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Das elektronische Ende der Behördenodyssee

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Man will ein Bankkonto eröffnen und braucht eine Meldebestätigung, möchte die Studienbeihilfe noch fristgerecht beantragen oder braucht noch einen neuen Pass für den Sommerurlaub. Bei so mancher behördlichen Angelegenheit kann es Wochen dauern, bis der Punkt von der To-Do-List gestrichen werden kann. Aber was viele nicht wissen: Seit 2010 geht das auch anders. Denn mit der Einführung der Handy-Signatur und der Bürgerkarte bewegt sich Österreich (und nach einer Verordnung 2014 bald die gesamte EU) einen Schritt in Richtung E-Government und ermöglicht den BürgerInnen, zahlreiche Amtswege elektronisch zu erledigen. Weil uns das auch für zeitlose Menschen relativ nützlich erscheint, haben wir genauer hingeschaut.

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Was bringt’s?
Je nach Wohnsitzgemeinde fällt das Angebot unterschiedlich aus, Leistungen wie die folgenden werden aber praktisch überall angeboten:
– Meldebestätigungen
– Stipendienanträge
– Pensions-und Beihilfenanträge
– Leumundszeugnis
– FinanzOnline: Steuer- und Finanzangelegenheiten
– Diebstahlsanzeigen
– Einsehen von Sozialversicherungskonten
– Einsehen des eigenen Pensionskontos

Was muss ich tun?
Das Service funktioniert sowohl mithilfe der E-Card und eines Kartenlesers (=“Bürgerkarte“), als auch per Handy-Signatur, ähnlich der elektronischen TAN. Nach kurzer Aktivierung im Amt oder direkt übers Internet (siehe Video) kann es auch schon losgehen. Teilweise ist die Menüführung online noch sehr undurchsichtig und der Zugriff sollte vereinfacht werden, aber auf www.help.gv.at/aof/sigliste-flow findet man alle Formulare, die in der eigenen Gemeinde zum digitalen Ausfüllen zur Verfügung stehen. Damit das bestellte Dokument nach der Einreichung auch sicher „geliefert“ wird, ist noch eine Registrierung auf einer der zugelassen Online-Zustellseiten nötig. Sobald das Formular erfolgreich versandt worden ist, gilt es nur noch ein paar Tage zu warten, bis die Behörde den Antrag bearbeitet hat und die Antwort per Mail eintrifft. Gebühren fallen dabei wie direkt im Amt nur für die eigentliche Leistung an.

War’s das?
Nein, denn neben Amtswegen gelten Handy-Signatur und Bürgerkarte auch für privatrechtliche Belange. Wer seinen Handyvertrag oder ein Zeitungsabo rechtsgültig kündigen möchte, kann dies über die Website www.online-kuendigen.at tun. Hierfür wählt man aus einer Liste von derzeit 1.327 österreichischen Organen aus und nach der Signatur sendet die Website automatisch eine rechtsgültige Kündigung als PDF-Datei an die jeweilige Institution. Eine weitere nützliche Funktion ist die signierte Übermittlung von Dokumenten, die man normalerweise per Post versenden müsste. Etwa eine Schadensmeldung bei der Versicherung, Rechnungen, Gutachten oder Vertragsabschlüsse können jetzt online erledigt werden.

Wie sicher ist das Ganze?
Nur die Kombination aus den zwei Faktoren Wissen (PIN) und Besitz (Mobiltelefon bzw. e-card) ermöglicht einen erfolgreichen Login an einem Service oder eine elektronische Unterschrift. Für eine missbräuchliche Verwendung müsste also das Mobiltelefon oder die e-card entwendet UND zusätzlich die entsprechende PIN ermittelt werden –bei sorgsamem Umgang ist dies aber praktisch unmöglich. Gespeichert wird im gesamten Vorgang einzig die ZMR-Zahl (Zentrales Melderegister), die laut Zentrum für sichere Informationstechnologie durch ein komplexes Verschlüsselungssystem nicht wiederhergestellt werden kann und somit den Zugriff auf die Daten nicht zulässt.

Fazit
Handysignatur und Bürgerkarte ermöglichen Konsumenten, Dokumente digital anzufordern und sie in wenigen Tagen zu erhalten. Es gibt noch Potential in Sachen Überschaubarkeit, beispielsweise  sollte die Registrierung zu den digitalen Bestellseiten gleich in die Aktivierung integriert werden.  Auch sind gewisse Leistungen, wie eine Reisepassbestellung, noch nicht möglich. Im Grunde bietet uns der Dienst jedoch jetzt schon jede Menge Zeit- und Aufwandsersparnis und es ist davon auszugehen, dass die bestehenden Mängel mit steigender Nutzerzahl stetig verbessert werden. Wer sich also genauer informieren möchte, findet alle Details unter buergerkarte.at.

Foto: Black and white office, Rayi Christian Wicaksono via Unsplash unter CC 2.0

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