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(IMHO) Kapitel zehn: Die SoWi-Bib – eine Oase in der Motivationswüste

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Wer kennt sie nicht, diese verwünschten Tage im Leben eines Studierenden, wenn einem in den eigenen vier Wänden die Motivation abhanden gekommen ist, sich der Uni To-do-Liste zu widmen?!

Die Versuchung, sich deshalb mit allerlei alternativen Tätigkeiten aufzuhalten, ist oftmals einfach zu groß. Plötzlich beginnt der viel zu volle Müllkübel in der Küche, der Wäscheberg oder der Staub auf den Regalen zu stören und man gibt sich mit bisher selten dagewesener Freude dem Haushalt hin. Doch die Abgabefristen und Prüfungstermine sitzen auch weiterhin erbarmungslos im Nacken. Eine neue Lösung muss also her! Und was hört sich vielversprechender an, als ein produktiver Lerntag an der guten alten SoWi-Bib? Gemütlich wie ein Wohnzimmer wird sie zum Zufluchtsort zahlreicher Studierender, denen es wohl gleich ergeht. Doch von Mal zu Mal vergisst man allzu schnell, welche Hürden sich einem auf dem Weg zur Motivationssuche in der Bib begegnen.

Hat man es nun endlich geschafft, nach mehreren Anläufen das Haus zu verlassen und sämtliche Lernutensilien dabeizuhaben, geht es auch schon voller Elan und steigender Motivation in Richtung SoWi. Dort angekommen, gerät der Plan eines tatkräftigen Lerntages bereits ins Stocken. Schuld daran sind die zahlreichen KollegInnen, die zwar dasselbe Ziel verfolgen, aber zuvor noch eine kurze Rast vom anstrengenden Anreiseweg einlegen. Allzu gerne gesellt man sich zu ihnen und genießt noch einen Kaffee, bevor man sich dem Lernmarathon hingeben möchte. Aus fünf Minuten wird schnell mal eine kostbare halbe Stunde. Doch irgendwann meldet sich dann doch das schlechte Gewissen zu Wort und man tritt den Weg zur Bibliothek an.

Was man zwar jedes Mal ahnt, allerdings meisterhaft verdrängt, ist die Tatsache, dass nun die größte Herausforderung auf unsere Motivation wartet: das Ringen um einen Spintschlüssel, ein schickes Plastikkörbchen sowie die Suche nach einem geeigneten Lernplatz. Hat man es mal an den Augen der SoWi-Bib-Wächter vorbeigeschafft, ohne gemaßregelt zu werden, wird einem augenblicklich klar, dass man wohl besser auf das Kaffeekränzchen vor der Bib verzichten hätte sollen. Nun kann man sich von der Illusion verabschieden, das perfekte Lernörtchen zu finden. Das einzige was nun zählt, ist überhaupt noch einen Tisch mit dazugehörigem Sessel zu ergattern. Doch auch davon lässt man sich als „Vollblut-SoWi-Bib Studierende/r“ nicht unterkriegen und Hartnäckigkeit wird in manchen wenigen Fällen auch belohnt.

Nachdem man es nun so weit geschafft hat, steigt die Motivation und man bekommt richtig Lust, der To-do-Liste den Kampf anzusagen. Doch man hat die Rechnung ohne das berühmt berüchtigte SoWi-Internet gemacht, das nur darauf wartet, die neu aufkeimende Motivation der Studierenden zunichte zu machen. Das gelingt in den meisten Fällen auch sehr effektiv, denn gerade in den Stoßzeiten kann man sich vom Gedanken eines schnellen und funktionstüchtigen Internets verabschieden. Natürlich haben schon so manche verschiedene Taktiken entwickelt, um das SoWi-Internet zu überlisten, aber der Erfolg hält meist nur wenige Minuten an, dann breitet sich erneut der Frust aus und es bleibt kaum eine andere Wahl, als eine weitere Pause einzulegen. LeidensgenossInnen sind schnell gefunden.

Mit zunehmender Stunde, so gegen vier/fünf Uhr nachmittags, leert sich dann die SoWi-Bib wieder, die Temperatur im Raum wird erträglicher und das Internet steht dem hartnäckigen Kern nun wohlgesinnter gegenüber. Jetzt gelingt es endlich, sich mit der nötigen Konzentration der To-do-Liste anzunehmen und das letzte Quantum Motivation voll auszuschöpfen. Am Ende des Tages kann man sich dann guten Gewissens entspannen, denn man hat ja schließlich den ganzen Tag an der Uni verbracht!

Foto: Melanie Hirsch

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