichen Situationen in der Pubertät, trotz den Zeiten, an denen wir geglaubt haben wir wären cleverer als die Eltern und könnten alles vor ihnen verstecken, trotz der ungeschickten ersten Versuche, trotz der schlechten Ratschläge und auch trotz des Krankenhausaufenthaltes würde ich dich niemals und um nichts in der Welt hergeben wollen.

Zum Einen, weil du mich, wenns wirklich drauf ankam, noch nie im Stich gelassen hast. Zum Anderen aber vielmehr, weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, mein restliches Leben im Sitzen zu urinieren.

Ich trinke also auf dich, einäugige Hosenschlange! Auf dich und auf alle anderen Lümmel, Kapuzenmönche, Chromosomenschleudern, Amüsierknüppel, Fleischpeitschen, Zauberstäbe, Genusswurzeln und Beidln!

Text: Anonym

Foto: Lisa Saxl


Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde erstmals in unserer Printausgabe #6 | SS 2015 veröffentlicht.

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