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Malen für mehr Toleranz

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Durch Sophia Lechner, eine talentierte und entschlossene junge Dame, die selbst mit ihrer Kunst die Straßen von Innsbruck und die Garagen ihrer Bekannten verschönert, ist ein Projekt entstanden, das es Flüchtlingen ermöglicht, sich in dieser für sie so fremden Stadt auszudrücken und mit ihren zukünftigen Mitbürgern zu kommunizieren. Mit Pinsel und Farbe bewaffnet wurde Asylwerbern die Chance gegeben, ihr individuelles Bild, das ja auch ihre jeweilige Geschichte erzählt, in Innsbruck zu veröffentlichen, sich zu artikulieren und einen Platz in dieser noch so unbekannten Stadt zu bekommen.

Das Projekt entstand im Rahmen von Sophias Ausbildung am Institut für Sozialpädagogik in Stams. Da sie etwas machen wollte was sie kann und was ihr am Herzen liegt, entschloss sie sich dazu mit Flüchtlingen ein großes Gesamtkunstwerk an einer genehmigten Wand in Innsbruck, bei der Unterführung in der Ampfererstraße, zu gestalten. Sie wollte Männern, die sich nicht wirklich willkommen fühlen, die“ illegal“ hier sind, einen Platz geben, an dem sie sich legal in dieser Stadt, in der sie auch bleiben wollen, verewigen können. Wo sie ihren eigenen kleinen Fleck haben, den sie individuell gestalten können, und der sich dann auch wieder ins Stadtbild einfügt. Etwas, wo sie mit unserer Kultur, mit Innsbruck, verschmelzen und dadurch auch ein Teil davon werden. Sie bekamen die Gelegenheit etwas in einer Stadt zu hinterlassen wo sie eigentlich nicht daheim sind — noch nicht.

Als sie dieses Projekt den Asylwerbern vorschlug, gab es gleich zahlreiche Interessenten. Weil sie allerdings auf jeden individuell eingehen wollte und auch die Wand nicht mehr Platz bot, musste die Teilnehmerzahl auf sechs Personen eingeschränkt werden. Bei ihrem ersten Treffen versuchte sie ihnen das Thema Straßenkunst generell näher zu bringen, deshalb sahen sie sich die verschiedensten Graffiti-Kunstwerke in Innsbruck an. Beim zweiten Treffen zeichnete jeder sein persönliches Bild auf einen Zettel, sodass man dann nicht ratlos an der Wand steht. Und beim dritten Treffen, dem Tag an dem sie dann auch wirklich ihre Kunst an die Wand brachten, durfte ich sie begleiten.

Wir spazierten ins Flüchtlingsheim Mentlberg, wo die Männer untergebracht sind, um sie abzuholen. Sie warteten schon voller Vorfreude und begrüßten uns herzlich. Es sind Männer zwischen 20 und 30 Jahren, mit ganz verschiedenen Vergangenheiten, die da in diesem alten Schloss in Mentlberg sitzen und auf ihr Visum warten. Einer erzählte mir, dass er in seiner alten Heimat, in Kurdistan, Ingenieur war, dann zuerst nach Wien floh und nun, da es sein Herzenswunsch war, nach Innsbruck kam. Er vermisst seine Arbeit sehr, will nicht nur herumsitzen und warten. Sie alle lernen Deutsch, und stolz zählten sie mir auf, was sie schon können und fragten wissbegierig nach neuen Wörtern. Sie wollten wissen was zum Beispiel Ampel, in der Sprache, die die Sprache ihrer neuen Heimat ist, heißt. Es sind alles ähnliche Schicksale und ihr gemeinsames Ziel ist es, sich hier in Innsbruck eine Existenz aufzubauen.

„People live in their balloon of individuality, held by the hand of reality“

-Sophia Lechner

Die Bilder, die die Männer in die von Sophia vorbereiteten Luftballons malen, sprechen Bände. Es sind Bilder von Hoffnung und Schmerz. Von einer Vergangenheit, die man zum Teil vergessen möchte, zum Teil aber auch furchtbar vermisst, wenn sie zum Beispiel die zurückgelassene Familie beinhaltet. Es ist ihre Art sich mit ihrer neuen Heimat auseinanderzusetzen, ihre Art mit ihren neuen Mitbürgern zu kommunizieren, wenn es auf sprachlicher Ebene noch nicht möglich ist. Diese Hand auf dem Bild, die die Luftballons wie Träume hält, schweißt diese Männer zusammen. Diese Zeichnung, die einen Luftballon mit Fußabdrücken von Kindern, Erwachsenen und einem Hund zeigt, oder einfach nur ein „Mom“ mit Sonnenschein, repräsentiert so viele Flüchtlinge, die hier ein neues Zuhause, ein Willkommensein suchen. Es zeigt ihre Ängste, ihre Träume und ihre Hoffnung auf ein neues Leben. Das war allerdings nur ihr erster Versuch mit ihren neuen Mitbürgern zu kommunizieren, sie sagten mir dass sie sich jederzeit auf reelle Kommunikation, und auf jeden Besuch im Schloss Mentlberg freuen würden.

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