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Innsbrucker Einpark-Tango in fünf Akten

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Nachweihnachtlicher Samstagabend. Das Verkehrschaos löst sich in Luft auf, das Schneechaos in Wasser. Einparkende Personen mögen sich in der Dunkelheit unbeobachtet fühlen. Doch sie garantiert keinen Schutz. Ein zufälliger Blick aus meinem Fenster beschert mir einen äußerst amüsanten Anblick. Der/Die Autofahrer/in VS. die scheinbar einzig freie Parklücke in der Straße. Lasset den Einpark-Tangotanz beginnen!

1.Akt – Auf gut Glück

Nach Sichtung eines unglaublich selten vorkommenden freien Parkplatzes leitet man/frau eine hörbare Vollbremsung ein. Das Auto schlittert dank der beständigen Eisplatten weiter als gewollt. Der Rückwärtsgang wird eingelegt, das Auto steht in der Parklücke. Der Winkel lässt zu wünschen übrig, denn ca. die Hälfte des Gefährts verhindert ein sicheres Vorbeifahren nachfolgender Autofahrer.

2.Akt – in Memoriam Fahrstunde(n)
Als die Straße wieder frei erscheint, erinnert man/frau sich an die Fahrstunden damals, atmet höchstwahrscheinlich tief durch, stellt das Auto schön parallel auf die Straße, setzt den rechten Blinker, Rückwärtsgang rein, und Vollgas. Ein zu spätes Einschlagen der Kurve verhindert ein gutes Gelingen.

3.Akt – Flucht und Rückkehr
Aus Frust glaubt man/frau eine weitere Parklücke in verkraftbarer Entfernung entdeckt zu haben. Doch die Hoffnung verfliegt schnell, die Karre heult traurig auf während sie schnell zur Ausgangsposition des Problems zurückgelenkt wird. Langsam aber sicher nähert sich das Fahrzeug dem Randstein, erklimmt diesen unüberwindbar erscheinenden Fels in Millimeterarbeit und ich traute meinen Augen nicht, der Motor wurde abgestellt.

4.Akt – „SIE KOMMEN.“
Genauso sicher wie sich Gandalf an Balins Grab über das Eintreffen der Orks ist, war ich mir durchaus bewusst, dass um Punkt 20:31 die Straßenbahn freie Schienen machen wird, komme was wolle. Die Fahrertür öffnet sich wie in Zeitlupe. Die verhängnisvolle rote Raupe nähert sich mit wildem Gebimmel und zwar aus dem einfachen Grund: Um nicht die Tür dieses unmöglich kleinen Autos abzufahren, mit dem man/frau eigentlich kinderleicht einparken können müsste.

5.Akt– Grande Finale
Es wird geblinkt. Es wird gekurbelt. Der Rückwärtsgang wird ein- und aus scheinbarem Irrtum wieder ausgekuppelt. Unterdessen blinken sämtliche Lichter inklusive Rückfahrscheinwerfer im Warnblickanlagentakt und bescheren meinen Augen ein wahres Feuerwerk an diesem vorsilversterlichen Samstag. Und nach 10 allzu flüchtigen Minuten findet das Spektakel ein Ende mit dem kontrollierenden Rundgang um das Gefährt, wobei aus Platzmangel sichtlich das Bäuchlein eingezogen werden muss.

Ein letzter Blick von der anderen Straßenseite … und hell yeah, ich hab’s gesehen, es war ein Mann.

 Foto: Path of my perfect parallel park, A. Jarrett via Flickr unter CC 2.0

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