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Wieso fünf Euro zahlen, wenn’s das Karawendel günstiger kann?!

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Ich gehöre zu jenen Menschen, die gerne Säfte trinken. Egal ob Fruchtsaft, Wasser mit Sirup oder diese pseudo Geschmackswässerchen. Eigentlich schmeckt mir Alles, so lange es nach etwas schmeckt. Pures H20 verzehre ich nur, wenn ich gerade nicht genug (oder die falschen) Münzen für den Uni Automaten habe. Zuhause, bei meinen Eltern gibt es selbstgepressten Apfelsaft von den hofeigenen Apfelbäumen und Oma tischt meist frischen Holunderblütensaft auf. Dinge, die ich so in Innsbruck nicht kenne. Es gibt natürlich die ein oder andere Geschmacksnuance für wenig Geld, aber wenn ich auf die Chemieindustrie verzichten möchte und noch einen Hauch Bio wünsche, wird der Spaß meisten ziemlich teuer. 

Neulich saß ich spät nachmittags noch in der Bib und arbeitete unerlässlich daran, mein tägliches Pensum zu erfüllen. Die sechste Stunde zog sich gerade so dahin, als plötzlich mein Telefon lautlos klingelte. Das Handy hätte sich seine klangliche Zurückhaltung eigentlich sparen können, denn die Lernplätze um mich herum waren bereits alle leer (ja, solche Orte gibt es noch). Nach einem kurzen Gespräch stand ich vor der Wahl, entweder noch eine weitere Stunde in meine Mitschriften zu starren oder mit guten Freunden noch einige Höhenmeter Richtung Nordkette zu gehen. Als fleißiger und pflichtbewusster Student entschied ich mich natürlich für Letzteres.

Zwanzig Radminuten später stand ich vor der Kongressstation der Hungerburgbahn, wo bereits meine Begleitungen auf mich warteten. Mit den Ärmeln hochgebunden starteten wir mit der Sonne im Rücken flussabwärts. Kurz vor dem Alpenzoo musste ich plötzlich an Oma denken. Es duftete stark nach treibenden Holunderblüten und es zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich erzählte meinen Freunden vom dem wunderbaren Hollersaft meiner Omi. Komisch, sie wollten mir gerade das Gleiche erzählen.

Richtung Nordkette

Auf die Einbildung hin, dass man als angehender Akademiker sicher in der Lage sein wird, Holunderblüten Sirup zu machen, schnitten wir auf dem Nachhause Weg noch schnell ein paar Dutzend Blüten ab und steckten sie behutsam in eine Einkaufstüte. Es bedurfte nicht viel Rechercharbeit, bis wir wussten was wir noch alles brauchten. In Innsbruck angekommen eilten wir zum nächsten Lebensmittelgeschäft und kauften uns Sirupzucker und Zitronen.

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Zuhause angekommen, stellten wir alles auf den Tisch und kochten zweieinhalb Liter Wasser auf. Auf dem Tisch befanden sich nun drei Kilogramm Sirupzucker, 60 schöne Dolden und drei Zitronen. Nachdem das Wasser kurz köchelte, schalteten wir die Herdplatte ab und lösten die drei Kilogramm Zucker darin auf.  Nach einer kurzen Unterbrechung, zwecks hungriger Studentenmägen, war die Küche wieder frei und wir gaben die Dolden und die aufgeschnittenen Zitronen in das noch heiße Wasser. Kurz verrühren und zwei Tage ruhen lassen. Am Ende siebten wir das ganze Gemisch durch ein feines Sieb und füllten unseren Sirup in alte, leere und saubere Vodkaflaschen ab.

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Insgesamt ergaben unsere Zutaten rund viereinhalb Liter Sirup, viel Spaß und eine klebrige Küche. Der Sirup befindet sich nun in Kühlschrank, der Spaß im Gedächtnis und die einst klebrige Küche ist wieder barfüßig begehbar. Für gerade mal vier Euro gibt es bei uns jetzt selbst gemachten Holundersaft, ohne Konservierungsstoffe und mit imaginären Bio-Siegel vom Feinsten. Der 490ml Marken Sirup um fünf Euro kann uns nun getrost gestohlen bleiben.

 

Hier nochmal die Zutaten:

2,5 Liter Wasser

60 schöne Dolden – findet man gerade in der ganzen Stadt plus Umgebung

3 KG Sirup Zucker – oder 3 KG normalen Zucker plus 50 ml Zitronensäure

3 reife Zitronen

Bearbeitungszeit ungefähr zwei Mal 15 Minuten – Zutaten einrühren und Abfüllen

Fotos: DieZeitlos

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