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Human- Animal Studies im Aufschwung: Ein Interview mit Dr. Gabriela Kompatscher- Gufler

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Ein neues Forschungsfeld, welches mit seinen Vorträgen nicht nur Studierende, sondern auch Menschen von außen in die Vorlesungen der Universität Innsbruck lockt. Mitbegründerin der Human-Animal Studies (HAS) in Innsbruck, Dr. Gabriela Kompatscher-Gufler, stand uns für ein Interview zur Verfügung, in welchem sie über das neue Forschungsfeld berichtet.

Die Zeitlos: Können Sie erklären, was man überhaupt unter Human-Animal Studies versteht? 
Gabriela Kompatscher: Allgemein können die Human-Animal Studies als ein junges, interdisziplinäres Forschungsfeld bezeichnet werden, das sich zum Ziel gesetzt hat, auf möglichst vielen Gebieten eine neue, angemessene Darstellung der zahlreichen und komplexen Tier-Mensch-Beziehungen zu bieten. Ein Beispiel hierfür ist die Kategorisierung von Tieren.

Ein Schlachttier wird erst zu einem solchen, sobald der Mensch es als sog. „Schlachttier“ kategorisiert. Demselben Prinzip liegt die Frage zugrunde: Warum streichle ich diese Tiere und esse die anderen? Bei Bearbeitung des neuen Forschungsfeldes  versuchen wir, anthropozentrische Perspektiven, d.h. Perspektiven, bei denen der Mensch zum Mittelpunkt der Welt gemacht wird, zu hinterfragen. Wir sind bemüht, ein interdisziplinäres und kritisches Verständnis des Mensch-Tier-Verhältnisses zu fördern und somit auch zu Verbesserungen im Sinne der Tiere beizutragen.

Sie haben das Forschungsfeld als relativ jung bezeichnet. Seit wann wird es an der Universität Innsbruck betrieben?    
Wir in Innsbruck beschäftigen uns seit ca. zwei Jahren mit diesem Forschungsfeld. Den HAS vorausgegangen ist die Gründung von LIFE, der Universitären Interessengemeinschaft für Tierrechte. Begonnen haben wir mit Fortbildungen und Vorträgen. Anschließend kamen wir auf die Idee, im Wintersemester 2012/2013 an der Universität Innsbruck eine Lehrveranstaltung anzubieten, welche seitdem bei Studierenden sowie auch bei Interessierten von außen auf großes Interesse gestoßen ist.

Inwieweit hängen die HAS mit der Tierrechts-bewegung zusammen?
Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen sind aus gesellschaftlichen Bewegungen heraus entstanden, wie etwa die Women’s Studies aus der Frauenrechtsbewegung, die African-American Studies aus der Bürgerrechtsbewegung und so eben auch die Human-Animal Studies aus der Tierrechtsbewegung.

Der Zusammenhang zwischen HAS und Tierrechtsbewegung kann aber unterschiedlich ausgeprägt sein: Es gibt ForscherInnen, die mit der Tierrechtsbewegung nichts zu tun haben und ihre Forschungsfragen auch nicht an deren Interessen ausrichten und andere, die sich stärker mit den Anliegen des Tierschutzes identifizieren. Dies bedeutet, dass sie sich vor allem mit dem Verhältnis zwischen Mensch und sogenannten Nutz- und Labortieren aus einer gesellschafts- und wissenschaftskritischen Perspektive beschäftigen. Unser Team in Innsbruck vertritt einen grundsätzlich kritischen Zugang und nimmt stets auch Bezug auf aktuelle Entwicklungen im Bereich der Tierrechtsbewegung, will aber die Vielzahl der Themenbereiche der Human-Animal Studies keinesfalls darauf einschränken, sondern – im Gegenteil – fördern.

Wie erreichen Sie die Gesellschaft?  
Letztes Jahr im Februar gab es beispielsweise eine Konferenz mit dem Thema „Im Spannungsfeld zwischen ethischen Werten und wissenschaftlicher Objektivität“ zu der wir alle Interessierten eingeladen haben. Somit waren neben Professoren und TierrechtlerInnen auch viele Menschen von außen anwesend, die mehr über dieses Forschungsfeld und über die Thematik erfahren wollten. Abgesehen von solchen größeren Veranstaltungen bieten wir auch Buchvorstellungen und Vorträge an. Zudem arbeiten wir noch stark mit LIFE zusammen, die eben nicht wie wir auf rein akademisch wissenschaftlicher Ebene, sondern vielmehr auf studentischer Ebene agieren. Sie bieten regelmäßig Infostände und Vorträge an der Universität an, die über Themen wie Ernährung oder Tierhaltung informieren.

Lena Glockner_flickr

Was ist in näherer Zukunft geplant? 
Zurzeit versuchen wir uns ein publizistisches Standbein aufzubauen. Vor kurzem ist unser Buch „Disziplinierte Tiere?“ erschienen. Für Studenten ist auch ein Einführungsband der Human-Animal Studies geplant. Ein weiteres Ziel, das wir uns gesetzt haben, ist, das Forschungsfeld in Zukunft auch in Schulen zu etablieren. Wir haben im Sommersemester ein Seminar geplant, in welchem wir versuchen Möglichkeiten auszuarbeiten, wie zukünftige Lehrer ihren Schülern am besten das Thema der Mensch-Tier-Beziehung näher bringen können.

Beitragsbild: Gabriele Kompatscher-Gufler
Fotos: „Untitled“ von Lena Glockner via Flickr unter CC 2.0

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