Cognac & Biskotten – Auch nach 18 Jahren noch für Überraschungen gut

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Der Tiroler Literaturclub Cognac & Biskotten präsentiert am Freitag, 24.4.2015, die 37.Ausgabe seines Literaturmagazins zum Thema „Armut“ im Rahmen von „Innsbruck liest 2015“. Die Zeitlos hat Chefredakteur Thomas Schafferer getroffen, um die Hintergründe der neuen Ausgabe der „Literarischen Straßenzeitung“, die als Beilage des 20er erscheint, zu erfahren.

Zeitlos: Was ist Cognac & Biskotten?

Thomas Schafferer: Auf der einen Seite ist Co & Bi ein Literaturclub, der Lesungen oder Schreibwerkstätten bis hin zu Kabarettauftritten oder Konzerten veranstaltet. Denn wir interessieren uns für Literatur im engeren, wie weiteren Sinn. Ganz wichtig zu betonen ist, dass wir, egal was wir organisieren oder veranstalten, immer künstlerisch irgendwie mitmischen. Das heißt, wir buchen nicht einfach Autoren und Künstlerinnen, sondern wir beteiligen uns in der einen oder anderen Weise bei jedem Projekt. Das ist etwas, worin wir uns von konventionellen KulturveranstalterInnen unterscheiden. Auf der anderen Seite gibt es unsere Literaturzeitschrift, die auch den Ausgangspunkt für das gesamte Projekt „Cognac & Biskotten“ dargestellt hat. Seit dem ersten Jahr, als wir lediglich als selbstkopiertes A5-Heft erschienen sind, haben wir uns extrem weiterentwickelt.

Was zeichnet Cognac & Biskotten besonders aus?

Das Magazin sieht jedes Mal anders aus, sprich das Trägermedium worauf die Texte abgedruckt werden, ändert sich. Gerade unsere kombinierende Verbindung von Thema, Format und Präsentationsort ist, wie ich vermute, wohl weltweit einzigartig. Unser Gesamtkunstwerk soll aber immer auch einen Alltagsbezug haben. Wir verwenden daher auch Alltagsgegenstände, wie Plastiksackerln oder Lineale als Trägermedien und veranstalten an Orten, die nicht per se mit Literatur zu tun haben, aber dafür mit dem Alltag der Menschen zu tun haben.

Die spektakulärste Ausgabe unseres Magazins wurde unter dem Motto „Haltestellen & Lebensläufe“als „Die literarische Straßenbahn“ realisiert, die ein halbes Jahr durch Innsbruck und ins Stubaital gefahren ist. Zum Auftakt fand ein Leseabend in der Tram und in der IVB-Remise statt. Im Gegensatz dazu ist unsere kleinste Ausgabe zum Thema „Trägheit“ entstanden, nämlich „Das literarische Aufputschmittel“. Die Texte waren dabei in einer Medikamentenschachtel auf einem riesengroßen, ausfaltbaren Beipackzettel aufgedruckt. Die Präsentation fand dafür in einem Ärztehaus statt.

Helmuth Schönauer, Kultfigur der heimischen Szene und Meisterrezensent hat einmal über uns gesagt, „Cognac & Biskotten ist wie eine Band. Der Bandleader bleibt, aber es spielen immer wieder neue Menschen mit neuen Instrumenten mit“.

Warum soll man das neue Magazin lesen?

Das neue Magazin widmet sich dem Thema „Armut“. Welches Trägermedium eignet sich da besser als eine Straßenzeitung, die von Menschen, welche von Armut betroffen sind, verkauft wird. Dieses 16 Seiten umfassende Heft wird dankenswerter Weise in einer Auflage von fast 20.000 Stück der Mai-Ausgabe der Tiroler Straßenzeitung „20er“ beigelegt. Das Thema „Armut“ wird darin literarisch vielfältig behandelt: Von Armut an Kommunikation, an Liebe, an Bildung bis hin zu den in diesen Tagen sehr präsenten Themen wie die Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer oder die Bettlerdebatte in Innsbruck.

Neben SchriftstellerInnen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum haben auch selbst von Armut betroffene Menschen und sogar ganze Schulklassen Texte eingereicht.

Was kann eure Leserschaft denn auf dem Release-Event erwarten?

Eine aktive Teilnahme ist, wie so oft bei unseren Veranstaltungen, auch diesmal gefragt. Man muss sich bewegen, um die Präsentation zu erleben. Denn am Beginn steht eine Führung im Innsbrucker Bahnhofsbereich. Treffpunkt ist um 17.45 Uhr vor der Caritas-Zentrale in der Heiliggeiststraße, von wo wir uns dann an Orte der Armut und Not begeben. Martin Lesky von der Caritas wird gemeinsam mit uns versuchen, interaktiv Einblicke in das Thema zu geben. Zwischen diesen Diskursen wird es immer wieder kurze Lesungen geben. Am Ende des Rundgangs gegen 19.00 Uhr landen wir dann im Alexihaus der Innsbrucker Sozialen Dienste in der Dreiheiligenstraße. An einem weiteren Ort der Armut, an einem Ort für wohnungslose Menschen, wo mit ihnen und für sie zahlreiche, weitere Lesungen stattfinden werden. Wie bei jeder Ausgabe ist diese Nr. 37 wieder ein neues Experiment, mit neuem Thema, neuem Format und neuem Präsentationsort. Immer unter dem Motto „Co & Bi langweilt nie“.

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