(IMHO) Kapitel neun: Prunus serrulata artificialis – Frühling eines Plastikbaums

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Den Winter lang erfreuet mich
dein Anblick deine Pracht
So lieblich und so zart du bist
in deiner ew‘gen Blüh.

Doch warest stets
von früh bis spät,
ein Anblick auch der Traurigkeit
So trist in jener Mondesnacht mein Augenschein dich streifte.

Ob er sich jemals einsam fühlt
so kalt und ohne Licht?
So einsam wohl wie ich es bin,
des Abends in der Kühle.

Die Menschen kamen, Nah und Fern,
sich bald vor ihm versammelt.
Wohl wusste er,
um das Geschehn
Sein andersartig Sein.

Nun ist der Frühling hier und jetzt
in seinem schönsten Grün
und endlich auch des Baumes Blatt
sich Seinesgleichen weiß,
Das weite Kleid von Tag zu Tag die ganze Welt erblüht.

Was Leben heißt und Sterben auch
den Kirschenduft er ahnt
der Baum sich streckt und reckt im Wind
gen all der Liebelei.

Die Luft ist frisch und lau zugleich,
die Sonne sich erwärmt
Er fühlt die Lieb‘ so wahr und echt
Doch ist es nur ihr Schein

Denn nun sein Kleid
wie schnell’s ergraut
Tag ein Tag aus
So steht er da.

Gefangener auf ewiglich
des starren rosa Seins.
Foto: die Zeitlos

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